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Alte Nationalgalerie Berlin:

Ausstellung ImEx: Impressionismus – Expressionismus - Kunstwende

Freitag, 03 Juli 2015 16:38 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Ruedi Strese über die Kunstwende vom Impressionismus zum Expressionismus Ruedi Strese über die Kunstwende vom Impressionismus zum Expressionismus Quelle: ART DEPESCHE

Berlin - Die Gemälde des Impressionismus und des Expressionismus sind weltweit Publikumsmagneten. Noch bis zum 20. September präsentiert die Nationalgalerie - Staatliche Museen zu Berlin eine einzigartige Ausstellung, die sich erstmals dem Vergleich beider Stile widmet. Sowohl Beispiele des Impressionismus, der ein neues Naturgefühl verkörpert, einen neuen Sinn für Realismus in der Darstellung atmosphärischer Stimmungen und neue Liebe zu dem flüchtigen Spiel des Lichts und dem flüchtigen Strich des Pinsels, als auch des Expressionismus, der in seiner antinaturalistischen Tendenz nach der Sichtbarmachung des Hintergründigen von Form und Farbe strebt, werden mit etwa 160 Meisterwerken vorwiegend deutscher und französischer Künstler gezeigt. Vielleicht ist genau diese Form der Ausstellung bestens geeignet, zu erklären, worin die Bewunderung dieser beiden Stile oder vielleicht auch Stilabweichungen zu Gründerzeit und Jugendstil begründet liegt.

Der Liebhaber der Musen, Joachim Fernau, drückte es einmal wie folgt aus: diese Ismen treten immer auf, wenn eine Epoche ihre seelische Mitte und ein Lebensstil seine Überzeugungskraft verloren hat. Ihr Verhältnis zu ihrer Zeit ist etwa das eines Verhältnisses; ein Ismus steht zu seiner Stilepoche wie eine aufgeklärte, interessante Geliebte zu einer langweilig gewordenen Ehefrau. So war der Impressionismus die heimliche Geliebte der Gründerzeit und der Expressionismus die des beginnenden neuen Jahrhunderts. Er bezeichnete Impressionismus und Expressionismus als einen intellektuellen Ausweg des Genusses. Dieser Sichtweise könnte in dieser Ausstellung nachgespürt werden. Und auch die Werkauswahl braucht keinerlei Vergleich zu scheuen.Die Nationalgalerie erwarb seit 1896 durch ihren Direktor Hugo von Tschudi die erste Museumssammlung impressionistischer Bilder, noch vor Paris und anderen Metropolen. Tschudis Nachfolger Ludwig Justi wiederum trug nach 1918 im ehemaligen Kronprinzenpalais eine berühmte Sammlung von Werken der Expressionisten zusammen. In einer umfassenden Schau wird nun den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen beiden Bewegungen sowie der großen Popularität dieser Stile nachgespürt.

Keine anderen Stile sind zu ihrer Zeit so intensiv, scharfzüngig und zumeist antithetisch - lebensfroh contra existentialistisch - miteinander verglichen worden. Die Übereinstimmungen zwischen Impressionismus und Expressionismus sind trotz gegensätzlicher Ansätze jedoch überraschend groß. Gemeinsam ist ihnen der antiakademische Affront und der Aufbruch in die Moderne. Es verbinden sie die Hochschätzung der Freilichtmalerei sowie die Umsetzung unmittelbarer Licht-, Farb- und Gefühlserlebnisse. Für Vertreter beider Stile sind Subjektivität und die Individualität der Pinselschrift positive Werte. Nicht zuletzt der Übergang vieler Künstler von impressionistischen zu expressionistischen Gestaltungsweisen beweist die strukturelle Verwandtschaft beider Stile. Die Ausstellung ist nach den gemeinsamen Hauptmotiven beider Stilrichtungen gegliedert und nimmt das gesamte Mittelgeschoss der Alten Nationalgalerie ein.

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