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Lenbachhaus München & Kunstmuseum Bonn:

Ausstellung Macke und Marc – Eine Künstlerfreundschaft wie Licht und Farbe

Donnerstag, 11 September 2014 23:21 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
2008 Lenbachhaus Eingang 2008 Lenbachhaus Eingang Quelle: wikipedia.org | Usien | CC BY-SA 3.0

München - Anlässlich des 100. Todesjahrs von August Macke zeigt das Kunstmuseum Bonn in Kooperation mit dem Lenbachhaus in München eine Ausstellung von und über August Macke und Franz Marc, in der sich erstmals mit der Freundschaft der beiden Expressionisten, man könnte auch sagen mit deren persönlicher und künstlerischer Wahlverwandtschaft, befaßt wird. Die Ausstellung „August Macke und Franz Marc - Eine Künstlerfreundschaft“ kann von 25.09.2014 bis 04.01.2015 im Kunstmuseum Bonn und von 28.01. bis 03.05.2015 im Lehnbachhaus in München besucht werden, und bietet etwa 200 Gemälde, Papierarbeiten, kunstgewerbliche Objekte sowie private Dokumente der beiden Künstlerfreunde aus der Zeit von 1910 bis 1914 zu Gesicht. Ab Ende September wird ein 360-seitiger Ausstellungskatalog mit Essays namhafter Autoren und zahlreichen Abbildungen für 34,- € erhältlich sein. Volker Adolphs und Annegret Hoberger sollen nicht weniger als ganze fünf Jahre mit der Vorbereitung an dieser Ausstellung, die sich auch zur Aufgabe gesetzt hat, deren Arbeiten an der Gesellschaft des „Blauen Reiter“ und die farbtheoretischen Diskussionen zu beleuchten, befaßt gewesen sein.

Der Entstehungszeitraum der ausgestellten Werke ist nicht willkürlich gewählt, denn im Jahr 1910 lernten sich August Macke, der die sichtbare Welt im künstlerischen Blick hatte, und Franz Marc, der die spirituelle Einheit des Seins festzuhalten bestrebt war, kennen. In den beiden Künstlerpersönlichkeiten begegnen sich Licht und Farbe. Der typische Stil Mackes entstand aus der Beschäftigung mit der Wirkung des Lichts. Seine, alles Tragische außen vor lassende, stets leicht und heiter wirkenden Gemälde beruhen auf der Verwendung reiner, leuchtender in Harmonie zueinander stehender Farben. Weniger das Licht, als vielmehr die Farben standen hingegen im Mittelpunkt von Franz Marc, der sich unter anderem auch mit der Farbenlehre Goethes befaßte. Marcs Farbverwendung ist nicht nur expressiv, sondern gemessen an dessen Farbgesetzen auch symbolisch zu deuten. Blau als männliches, gelb als weibliches und rot als der Materie zuzuordnendes Prinzip weisen auf eine Farbauffassung nicht allein als Erscheinungsart, sondern auch als Wesensvermittler hin. Während bei Macke häufig Portraits und Umwelt motivisch auftreten, bearbeitete Marc bevorzugt Tiermotive als Sinnbild von unbefleckter Ursprünglichkeit, die seiner Schöpfungsvorstellung eines Lebens im Einklang mit der Natur entsprachen. Insofern verliehen beide gewissermaßen ihrer Utopie einer paradiesischen Welt Ausdruck.

Ein gewisser Traditionsbezug dieser beiden Hauptvertreter des Expressionismus und Wegbereiter der modernen Kunst des 20. Jahrhunderts zur Romantik ist nicht völlig von der Hand zu weisen, findet sich doch eine in dieser verwurzelte Naturverbundenheit und Sehnsucht wieder. Die Dominanz der Farbe Blau ist nach Kandinsky als Himmelsfarbe aufzufassen, welche die menschliche Sehnsucht nach dem Unendlichen, dem Reinen und Übersinnlichen weckt. Das der berühmten Künstlergesellschaft dieser Zeit namensgebende und Symbol gewordene „Blaue Pferd“ drückt nach Hajo Düchting, vergleichbar der „Blauen Blume“ der Romantik die Suche nach Erlösung von irdischer Schwere und materieller Gebundenheit aus. Dennoch wurden die Bilder Mackes und Marcs 1937 zeitweilig auf der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt, nach erfolgreichem Protest des Deutschen Offiziersbundes allerdings wieder entnommen. Immerhin handelte es sich bei Macke und Marc um zwei Kriegsfreiwillige des Ersten Weltkrieges, die diesen, wie viele Intellektuelle dieser Zeit, als kulturgesellschaftlich reinigendes Gewitter gegenüber einer zivilisatorischen Dekadenz auffassten. Franz Marc war auch ein Kenner Friedrich Nietzsches, der sich dem Thema eines diesbezüglichen europäischen Nihilismus ausgiebig widmete. Die tatsächlichen Grauen im Verlaufe des Krieges relativierten jedoch vielfach die theoretischen Analysen.

Das Gemälde „Weidende Pferde III“ von Franz Marc aus dem Jahr 1910 erreichte bei einer Versteigerung im Februar 2008 bei Sotheby´s in Londen die sagenhafte Summe von 16,5 Mio. €, was bezüglich den Nachkriegsstellenwert für sich spricht. Das Lehnbachhaus in München ist im Besitz der weltweit bedeutendsten Franz Marc-Sammlung und dürfte allein deshalb schon eine angesagte Adresse für jeden am Expressionismus interessierten Kunstliebhaber sein. Die Konzeption dieser Ausstellung einer der wohl bekanntesten Künstlerfreundschaften des 20. Jahrhunderts dürfte zudem einen tieferen Einblick in den zeithistorischen Gesamtkontext und die darin stattgefundenen kunsttheoretischen Erörterungen bieten.

Letzte Änderung am Samstag, 13 September 2014 09:09
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