www.derfflinger.de

Frankfurt – Der Ölpreisverfall und die anhaltende Mini-Inflation im Euro-Raum bestimmten auf der EZB-Sitzung am Donnerstag - fast ein Jahr nach Beschluss, die Märkte mit Billiggeld zu fluten - die Agenda der ersten geldpolitischen Zusammenkunft im noch jungen Jahr. Bekanntermaßen, wenn auch keineswegs unumstritten, sieht die EZB die Preisstabilität auf mittlere Sicht erst ab einer Inflationsrate um die 2 % als gewährleistet an. Der Erreichung dieses Wertes sollte auch das Quantitative Easing, sprich das umstrittene milliardenschwere Kaufprogramm von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren, mittels dessen bis mindestens März 2017 monatlich 60 Mrd. € in die Märkte gepumpt werden, dienen. Doch zeigen die EZB-Maßnahmen nicht die anvisierte Wirkung, nachdem das EU-Statistikamt Eurostat für Dezember eine  Jahresrate von 0,2 % errechnete. Bei ihrer Sitzung am Donnerstag beließen die Währungshüter den wichtigsten Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent sowie auch der Strafzins für Geld, das Banken über Nacht bei der Notenbank parken, bis auf Weiteres 0,3 % beträgt.

Donnerstag, 10 Dezember 2015 17:13

Welche Geheimpolitik betreibt Mario Draghi?

Frankfurt am Main - Zahlreiche Finanzexperten, aber auch Politiker fordern, dass die EZB ein bislang geheimes Abkommen mit den nationalen Notenbanken offenlegt, demzufolge nicht nur die EZB, sondern auch die Notenbanken im großen Stil Euro-Wertpapiere aufkaufen und im Gegenzug frisches Geld in den Markt pumpen. Hintergrund ist das sogenannte Anfa-Abkommen (Agreement on the Net-Financial Assets), sprich eine geheime Vereinbarung zwischen der EZB und den Notenbanken der Euro-Zone über Wertpapierinvestments, wonach es besagten 19 nationalen Notenbanken gestattet ist, nach eigenem Ermessen über die EZB-Beschlüsse hinaus Staatsanleihen zu erwerben. Folgt man Meldungen der „Welt am Sonntag“, sind die auf eigene Rechnung erfolgten Wertpapiergeschäfte der nationalen Notenbanken nicht nur selbst von Zentralbankexperten kaum beachtet, sondern auch viele Details dazu konsequent unter Verschluss gehalten worden.

Mittwoch, 09 Dezember 2015 05:55

EZB-Maßnahmen in der Kritik!

Frankfurt am Main - Die EZB hatte am Donnerstag angekündigt, ihr umstrittenes Anleihen-Kaufprogramm auszuweiten und zu verlängern. Zudem müssen die Banken im Euroraum künftig einen etwas höheren Strafzins zahlen, wenn sie überschüssiges Geld bei der Zentralbank parken. Die Europäischen Börsen und der Euro-Kurs waren trotz der expansiven Maßnahmen auf Talfahrt gegangen, nachdem an den Märkten mit erheblich stärkeren Lockerungen gerechnet wurde. Die draghi´schen EZB-Maßnahmen geraten allerdings zunehmend in die Kritik, ja sogar innerhalb der EZB-Reihen soll es tiefgreifende Differenzen geben, und dies nicht allein nur seitens des Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann. Hinsichtlich der Marktreaktionen wird EZB-Chef Mario Draghi vorgeworfen, die Erwartungen absichtlich zu weit hochgeschraubt haben. Doch auch Finanzexperten und Wirtschaftsvertreter von außerhalb der Zentralbank üben Kritik.

Donnerstag, 12 November 2015 11:20

Quo vadis EZB?

Frankfurt am Main - Das EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure schafft es derzeit desöfteren in die Medien, obgleich dies nicht immer einer Laudatio gleichkommen muss. Erst im Mai kam es zu Irritationen, nachdem anlässlich einer Rede von Coeure in London marktrelevante Vorabinformationen an diverse Hedgefondsmanager gelangt sein sollen. Dann geriet er erneut wegen eines Termins mit Großbankern der französischen BNP-Paribas kurz vor der EZB-Entscheidung im September in die Kritik. Derselbe Benoit Coeure äußerte sich nun öffentlich zur EZB-Geldpolitik und sprach dabei von „eindeutigen Abwärtsrisiken“. Insbesondere beteuerte der EZB-Banker das Festhalten am 2%-Inflationsziel und stellte wörtlich die Behauptung auf: "Eine Inflationsrate, die sich dauerhaft bei rund ein Prozent einpendelt, ist mit dem Mandat der EZB nicht vereinbar und kann nicht hingenommen werden." Das Mandat lautet jedoch Preisniveaustabilität.

Frankfurt am Main - Die Europäische Union ist seit Ausbruch der Finanzkrise, die es ohne die EU-Politik vermutlich nicht einmal gegeben hätte, bestrebt, eine sogenannte europäische Bankenunion voranzutreiben. Diese besteht aus den drei Säulen europäische Bankenaufsicht, europäische Bankenabwicklung und europäische Einlagensicherung, wobei sich die EU die diesbezüglichen nationalstaatlichen Kompetenzen einverleiben möchte. Seit 04. November hat eine zentrale Bankenaufsicht (SSM) unter EZB-Leitung die Überwachung von 123 Banken im Euro-Raum, darunter 21 deutsche Bankengruppen, übernommen. Mit Beginn 2016  greifen dann zur Sanierung bzw. Schließung von Banken ebenfalls europäische Regeln (SRM). Und im Juni dieses Jahres machten die führenden Köpfe der maßgeblichen EU-Institutionen einen Vorstoß, um die nationalen Systeme zur Absicherung von Kundengeldern in einem europäischen System zusammenzuführen. Insbesondere EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will die Reform der Einlagensicherung vorantreiben.

Frankfurt am Main - Am gestrigen Donnerstag, den 22. Oktober, fand auf Malte das in diesem Jahr vorletzte Treffen der Europäischen Zentralbank (EZB) statt, auf dem die umstrittenen Anleihenkäufe sowie die extrem niedrige Inflation beherrschendes Thema waren. Seit längerem schauen die Finanzmärkte darauf, ob Mario Draghi die geldpolitischen Zügel noch weiter lockert, sprich das bislang auf 1,14 Billionen Euro angelegte Anleihen-Kaufprogramm ausweitet. Seit März werden mittels Erwerbs von Staatsbonds wöchentlich Milliarden bislang vergeblich in das Bankensystem gepumpt, um der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen und die Inflationsrate zu heben. Doch nach nun neun Monaten seit Beginn dieser QE-Maßnahme sind immer noch keine spürbaren Auswirkungen auf die Inflationsentwicklung zu verzeichnen sowie die Verzögerungen der angekündigten Zinsanhebungen der Federal Reserve die EZB zusätzlich unter Druck setzen. Im September waren zudem die Preise wegen der niedrigen Energiekosten um 0,1 Prozent gefallen.

Frankfurt am Main - Euro-Rettung ohne Grenzen: EZB-Präsident Marion Draghi kündigte nach der Ratssitzung am vergangenen Donnerstag an, das ohnehin bereits über eine Billion Euro schwere Ankaufprogramm von Staatsanleihen aufgrund gestiegener Risiken und sinkender Wachstumsprognosen ggf. sogar noch auszuweiten. "Das Wertpapier-Kaufprogramm bietet hinreichend Flexibilität, was die Änderung von Umfang, Zusammensetzung und Laufzeit angeht", so Draghi wörtlich. Das Bankensystem kann sich auch weiterhin billig mit frischen Geld versorgen, denn während die Notenbanker das Kauflimit je Emission von 25 % auf 33 % erhöhten, beließen sie den Leitzins fortgesetzt auf dem Rekordtief von 0,005 %. Durch das Ankaufprogramm sollte, laut offizieller Lesart, zwar keine Staatsfinanzierung erfolgen, sondern die Banken zur verstärkten Kreditvergabe angeregt werden, da die Attraktivität der Staatsanleihen als Investment gesenkt würde, allerdings verzeichnete erst jüngst der DIHK in einer Umfrage erstmals seit 2009, daß in Deutschland vergleichsweise zu Betriebsmittelfinanzierungen größere Schwierigkeiten für den Erhalt von Investitionskrediten zu verzeichnen sind. Mit Blick auf das EZB-Programm bleiben auch bislang sowohl die in das Ankaufprogramm gesetzten Konjunktur-, als auch die Inflationserwartungen aus.

Frankfurt am Main - Laut einer aktuellen DIHK-Umfrage zeichnet sich im vergleichsweise noch komfortablen Finanzierungsumfeld in Deutschland bei näherer Betrachtung ein zunehmendes Problem ausgerechnet bei den volkswirtschaftlich bedeutsamen Investitionskrediten ab. Wenngleich auch die EZB-Geldpolitik abgesehen ihres immanenten Risikos krisenauslösender Vermögenspreisblasen grundsätzlich zu einer Erleichterung der Kreditvergabe beitragen kann, bestehen dennoch eine Reihe von Hindernissen, welche die Investitionstätigkeit hemmen. Zwar stieg die Nachfrage nach Unternehmenskrediten im ersten Quartal 2015 erstmals seit längerer Zeit wieder an, jedoch ein relevanter Teil dieses Anstiegs ist nach Angaben der Bundesbank aber auf die Finanzierung von M&A-Transaktionen und nicht auf neue Investitionen auf Betriebsebene zurückzuführen. Und trotz eines, laut Jahresabschlußstatistik, Anstiegs der  durchschnittlichen Eigenkapitalquote von 2002 bis 2012 von 22,4 % auf 28,0 %, stellt nach wie vor der Eigenfinanzierungsanteil für etwa ein Drittel der Unternehmen ein Hindernis beim Kreditzugang dar. Bürokratische Formalismen, wie beispielsweise Dokumentationspflichten, werden von 17 % der Unternehmen als Kredithindernis angeführt, womit diese Kategorie einen ähnlichen Stellenwert wie der Zins einnimmt.

Frankfurt am Main - Die betriebliche Altersvorsorge bereitet den Unternehmen im anhaltenden Niedrigzinsumfeld zunehmend Probleme und wirkt sich negativ auf die Investitionsfähigkeit aus. Dies bestätigen über 9000 Unternehmensantworten einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), der feststellt, daß dieses Thema an Brisanz für die Zukunftsfähigkeit der Betriebe zugenommen habe. Die Niedrigzinsphase weist eindeutig zwei Seiten der Medaille auf: der leichteren Bedienung fremdkapitalbasierter Finanzierung steht das Problem der Aufstockung der Pensionsrückstellungen gegenüber, die aufgrund des Ausbleibens der ursprünglich kalkulierten Verzinsung erforderlich werden. Gesamtwirtschaftlich ist jedes dritte Unternehmen in Deutschland derzeit mit diesem Problem konfrontiert. Nach der getätigten DIHK-Umfrage revidiert aufgrund dieser Kostenbelastung jedes zehnte Unternehmen seine Investitionspläne nach unten.

Magdeburg - Anfang diesen Monats erfolgte unter der Bundestagsdrucksachennummer 18/5457 eine 48-seitige Unterrichtung hinsichtlich der Finanzstabilität in Deutschland, indem der diesbezügliche Ausschuß seinen zweiten Bericht abgab. Der Berichtszeitraum belief sich vom April 2014 bis März 2015. Dem Anfang 2013 eingerichteten Ausschuß, der quartalsweise tagt, gehören jeweils drei Vertreter des Bundesministeriums der Finanzen, der Deutschen Bundesbank, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sowie ein Vertreter der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung an. Laut Einschätzung des Ausschusses haben die Risiken für die Finanzstabilität aus dem makroökonomischen und internationalen Umfeld zugenommen. Als Ausgangspunkt für diverse potentielle Fehlentwicklungen wurden die anhaltend niedrigen Zinsen analysiert. Wobei jedoch auch nicht unerwähnt blieb, daß gleichwie einer fortdauernden Niedrigzinsphase ebenso auch ein abruptes Ansteigen der Kurzfristzinsen die GuV-Rechnungen der Bankinstitute, insbesondere diejenigen von nur kleiner bis mittlerer Größe, spürbar beeinträchtigen würde.

Seite 1 von 7