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Hamburger Kunsthalle:

Ausstellung zu 160. Todestag von Franz Ludwig Catel

Donnerstag, 29 Oktober 2015 20:03 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Franz Ludwig Catel in Rom am 1. Juli 1813; Zeichnung von Carl Christian Vogel von Vogelstein Franz Ludwig Catel in Rom am 1. Juli 1813; Zeichnung von Carl Christian Vogel von Vogelstein

Hamburg - Franz Ludwig Catel (22.02.1778 – 19.12.1856), der als Holzbildhauer begann und als Genre- und Landschaftsmaler bekannt wurde, illustrierte auch mit großem Erfolg zahlreiche Bücher, zuweilen sogar solche namhafter Literaturgrößen. Zurückzuführen auf die persönliche Bekanntschaft mit Johann Wolfgang von Goethe beispielsweise auch dessen „Hermann und Dorothea“. Zum Kennzeichen für Catels Mal- und Zeichenstil wurde eine von seiner Lektüre geprägte poetische Landschaftsauffassung, in die er zumeist das einfache Volk einfügte. Seine Genregemälde besitzen eine Bandbreite vom lebensfrohen Volk bis hin zu düster melancholischen Mönchsbildern. Zu seinen ihn anregenden Lieblingsdichtern zählten der Romantiker François-René de Chateaubriand, Lord Byron sowie Johann Wolfgang von Goethe. Aber Catel schuf auch 30 Bilder angelehnt an die Werke des Horaz. Ab 1811 ließ sich Catel, der der Gruppe der Stilisten um Joseph Anton Koch zuzuordnen ist, in Rom nieder. Er hatte sorgsam die perspektivische Wirkung im Auge und war bestrebt, den sonnigen Glanz der italienischen Gegenden, überhaupt Lichtwirkungen getreu wiederzugeben. Die Linien und Formen sind schärfer betont als die Farbe, welche an Trockenheit und Härte leidet.

Kurz vor seinem 160. Todestag widmet die Hamburger Kunsthalle dem romantischen Landschaftsmaler Franz Ludwig Catel die erste große Retrospektive seines Werkes mit dem Titel „Italienbilder der Romantik“, die mit ca. 200 Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und druckgrafischen Werken aus über 50 internationalen Sammlungen ein Großprojekt darstellt. 15 Jahre lang hat Kurator Andreas Stolzenburg an der Vorbereitung dieser Ausstellung gearbeitet, die bis zum 31. Januar 2016 zu sehen ist. Die Hamburger Ausstellung setzt die Reihe „Landschaft um 1800“ fort, die 2008 mit einer Retrospektive zu Jakob Philipp Hackert begonnen hatte und 2012 mit einer Schau zu Johann Christian Reinhart fortgesetzt wurde. Am Anfang steht das Frühwerk Catels, das er als Zeichner und Illustrator in Berlin und Paris geschaffen hat, darunter eine 1799 entstandene Pinsel- und Bleistiftzeichnung aus dem ehemaligen Besitz Johann Wolfgang von Goethes. Eine große Zahl der jetzt in Hamburg gezeigten Werke entstammt der Stiftung Fondazione Catel, in die nach testamentarischer Verfügung des Künstlers die Hälfte seines Vermögens einfloß.

Zu den Kunden und Auftraggebern Catels gehörten englische Lords, Berliner Bankiers und zahlreiche Mitglieder deutscher und europäischer Adelsfamilien, darunter auch das Haus Hohenzollern, das bayerische Königshaus sowie der Zarenhof in Russland. Geöffnet hat die Ausstellung dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr, wobei der Eintritt 12,- € bzw. ermäßigt 6,- € beträgt.  Begleitend zur Ausstellung erscheint im Michael Imhof Verlag ein 496-seitiger Katalog. Zu sehen sind unter vielem Anderen das Ölgemälde „Der Venustempel von Bajae“ (1831), eine Staffage nach Goethes Hymnus „Der Wandrer“ , das Aquarell „Sinnender Mönch in Ruinen“ (1820) und das „Selbstbildnis mit roter Kappe“ (1850).

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