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Der Mythos von der Zerschlagung durch die Gewerkschaften

95 Jahre Kapp-Putsch

Montag, 16 März 2015 23:12 geschrieben von  Albrecht Lose
Kapp-Putschisten am Potsdamer Platz in Berlin Kapp-Putschisten am Potsdamer Platz in Berlin Quelle: Bundesarchiv, Bild 146-1970-051-65 / Haeckel, Otto / CC-BY-SA 3.0 de

Magdeburg - Es sind nun genau 95 Jahre her, als der Politiker der Deutschen Vaterlandspartei (DVLP) Wolfgang Kapp und dessen Mitstreiter, General der Infanterie Walther Freiherr von Lüttwitz versuchten, mittels eines Putschs, die junge Weimarer Regierung zu stürzen.

In der Nacht vom 12. zum13. März 1920 marschierten Kapp und General Lüttwitz gemeinsam mit Erich Ludendorff und der Freikorps-Marine-Brigade „Erhardt“ im Berliner Regierungsviertel auf und besetzten es. Und obwohl die Kontrolle über die Regierung weitestgehend in ihre Hand überging, scheiterte der Putsch dennoch nur wenige Tage später, am 17. März.

Gründe für den Mißerfolg des Kapp-Putsches

Den Mißerfolg des Kapp-Putsches wollen etliche, allem voran linksstehende Kreise, noch immer dem Generalstreik andichten. Damit soll suggeriert werden, daß die Gewerkschaften einen erheblichen Anteil am mißlungenen Umsturz hatten. Die wirklichen Gründe des Fehlschlags sind jedoch eher darin zu suchen, daß der Plan zur Durchführung des Putsches noch nicht ausreichend gediehen war.

Der Streik selbst konnte schon deshalb nicht essentiell zur Zerschlagung des Putsches beigetragen haben, da der am 13. März ausgerufene Streik erst am 15. März seine Wirkung hätte erzielen können. Eine Zeit, zu der der Putsch faktisch schon gescheitert war. Am 17. März gaben die Führer des Putsches dann generell auf und traten von ihren angeeigneten Regierungsämtern zurück Es bleibt also zu bezweifeln, daß ein Streik in nur zwei Tagen einen Umsturzversuch zu Fall gebracht hätte, wenn zudem noch der Technische Notdienst (das heutige Technische Hilfswerk) auf Seiten der Putschisten stand. Somit konnte, trotz Streik, eine ausreichende Versorgung der Truppe garantiert werden. Vor allem aber konnte die Wasserversorgung wieder am 16. März in Gang gesetzt werden.

Daß der Streik in Wirklichkeit noch nicht einmal von den Gewerkschaften ausgerufen wurde, sondern eigenmächtig vom Pressechef der Reichsregierung, Ulrich Rauscher, sei außerdem hinzuzufügen.

Nein, nicht der Streik ließ den Putsch mißlingen, sondern wie bereits angedeutet wurde, auf die ungenügenden Vorbereitungen desselben. So versäumten die Putschisten es, die Rechtsparteien von ihrem Vorhaben zu überzeugen, indem sie nicht als deren Vertreter auftraten. Dadurch ging ihnen bereits eine zahlenmäßig bedeutende Unterstützung verloren. Nur vereinzelte Vertreter von Rechtsparteien schlossen sich den Putschisten an.

Ein weiterer Faktor, welcher wesentlich zum Scheitern des Staatsstreichs beitrug, war die fehlende Bereitschaft der gesamten Reichswehr, sich dem Vorhaben anzuschließen. Wie auch bei den Vertretern der Rechtsparteien, schlossen sich, abgesehen von der Brigade Erhardt, nur vereinzelte Reichswehrgruppen dem Staatsstreich an. Von diesen wechselten allerdings etliche die Seiten wieder, als abzusehen war, daß der Putsch fehlschlagen würde. Des Weiteren gelang es der Brigade Erhardt nicht, die Regierung zu überrumpeln. So konnten die Regierungsmitglieder mit einer raschen Flucht nach Stuttgart der bevorstehenden Verhaftung entkommen.

Vor allem aber trug das regierungstreue Verhalten der Beamtenschaft dem Fehlschlag der Putschisten Rechnung! Als der Brigadeführer Erhardt nämlich angewiesen wurde Geld aus der Reichsbank zu beschaffen, verweigerte der Reichsbankpräsident v. Havemann eine Auszahlung. Hinzu kam, daß Erhardt seinen Ehrenkodex höher wertete als das Gelingen des Putsches. Denn nachdem er von einem Berater Kapps aufgefordert wurde, das Geld mit Gewalt einzutreiben, entgegnete er, daß er Soldaten und keine Bankräuber anführe.

 Worin lagen die Gründe für den Umsturzversuch?

In den Gründen für den Putsch sind erstaunliche Parallelen zur heutigen Zeit zu sehen. So wurde von Kapp in einem Brief geäußert, daß der Putsch mitunter auch dazu dienen sollte, neben den Einfluß der Gewerkschaften und anderer linker Kreise, die Herrschaft des Journalismus abzuschütteln. Wie heute, hatte der Journalismus viel Einfluß auf die Politik ausgeübt, womit er die Interessen von finanzstarken Kreisen unterstützte. Das ist auch einer der wesentlichen Kritikpunkte, der 95 Jahre später, beispielsweise beim Pegidaprotest wieder ständig angesprochen wird.

Letzte Änderung am Dienstag, 17 März 2015 05:17
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