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„Verhaltene“ Erwartungen für 2016

Bilfinger streicht Dividende für 2015

Mittwoch, 16 März 2016 17:10 geschrieben von  Susanne Hagel
Bilfinger streicht Dividende für 2015 Quelle: Bilfinger SE

Berlin - Nachdem das Dienstleistungsunternehmen Bilfinger im vergangenen Jahr einen Rekordverlust in Höhe von insgesamt rund 489 Millionen Euro verzeichnete, streicht das Unternehmen seinen Aktionären die Dividende. Das laufende Jahr soll zahlreiche Umstrukturierungen bringen. Im Mai will der MDax-Konzern bekanntgeben, welche weiteren Einschnitte das Unternehmen plant. Schon jetzt erklärte die Unternehmensführung jedoch, die Erwartungen für das laufende Jahr seien „verhalten“.

Denn noch immer agierten die Energiekonzerne aufgrund der angestrebten Energiewende sehr zurückhaltend. Mehrere geplante Investitionen im Öl- und Gassektor wurden deshalb storniert, was die finanzielle Schieflage des ohnehin durch den niedrigen Ölpreis angeschlagenen Konzerns weiter verschärfte. Der niedrige Ölpreis führte EU-weit zu anhaltenden Problemen auf dem Öl- und Gasmarkt aufgrund der Überkapazitäten. Vor allem Abschreibungen auf die Energiesparte, die der Konzern veräußern will, sowie Restrukturierungskosten hätten den Rekordverlust verursacht.

Auch die Prognosen für 2016 sehen entsprechend schlecht aus. „Wir erzielen wesentliche Umsätze aus den derzeit schwierigen Branchen Energie sowie Öl und Gas, somit rechnen wir insgesamt mit einem rückläufigen Volumen in unserem Geschäft“, heißt es im gerade veröffentlichten Geschäftsbericht 2015. Der seit Sommer vergangenen Jahres amtierende Vorstandsvorsitzende Per Utnegaard bezeichnete das angebrochene Jahr gar als „Übergangsjahr“ des Unternehmens. „Wir stehen erst am Anfang eines großen Veränderungsprozesses, der uns noch einige Zeit beschäftigen wird.“ Man rechne mit einem deutlich aggressiveren Wettbewerb im Öl- und Gasgeschäft bedingt durch die anhaltende Zurückhaltung der Kunden. Ähnliches gelte für die Bereiche Chemie und Pharma, so Utnegaard. Trotz eines erwarteten deutlichen Rückgangs der Leistung im Geschäftsbereich Industrial rechnet der Konzern mit einem Anstieg des Ebita: Dank der  Restrukturierungsmaßnahmen solle dieses mindestens auf Höhe des Vorjahresniveau (128 Millionen Euro) liegen oder gar noch leicht ansteigen.

Auch die Prognosen für die Sparte Gebäudemanagement fielen positiv aus: der Konzern erwartet für 2016 ein weiteres Wachstum aufgrund des soliden Anstiegs des Immobiliendienstleistungsgeschäftes. Der bereinigte Gewinn soll ebenfalls leicht zunehmen im Vergleich zum Vorjahr (126 Millionen Euro). Derzeit stellt die Sparte Bilfingers wichtigstes Standbein dar. Im Januar war bekanntgeworden, dass der Konzern auch den Verkauf großer Teile dieser Sparte prüft, nachdem mehrere Käufer Interesse signalisiert hatten. „Die Angebote kamen für Bilfinger völlig überraschend“, erklärte Aufsichtsratschef Eckhard Cordes.

Außerdem will Bilfinger neben der Energiesparte weitere Verkäufe mit einem Gesamtvolumen von rund 1,1 Milliarden Euro tätigen. Bereits im Februar dieses Jahres war die Sparte Wassertechnologie für etwa 200 Millionen Euro an die chinesische Chengdu Techcent Environment verkauft worden. Demgegenüber stehen neben den zu tilgenden Schulden auch die im zweistelligen Millionenbereich liegenden Restrukturierungskosten, die dem Konzern langfristig zur Senkung seiner Ausgaben verhelfen sollen. Utnegaard kündigte an, man wolle im Mai weitere Details der neuen Konzernstrategie bekanntgeben. Die Börse reagierte auf die erneut verschobene Bekanntgabe der Pläne des Unternehmens mit erneuten Verlusten für die Aktie: Die Enttäuschung der Aktionäre spiegelte sich in Kursverlusten von deutlich über acht Prozent.

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Redaktion