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Hanseaten investieren auch am Neckar

Hamburg Trust: Dr. Georg Reul will Hasselbring-Krise hinter sich lassen

Freitag, 16 März 2018 00:09 geschrieben von  Gunnar Jahn
Hamburg Trust: Dr. Georg Reul will Hasselbring-Krise hinter sich lassen Quelle: Hamburgtrust.de

Hamburg – Anfang des Jahres meldeten verschiedene Finanz- und Anlegerseiten, dass Oliver Priggemeyer in die Geschäftsführung der Immobilien-Investmentgesellschaft Hamburg Trust berufen wurde. Der 48-jährige Finanzspezialist, der zuvor in mehreren Management-Positionen im Immobilien-Investment und -Asset Management tätig war, übernahm bei den Hanseaten die Position des Chief Operating Officer (COO), kümmert sich also fortan um das operative Geschäft. Die Immobilienbranche nahm die Personalie mit Interesse zur Kenntnis.

Priggemeyer ist ein echter Kenner des Marktes. Vor seinem Eintritt in die Chefetage der Hamburg Trust REIM Real Estate Investment Management GmbH war er bei der IC Immobilien Holding AG und amtierte zuletzt als Vorstand der IVG Immobilien AG/Office First Immobilien AG. Brancheninsider attestieren ihm Führungsstärke und Geschäftstüchtigkeit. Bei Hamburg Trust soll er offenbar neue Deals einfädeln und den Immobilienspezialisten noch breiter als bisher aufstellen.

Bisherige Geschäftspartner schätzen seine Handschlagqualität, die Hamburg Trust erwartet von seinem Einstieg vor allem eine Optimierung ihrer Wachstumsstrategie, da Priggemeyer einiges an Erfahrungen im Auf- und Ausbau von Immobilienportfolios für institutionelle Investoren mitbringt. Sein profundes Immobilien-Knowhow und vielfältige Kompetenzen bei der Führung von Unternehmen der Immobilienbranche kommen ihm dabei zugute. Der richtige Mann zur rechten Zeit, so der Tenor in Anlegerkreisen.

Neustart nach REIT-Ärger

Dass Priggemeyer den Idealtypus des ehrbaren Kaufmannes repräsentieren willden die Pfeffersäcke so schätzen, ist für Hamburg Trust immens wichtig. Erst vor einem Jahr brauten sich dunkle Wolken über der Gesellschaft zusammen, als ein Düsseldorfer Finanzmarktmagazin die Meldung herausgab, dass gegen den damaligen Geschäftsführer Dirk Hasselbring ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Treuebruchs von der Hamburger Staatsanwaltschaft eingeleitet worden war.

Mehrere Klagen sollen damals gegen die Immobilien-Investmentgesellschaft anhängig gewesen sein. Dabei ging es hauptsächlich um Anteile an den FinestSelection Fonds I und II, die ab 2007 aufgelegt wurden. Diese Fonds beteiligten sich an Immobilieninvestments der Paramount Group Inc., einer US-Gesellschaft der Hamburger Otto-Familie. Paramount-CEO Albert Behler brachte die Fonds als Real Estate Investment Trusts (REITan die Börse, womit die Anleger ungefragt zu Aktionären des Unternehmens wurdenNach Informationen des besagten Düsseldorfer Finanzmarktmagazins habe sich das eingebrachte Eigenkapital vor dem Börsengang von rund 2,7 Milliarden US-Dollar auf etwa 1,2 Milliarden Dollar verringert. Als Grund seien interne Kosten und Wertabschläge angegeben worden.

In dem Bericht vom Februar 2017 hieß es weiter: „So mussten auch anteilsmäßig die deutschen Fondsanleger ansehen, wie ihr Eigenkapital den Bach runterging, ohne dass HT-Geschäftsführer Hasselbring eingriff und den US-General Partner bspw. aus wichtigem Grund ausbremste in Form einer Abberufung. Denn noch vor den REIT-Plänen übernahm jener Paramount Group-Boss Behler mittel- und unmittelbar 100 % der Anteile an Hamburg Trust, womit ein möglicher Interessenskonflikt offenkundig war.“ Das Hamburger Landgericht gab daraufhin verschiedenen Klagen statt.

Immobilien als sicherer Hafen

Dirk Hasselbring verließ daraufhin die Hamburg Trust REIM Real Estate Investment Management GmbH, was für das Unternehmen einem Befreiungsschlag gleichkam und CEO Dr. Georg Reul einen echten Neustart ermöglichte. Der 1967 geborene Real-Estate-Spezialist ist seit über 25 Jahren in Führungspositionen vonUnternehmen der Immobilien- und Fondsbranche tätig und hat mit dem neuen COO Oliver Priggemeyer bereits bei der IVG Immobilien AG zusammengearbeitet.

Im Januar 2017 hat Reul den Vorsitz der Geschäftsführung von Hamburg Trust übernommen, um die Hasselbring-Krise zu überwinden und das Vertrauen der Investoren in das Unternehmen zurückzugewinnen. Nun wollen Reul und Priggemeyer Hamburg Trust wieder zu einer ersten Adresse für Immobilienfonds-Investments in der Hansestadt machen.

Das geschäftliche Umfeld könnte dafür kaum besser sein. Die jahrelange Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat nicht nur die Sparguthaben und die private Altersversorgung vieler Bürger schleichend entwertet, auch Anleger suchen händeringend nachrenditeträchtigen Investments, um der Zinsfalle zu entkommen. Der Immobilienmarkt gewinnt dabei zunehmend an Attraktivität, da die steigende Nachfrage nach „Betongold“ zur Weitervermietung und Wertsteigerung die Mieten und Kaufpreise deutlich nach oben hat schnellen lassen.

Es herrschen also beste Ausgangsbedingungen für Fonds-, Asset- und Investment-Manager, die Kunden zu individuellen und werthaltigen Immobilienanlagen verhelfen wollen. Genau auf diesem Feld ist die Hamburg Trust REIM Real Estate Investment Management GmbH tätig, zu deren Kerngeschäft Investments in Shopping-Center und Wohnimmobilien sowie Büro- und Spezial-Immobilien an besonderen Standorten gehören. Ihr Fokus ist auf Immobilienmärkte mit hohen Einstiegsbarrieren gerichtet, wo eine Angebotserweiterung durch neue Projekte kaum möglich scheint.

Zusammenarbeit mit institutionellen Investoren

Hamburg Trust hat sich zudem auf Objekte für kommunale Aufgabenträger wie Verwaltungsgebäude oder Studentenwohnheime spezialisiert. Nach eigenen Angaben verfügt das Unternehmen über reichhaltige Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Kommunen und bietet ihnen Public-Private-Partnership-Projekte zu beiderseitigem Nutzen an. Laut Geschäftsangaben verwalten die Hanseaten derzeit Assets in Höhe von über einer Milliarde Euro. Platziert habe man 531Millionen Euro an Eigenkapital. Es geht also nicht um Peanuts, sondern um große Projekte.

Die Investoren von Hamburg Trust, darunter vermögende Privatpersonen, Banken, Family Offices, Versicherungen, Pensionskassen und Versorgungswerke, verfolgen ganz unterschiedliche Anlageziele und Vermögensstrategien – je nach Risikobereitschaft der Anleger. Wie überall im Finanzinvestment-Bereich gilt jedoch auch hier derGrundsatz: Je höher die angepeilte Rendite, desto größer das Verlustrisiko.

Die Hamburger Gesellschaft legt Wert auf die Feststellung, dass keine windigen Graumarkt-Geschäfte getätigt werden. Alles spiele sich im regulierten Spektrum ab. Angeboten wird eine breite Platte an Alternativen Investmentfonds (AIF) wie geschlossene Publikums-AIF sowie geschlossene und offene Spezial-AIF. Die Voraussetzungen dafür hat man mit der Zulassung als Kapitalverwaltungsgesellschaft für geschlossene Publikums- und Spezial-AIF im Immobilienbereich durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erfüllt.

Die Geschäftsführung von Hamburg Trust betont: „Oberste Maxime ist für uns der Interessengleichklang mit unseren Investoren. Honorarfairness ist für uns nicht nur ein Lippenbekenntnis: die Vergütungen des Asset-und Fonds-Managements fließen erfolgsabhängig. So haben wir ein substanzielles, weil monetäres Interesse an einer guten Performance der Beteiligung während und am Ende der Laufzeit. Davon profitieren unsere Anleger.“ Auf Transparenz legt das Unternehmen auch im Internet viel Wert. Auf der Webseite kann man sich detailliert über die getätigten Investments informieren.

Projekt auf dem Esslinger Hengstenberg-Areal

Ein aktuell stark beworbenes Projekt der Hanseaten spielt sich nicht an der Elbe, sondern am Neckar ab. Gemeinsam mit Universal-Investment aus Frankfurt am Main hat sich Hamburg Trust drei Gebäude des Hengstenberg-Areals in Esslingen bei Stuttgartgesichert. Dabei handelt es sich um zwei Bürogebäudeund ein Studentenwohnheim. Die Immobilien seiennahezu vollvermietet, heißt es aus der Hamburger Zentrale.

Das Studentenwohnheim mit 86 Wohnplätzen und 45 Apartments ist nach Unternehmensangaben langfristig an das Studierendenwerk Stuttgart vermietet. Erworben wurde das Objekt für einen bei Universal-Investment aufgelegten Immobilienspezialfonds, Investor ist ein deutsches Versorgungswerk. Hamburg Trust übernimmt das Asset-Management für die Immobilie.

Das Quartier befindet sich in der Neuen Weststadt in der Innenstadt von Esslingen. Früher befand sich auf dem 12 Hektar großen Areal ein Güterbahnhof und dasFirmengelände des Lebensmittelherstellers Hengstenberg. Nun entsteht dort ein neues Mischgebietmit Nahversorgungs-, Gastronomie-, Dienstleistungs-, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. In unmittelbarer Nähe zum Standort entsteht zudem der neue Campus der Hochschule Esslingen. Verkäufer und Projektentwickler war die EWB Esslinger Wohnungsbau GmbHHamburg Trust bemüht sich nun intensiv um neue Investoren für das Projekt.

Mit Esslingen will der Hamburger Immobilienfondsspezialist Stärke demonstrieren und unter Beweis stellen, dass es ihm um solide Anlagen geht. Keine Schnellschüsse, sondern langfristige Entwicklung auf einem guten Fundament, lautet die Devise von Dr. Georg Reul, Oliver Priggemeyer und ihrem Team. Der Markt bietet beste Voraussetzungen, um in Esslingen und bei anderen Projekte von Hamburg Trust Rendite einzufahren und den EZB-Enteignern ein Schnippchen zu schlagen. Anleger sollten ein Auge darauf haben und Chancen und Risiken der Investments gegeneinander abwägen.

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