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Blockchain-basiertes Transparenzsystem

4ARTechnologies: Niko Kipouros mag mit Katalogisierungs- und TransaktionsAPP den Kunsthandel revolutionieren

Mittwoch, 11 Juli 2018 14:22 geschrieben von  Stephan Kraus

Hünenberg – Nikolaos Kipouros hat offenbar einen Lauf. Mit 4ARTechnologies ist er mit einer Blockchain-Technologie dran, den Kunstmarkt zu revolutionieren. Unter einer Blockchain versteht man eine gemeinschaftlich genutzte Datenbanktechnologie, die Absender und Empfänger einer Transaktion direkt miteinander verbindet. Dieses Digital-Register hat seine Bezeichnung aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „Blockkette“, also eine Kette aus Transaktions- und Informationsblöcken. Jeder neue Block integriert einen digitalen Fingerabdruck des jeweils vorangegangenen Blocks, sodass eine Informationskette entsteht, ohne dass sich ein Kettenglied nachträglich verändern lässt. Das so entstehende und sich ständig verlängernde Online-Netzwerk stützt sich auf die Computer der Teilnehmer. Alle verschlüsselten Transaktionen fügen sich zu einer Kette zusammen und werden in einen Computer-Code umgewandelt. Jede einzelne vom Datenbanksystem erfasste Information ist verifizierbar. Diese von mehreren Rechnern verwalteten Informationen, auf die jeder Transaktionsteilnehmer Zugriff hat, sind äußerst fälschungssicher. Auf diesem Blockchain-Prinzip fußt auch die Kryptowährung Bitcoin.

Schon mehrfach gab es Versuche, das manipulationssichere Blockchain-System auf den Kunsthandel zu übertragen und so die Transparenz und Sicherheit im Kunstmarkt zu erhöhen. Die meisten dieser Ansätze zielten aber nur darauf ab, mehr Klarheit über Geschichte und Herkunft von Kunstwerken zu schaffen, indem diese Daten in der Blockchain gespeichert wurden. Bei diesem Verfahren gab es erhebliche Defizite. So ist die Überprüfung der Echtheit eines digitalen Zertifikats nicht gleichbedeutend mit der Überprüfung der Echtheit des physischen Kunstwerks. Außerdem werden durch die direkte Verbindung von Käufern und Verkäufern wichtige, meinungsbildende Akteure auf dem Kunstmarkt wie Galeristen und Sammler, die über eine beträchtliche Menge an Kunstwerkdaten verfügen, regelrecht ausgeschlossen.

Mit diesem Zustand wollte sich die im schweizerischen Hünenberg beheimatete 4ARTechnologies Holding AG nicht abfinden und hat eine neuartige Katalogisierungs- und Transaktionsplattform zur Authentifizierung von Kunstwerken entwickelt. Während andere Plattformen nur die Authentifizierung von digitalen Zertifikaten zu Historie und Herkunft eines Werkes erlauben, ermöglicht das System von 4ARTechnologies die Authentifizierung des physischen Bildes selbst. Die bei mobilen Anwendungen zum Einsatz kommende „Augmented Authentication“-Technologie macht die Verifikation fast kinderleicht und hilft darüber hinaus bei der Erstellung von Zustands- und Restaurierungsberichten. Durch die Zusammenarbeit mit der Atlantic Zeiser GmbH, dem führenden deutschen Anbieter von Sicherheitslösungen für Banknoten und Ausweise, ist sie exklusiv an 4ARTechnologies für den weltweiten Einsatz im Kunstmarkt lizenziert.

Initiator der Blockchain-gestützten Transparenzplattform ist der Kunstsammler Nikolas Kipouros. Als etablierter Kunstvermittler kennt er die Fachwelt in und auswendig und suchte einen Weg, wie Kunstfälschungen schnell erkannt und aus dem Markt entfernt werden können. „Bei schätzungsweise 30 bis 50 Prozent aller Kunstwerke handelt es sich entweder um Fälschungen, oder sie können zumindest nicht zweifelsfrei als Originale zugeordnet werden“, warnt er.Das von ihm gegründete Unternehmen 4ARTechnologies bietet dafür eine sichere Lösung in Form einer Smartphone-App. Kipouros, dessen Investoren-Portfolio mehr als 50 Unternehmen umfasst, räumt ein: „Auf die Idee, ein digitales Echtheits-Zertifikat in der Blockchain zu hinterlegen, sind auch schon andere vor uns gekommen.“ Doch deren Ansätze seien nicht zu Ende gedacht. „Solch ein digitales Zertifikat nutzt Ihnen überhaupt nichts, wenn es keinen direkten Bezug zum Objekt hat. Denn dann kann es Ihnen am Ende des Tages passieren, dass Sie zwar ein echtes Zertifikat haben, dazu aber einen falschen Gegenstand bekommen“, erläuterte er einem Interviewpartner. Diese fehlende Verbindung zwischen digital und analog stecke in seiner App. Ein durchdachtes Authentifizierungsverfahren für das Smartphone erfasse Struktur, Material, Oberfläche und das Farbspektrum eines Kunstwerkes und knüpfe diese digitale DNA in der Blockchain fest an das Echtheitszertifikat. So könne schnell und sicher festgestellt werden, ob ein Kunstwerk tatsächlich das ist, das ein Zertifikat beschreibt.

Dieses Blockchain-basierte Katalogisierungs- und Transaktionsverfahren soll allen Teilnehmern des Kunstmarktes nutzen. Kunstwerkeigentümer profitierten von erhöhter Investitionssicherheit und einer komfortablen Lösung zur Portfolio-Verwaltung, heißt es unternehmensseitig. Zustandsberichte würden einfach auf einem Smartphone erstellt und machten es möglich, jede Kunstwerk-Transaktion vom Verkauf über die Versicherung bis zum Versand abzusichern. Logistik- und Transportdienstleistern helfe die Track & Trace-Funktion. Restauratoren und Konservatoren seien in der Lage, die Details ihrer Arbeit zu protokollieren und auf die Details früherer Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten zurückzugreifen. Und schließlich werde Künstlern dank der Eintragung des Kunstwerkes in den Blockchain-Pass die Chance geboten, bei Weiterverkäufen Tantiemen einzustreichen. Wer ein neues Werk im System anlege, könne dort auch einstellen, dass ihm bei einem Besitzerwechsel der zustehende Anteil am Verkaufspreis gezahlt werde. „Gerade für noch nicht so bekannte Künstler ist bislang nicht nachvollziehbar, ob und wie ihre Bilder weiterverkauft werden – und sie gehen dann häufig leer aus“, erklärt Kipouros.

Das unternehmerische Multitalent mit großem Kunstsinn beschreibt seine Überzeugung so: „Kunst ist Kultur und damit ein Teil unserer Identität, Kunst ist aber auch Leidenschaft, Handelsgut und Objekt der Begierde, Kapitalanlage und Währung. Kunst ist so vieles und doch für jeden etwas anderes. Nur eines haben wir alle gemeinsam – den Wunsch, dieses Gut und seine Werte zu schützen.“

Letzte Änderung am Mittwoch, 11 Juli 2018 14:27
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