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Philosophie:

Am 27. Januar wurde der große deutsche Philosoph F. W. J. Schelling geboren

Donnerstag, 28 Januar 2016 04:03 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Philosophen des deutschen Idealismus. Kant (oben links), Fichte (oben rechts), Schelling (unten links), Hegel (unten rechts) Philosophen des deutschen Idealismus. Kant (oben links), Fichte (oben rechts), Schelling (unten links), Hegel (unten rechts) GFDL

Leonberg – Die Geschichte des deutschen Idealismus ist unauflöslich mit den drei großen Namen Fichte, Schelling und Hegel verbunden. Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling, ab 1812 Ritter von Schelling, erblickte am 27. Januar 1775 in im württembergischen Herzogtum gelegenen Leonberg das Licht der Welt. Schelling stammte aus einer alteingesessenen schwäbischen Pfarrersfamilie. Das intellektuelle Milieu in Schellings Elternhaus, einer alteingesessenen schwäbischen Pfarrersfamilie, war geprägt durch die protestantische Mystik und pietistische Innerlichkeit. Der als geistig frühreif geltende Schelling erlernte neben Griechisch und Latein auch Hebräisch, Arabisch sowie auch neuere Sprachen. Schelling war als überwiegend ästhetische Natur nicht nur Denker, sondern auch Künstler, der der Künstlergeneration seiner Zeit nahestand und seinerseits im bayerischen König Maximilian II. einen glühenden Bewunderer fand.

Wenngleich seine Lehre nicht im selben Maße wie diejenige Hegels auf die Nachwelt einwirkte, so bedeutete sie dennoch einen Durchbruch einer neuen philosophischen Welterkenntnis. Der Naturphilosoph Schelling fühlte, als er antrat, das Wesen der Natur, insbesondere der Frage nach einer zugrundeliegenden Zweckmäßigkeit zu ergründen, wohl den faustischen Drang zur Erkenntnis des innersten Zusammenhangs der Welt in sich. Es mag das Genialische in Schelling gewesen sein, dass ihn zwar hinderte, die systematisch dominierte Entwicklung Fichtes und Hegels zu begleiten, ihn dafür aber umso inniger mit der Romantik verband. In Anlehnung an Immanuel Kant bezeichnete Schelling die Verbindung von theoretischer und praktischer Intelligenz als ästhetisch, weshalb das künstlerische Schaffen das höchste Vermögen des Menschen sei. Mit dem berühmten Satz „Natur ist sittlicher Geist“ wies Schelling die philosophische Ethik auf das Naturgemäße auch im Sittlichen hin.

Schelling, der sich der Zusammenfassung von Natur- und Transzendentalphilosophie verschrieb, fühlte sich darin dem großen Renaissance-Naturphilosophen Giordano Bruno so nahe, dass er seinem 1802 meisterhaft geschriebenen Dialog, den Titel „Bruno“ gab. Durch die darin aufgezeigte Philosophie wurde er zum Schöpfer der Identitätsphilosophie, derzufolge das als ewige Vernunft vorgestellte überzeitlich Absolute eine völlige Identität oder Indifferenz von Natur und Geist darstellt. Mit dieser Philosophie erlangte Schelling - unabhängig von Abweichungen im Alter – nicht nur seine Berühmtheit, sondern wird für alle, die sich kulturell mit romantischem Weltgefühl verbunden fühlen und einen pantheistischen Gottesbegriff pflegen zu einer zentralen Persönlichkeit. Wie erklärt sich jedoch der Bruch in Schellings philosophischen Gesamtwerk? Passend für einen Vertreter der Romantik könnte man den Eindruck gewinnen, dass mit dem Tode seiner ihn intellektuell inspirierenden geliebten Ehefrau Caroline Schlegel im Jahre 1809 auch seine Schaffenskraft gebrochen wurde. Nach dem Tod Schellings blieb sein Werk jahrzehntelang weitgehend unbeachtet, bis durch Heideggers Schelling-Vorlesungen die  Schellingforschung einen neuen Antrieb erhielt. - Welche Erkenntnis über das Wahre, Heilige und Schöne können wir Schelling nun verdanken? Am besten wohl, dass Heiliges, Wahres und Schönes miteinander identisch sind.

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