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Heydt-Museum in Wuppertal

Ausstellung „Pissarro – Der Vater des Impressionismus“

Samstag, 18 Oktober 2014 02:25 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
"Nachtansicht Boulevard Montmartre" von Camille Pissarro "Nachtansicht Boulevard Montmartre" von Camille Pissarro Quelle: www.Camille-Pissarro.org

Wuppertal - Nach den Ausstellungen zur Schule von Barbizon, zu Renoir, Monet und Sisley stellt das Von der Heydt- Museum gegenwärtig bis zum 22. Februar 2015 Camille Pissarro in den Mittelpunkt einer großen Ausstellung unter dem Motto „Pissarro – Der Vater des Impressionismus“. Anhand von rund 130 Werken wird der Lebensweg und die künstlerische Entwicklung Pissarros von seinen ersten Werken, die noch in Südamerika entstanden, bis zu seinen letzten Bildern, die Pissarro in Paris und an der Küste der Normandie malte, nachgezeichnet. Da auch seine Freunde sehr experimentierfreudig waren, werden teilweise auch deren Bilder denen Pissarros gegenübergestellt, um das Geflecht der Beziehungen zwischen den verschiedenen Künstlern und Gruppierungen sichtbar und erfahrbar zu machen. So sind auch Werke dieser Epoche von beispielsweise Courbet, Corot, Cézanne, Manet, Monet, Gauguin, van Gogh und anderen Künstlern zu bestaunen, insgesamt wird die Kunst Pissarros um 61 Grafiken und 45 begleitende Gemälde von rund 30 seiner Zeitgenossen ergänzt.

Die große Überblicksausstellung versucht, indem es Pissarros Schaffen in die malerischen Tendenzen seiner Zeit einbettet, seinem Wirken als einendes Kraftzentrum der doch recht individuellen Impressionisten, seinem Aufgreifen von Richtungen und Techniken anderer Malerkollegen und seiner spezifisch eigenen malerischen Note auf die Spur zu kommen. Der zuvor primär als Landschaftsmaler Tätige entdeckte die Stadt als Motiv und spürte urbanen Veränderungen nach. Pissarro orientierte sich immer wieder neu, er löste sich z. B. aus dem Schatten der Schule von Barbizon, er trat mit Cézanne in einen fruchtbaren Dialog, er setzte sich in den 90er Jahren mit den Ideen des Pointillismus auseinander, er schuf wegweisende "Stadtlandschaften" und fand damit einen bildlichen Ausdruck für das moderne Leben.

Auch wenn Camille Pissarro in erster Linie Landschaftsmaler war, gestaltete er gleichwohl einige wenige kräftige, nach impressionistischer Manier getupfte Stillleben und Porträts. Er wählte wechselnde Ansichten verschiedener Landschaften, deren Stille, Ruhe und Leere ihn mehr anregten als das Flüchtige. Seine einfühlsamen atmosphärischen Schilderungen bestechen durch seine glänzende Beobachtungsgabe und offenbaren sein Talent, sich auf Wesentliches zu konzentrieren. Deutlicher noch als die Stuttgarter Pissarro-Retrospektive von 1999 und die große Schau im Pariser Grand Palais von 1981 begibt sich die, wenn auch kleinere Wuppertaler Übersicht mit 64 Gemälden zielgerichteter auf den Lebens- und Schaffensweg des Impressionisten. In genauer Abfolge analysiert sie wesentliche Entwicklungslinien und essentielle künstlerische und zeitbedingte Umstände. Die Wuppertaler Ausstellung, die außer montags täglich von 11.00 bis 18.00 Uhr und donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet hat, schließt mit seinem letzten Bild vor seinem Tod, dem Selbstporträt schwarz gewandet, kontrastreich vor altrosa blinzelnden Hintergrund posierend und mit kritischem Blick.

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