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Literatur:

225. Geburtstag von Franz Grillparzer

Freitag, 15 Januar 2016 22:17 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Franz Grillparzer, Lithographie von Joseph Kriehuber 1841 Franz Grillparzer, Lithographie von Joseph Kriehuber 1841

Wien – Das noch junge neue Jahr 2016 beinhaltet zugleich den 225. Geburtstag des von manchen als größten deutschen Literaten nach Goethe und Schiller gehaltenen Franz Grillparzer. Der österreichische Dichter Franz Grillparzer wurde am 15. Januar 1791 als Sohn des aus einem oberösterreichischen Bauerngeschlecht stammenden Rechtsanwaltes Wenzel Grillparzer und der aus einer Wiener Bürgerfamilie stammenden Anna Franziska Sonnleithner in Wien geboren, wo er am 21. Januar 1872 auch verstarb. Grillparzer, dessen Interesse der deutschen Literatur vor allem auf die mittelalterlichen Dichtung ausgerichtet war, setzte sich ebenso intensiv mit der Philosophie von Platon bis Hegel und mit der deutschen, romanischen und klassischen Philologie auseinander. Zudem zogen ihn kulturgeschichtliche Einzelheiten und Sprachliches wie Altdeutsches in den Dialekten, Lehn- und Fremdwörtern sowie Sprachvergleiche und die Völkerpsychologie in ihren Bann. In seinem die ganze Bandbreite vom Drama über die Novelle bis hin zur Lyrik und einer Autobiographie umfassenden literarischen Schaffen verarbeitete er die aus seinen Studien gewonnen Kenntnisse.

Aus den Worten, die Prof. Adolf Barthels in seiner dreibändigen Literaturgeschichte fand, mag die literarische und kulturgeschichtliche Bedeutung Grillparzers herauszulesen sein, schrieb doch dieser: „Grillparzer ist der deutsche Euripides, der deutsche Racine, wenn Schiller der deutsche Äschylus und Corneille, Goethe mit Sophokles und Molière wenigstens in mancher Hinsicht verwandt ist.“ Franz Grillparzer, der zeitlebens in Vielem dem 18. Jahrhundert verhaftet blieb, kann trotz seiner romantischen Stoffe dennoch auch als ein rationalistischer Humanist angesehen werden. Selbst dort, wo er als Epigone erscheint, tut er dies nicht im gewöhnlichen Sinne, sondern im Stile des ergänzenden Veredlers eines Gutes, der zur Einwirkung Shakespeares und des klassischen Dramas der Griechen und Franzosen auch noch die Spanier stellte, der nach Goethes Weltfreude und Schillers kühnem Idealismus die Mächte der Resignation zu Wort kommen lässt. Franz Grillparzer ist wenngleich vielleicht keine starke, so dennoch eine große Persönlichkeit, kein glücklicher, sehr wohl aber schönheitsfreudiger Geist. Er war vielleicht eine leibhaftige „Tasso-Figur“ der deutschen Dichterriege.

In seinen Werken ist es wohl die „Ahnfrau“, die Grillparzers Ruhm begründete und ihn zugleich in den Olymp der Schicksalsdramatiker erhob. Mit seiner „Sappho“ erhielten Goethes „Iphigenie“ und „Tasso“ eine würdige Nachfolgerin. Zu betonen ist allerdings, dass Grillparzers Tragik einzig literarisch zu würdigen, doch keineswegs als Leitfaden zu empfehlen ist. Sie kennt nicht den Kampf gleichberechtigter Mächte, sondern nur den Untergang des Hohen durch das Gemeine und ihr letztes Resultat ist nicht der kühne Protest gegen oder die stolze Erhebung in die Notwendigkeit, sondern bittere Enttäuschung oder schwächliche Resignation. Eine besondere kathartische Wirkung ist seinen Werken dadurch allerdings nicht abzusprechen.

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