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Museumsprojekt zur Trachtenkleidung

Kleidung als Identitätsmerkmal – Kopfbedeckung ist nicht gleich Kopfbedeckung!

Mittwoch, 16 März 2016 17:37 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Kopfbedeckung ist nicht gleich Kopfbedeckung! Kopfbedeckung ist nicht gleich Kopfbedeckung!

Regensburg/Bogen – Kleider machen Leute. Kaum jemand, der diesen Ausspruch nicht kennt. Kleider stellen aber über ihren rein funktionalen Zweck hinaus nicht nur flüchtige Modeerscheinungen dar, sondern oftmals auch ein Identifikationsmerkmal, wie am Beispiel der Trachten ersichtlich. Diesem Komplex in Geschichte und Gegenwart widmen sich noch bis zum Herbst diesen Jahres neun Museen der Oberpfalz im Rahmen des Museumsprojekts „Tracht im Blick. Die Oberpfalz packt aus.“ Das Sichtbarmachen und sich vergegenwärtigen der eigenen Identität im Kleidungsstil mag vielleicht gerade in Zeiten globalisierter Flexibilität eine Renaissance erleben, um vor lauter Mobilität die Bodenhaftung nicht zu verlieren. „Zur Tracht gehört für viele Menschen auch das selbstbewusste Bekenntnis zur regionalen Zugehörigkeit als Bayer und Oberpfälzer“ wurde Franz Löffler, der Bezirkstagspräsident der Oberpfalz zitiert. Und dies nicht zu unrecht, folgt man dem Ergebnis einer - wenngleich nicht repräsentativen - Umfrage auf der Regensburger Frühjahrsdult.

Die beteiligten Museen widmen sich jeweils speziellen Aspekten zum Thema. Auch das Historische Museum der Stadt Regensburg greift für dieses Museumsprojekt tief in sein umfangreiches Textildepot. Beispielsweise  geht das Oberpfälzer Freilandmuseum der Frage nach, warum das Dirndl heute wieder modern ist und das Stadtmuseum Schwandorf widmet sich den Kleidungsstücken, die auch unter der Tracht getragen wurden. Das Stadtmuseum Weiden zeigt in der zweiten Ausstellung „Trachtenzubehör aus der Oberpfalz und dem Egerland“ des Museumsprojekts neben Schmuckstücke aus der Oberpfalz auch Pretiosen aus dem westböhmischen Egerland, um trotz der vorhandenen Verschiedenartigkeit dieser beiden Regionen dennoch deren enge kulturelle Verbundenheit darzustellen. Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl sprach im Zusammenhang mit diesem Museumsprojekt von „Kraft, Kompetenz und Kreativität“. Ein kurzgefasster Dreiklang, den keine langatmige Laudatio übertreffen könnte.

Doch nicht allein quer durch die Oberpfalz bietet sich die Möglichkeit besagten Ausstellungsreigen in Augenschein zu nehmen, denn nicht ganz ohne Bezug darauf, verlängert auch das Kreisheimatmuseum am Bogenberg im niederbayerischen Landkreis Straubing-Bogen eine bereits in der vergangenen Saison gezeigte Sonderausstellung „Von Kopf bis Fuß. Kleider und Leute auf dem Land“. Laut Museumsleiterin Barbara Michal sei das Thema Kleidung derzeit im Museumsbereich angesagter denn je. Ob es sich jedoch nicht um eine Themaverfehlung handelt, die Ausstellung ab 1. Mai um die Komponente eines Fotoprojekts „Geflüchtete und ihre Kleidung“ zu erweitern, sei einmal dahingestellt. Zumindest ist eine ideologische Toleranzverpflichtung so mancher Berichterstattung darüber herauszulesen, wenn darauf verwiesen wird, welch Erstaunen es bei Flüchtlingen hervorrief zur Kenntnis zu nehmen, dass auch hierzulande früher eine Kopfbedeckung zur weiblichen Tracht gehörte. Als ob es kein Unterschied wäre, wenn dies zwar landläufig häufiger Usus, aber kein Zwang war. Käme ein solcher Vergleich aber aus politisch unkorrekter Ecke, wäre es wohl keine zeitgemäße Erkenntnis, sondern „ewiggestrig“...

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Redaktion