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Borussia Dortmund begibt Aktien, HSV hat Hans-Michael Kühne

Auch beim Fußball regiert Geld die Welt

Freitag, 22 August 2014 12:16 geschrieben von  Torsten Müller
Auch beim Fußball regiert Geld die Welt Quelle: www.pictures-and-visions.de

München - Riesige, oft auch unverhältnismäßig hohe Gehälter und astronomische Ablösesummen stehen zunehmend im Mittelpunkt der Debatten rund um den Fußball. Konzerne steigen bei Fußball-Bundesligisten als Sponsoren, Hauptfinanziers und Investoren ein. So setzen Puma und Evonik auf Borussia Dortmund, Adidas und Audi halten es stattdessen mit den Bayern. Allianz stieg mit 110 Millionen Euro beim FCB ein.

Wirtschaftsprofessor Henning Zülch von der HHL Leipzig Graduate School of Management erwartet, dass sich künftig auch weitere Vereine auf dem Kapitalmarkt umsehen werden, um an Gelder für ihre Projekte zu kommen. Zülch wörtlich: „Viele andere Bundesligisten befinden sich in einer abwartenden Stellung und schauen ganz genau auf die Erfahrungen des BVB."

Die Vereine werden somit selbst mehr und mehr zu Konzernen. Für den Sport hat das nicht nur positive Folgen. So nehmen Finanziers gerne auch direkten Einfluss auf sportliche Entscheidungen. Als bestes Beispiel hierfür gilt Hamburg: dort nimmt der Milliardär Hans-Michael Kühne nicht selten direkten Einfluss, indem er Zuschüsse für konkrete Spielerkäufe gibt.

Immer mehr Vereine entscheiden sich dafür, den Profibereich in eine Kapitalgesellschaft auszugliedern. Damit sollen Investoren angelockt und Gelder eingenommen werden. Derzeit gibt es nur noch fünf Bundesligaklubs, die ihre Profibereiche nicht ausgegliedert haben. Das sind bisher Schalke, Mainz, Freiburg, Paderborn und Stuttgart. Als letzter Verein entschied sich eben der Hamburger SV dafür, eine Aktiengesellschaft zu gründen. Im Juli wurde die HSV Fußball AG ins Leben gerufen.

Fremdkapital erhält 61 Prozent der Bundesligaklubs zufolge eine immer größere Bedeutung – und das nicht nur in der ersten Bundesliga. Mit Borussia Dortmund hat sich ein Verein auch bereits dafür entschieden, an der Börse einzusteigen. Europaweit sind 22 weitere Klubs an der Börse notiert.

Sebastian Uhrich, Professor für Sportökonomie an der Deutschen Sporthochschule Köln, denkt, dass diese Entwicklung voranschreiten wird: „Ein normaler Verein passt überhaupt nicht mehr ins Bild. Rein wirtschaftlich handelt es sich bei den meisten Fußballklubs um mittelgroße Unternehmen.“

Dass die Kapitalisierung der Klubs auch wirtschaftliche Risiken mit sich bringt, belegt eindrucksvoll das Beispiel der Dortmunder Borussia. Auf den Börsengang im Jahr 1999 folgte im Jahr 2005 fast der finanzielle Ruin. Der Klub brach fast unter der Last von 184 Millionen Euro Schulden zusammen. Als Ausgabekurs wurde die Borussia Dortmund AG bei etwa elf Euro notiert – aktuell steht die Aktie bei 4,99 Euro.

Viele Mitglieder und Fans verbinden mit der Ökonomisierung des Sports einen Verlust an Tradition und Mitspracherechten. Der Preis des mit Geld erkauften Erfolges wird irgendwann vielleicht sein, dass sich viele Fans mit ihren Vereinen, die zu Konzernen mutiert sind, nicht mehr identifizieren können.

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