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Verschleppte Bilder kehren heim

Amerikanische Stiftung gibt fünf Bilder zurück

Mittwoch, 06 Mai 2015 21:54 geschrieben von  Dirk Schneider
Der Genter Altar während der Bergung aus dem Kunstdepot im Salzbergwerk Altaussee, 1945 Der Genter Altar während der Bergung aus dem Kunstdepot im Salzbergwerk Altaussee, 1945 Quelle: de.wikipedia.org | Bild: unknown (probably US military) - National Archives and Records Administration

Magdeburg - Siebzig Jahre nach Kriegsende gibt die amerikanische Stiftung „Monuments Men“ fünf Bilder aus Deutschland zurück: Sie gehören zu den unzähligen verschleppten Kunstwerken, die die Amerikaner unserem besiegten Land stahlen.

Angesichts der vermutlich in die Hunderttausende gehenden Kunstwerke, die nach Kriegsende aus Deutschland verschleppt worden, sei die Rückgabe der fünf Bilder nur vergleichbar mit einer „Spitze des Eisbergs“, erklärte Robert Edsel, der Stiftungsgründer von „Monuments Men“.

Bezeichnenderweise befindet sich unter den Rückgaben das Gemälde „Der verlorene Sohn“ von Frans Francken III. aus dem Siebzehnten Jahrhundert. Dieses soll gemeinsam mit einem Landschaftsbild von Christian Wilhelm Ernst Dietrich, das aus dem Achtzehnten Jahrhundert stammt, und einem Ölgemälde von Franz de Paula Ferg nach Dessau in die Anhaltische Gemäldegalerie zurückkehren. Zwei weitere Bilder, eine Kopie des Gemäldes „Charles der I. in drei Positionen“ von Anthonis von Dyck und ein unbekanntes Gemälde in Öl „Madonna mit Kind“ aus dem Neunzehnten Jahrhundert, werden ins Schlosshotel Kronberg nahe Frankfurt am Main heimkehren. Alle fünf Bilder waren in Besitz zweier amerikanischer Familien und wurden dem deutschen Botschafter in den USA, Peter Wittig, am vergangenen Dienstag im Außenministerium in Washington übergeben.

„Sie können versichert sein, dass diese Gemälde zurück zu einen würdigen Ort finden“, erklärte Wittig. „Selbst siebzig Jahre nach dem Krieg müssen wir uns noch um die Folgen der geplünderten Kunstwerke kümmern“, bedauerte er. Die Europabeauftragte des US-Außenministeriums, Victoria Nuland, erklärte, Deutschland und die USA müssten sich gemeinsam dafür einsetzen, „Kulturschätze zu bewahren, wo immer das kulturelle Erbe dem Krieg zum Opfer fällt“.

Die amerikanische Spezialeinheit „Monuments Men“ war darauf spezialisiert im Zweiten Weltkrieg so viele Kunstschätze wie möglich aus Deutschland nach Amerika zu verbringen. Die sogenannten Kunstschutzoffiziere werden in dem im letzten Jahr erschienen gleichnamigen Film von George Clooney als Retter der Kunst gefeiert. Die Stiftung nutzt die durch den Film erhaltene Aufmerksamkeit, um illegal verschleppte Bilder von US-Soldaten aufzuspüren.

Die fünf nun übergebenen Bilder konnten so dank der Hinweise von Nachfahren zurückgegeben werden. Die drei Bilder, die nun nach Dessau gehen sollen, hatte wohl ein US-Major einst bei einem Pokerspiel gewonnen. Die anderen beiden Kunstwerke, die im Schlosshotel einziehen, befanden sich im Nachlass einer ehemaligen Bibliothekarin, die diese von Soldaten Ende 1945 abkaufte.

Letzte Änderung am Donnerstag, 07 Mai 2015 23:18
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