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Nach PEGIDA-Rede

Bischof erteilt Predigtverbot

Donnerstag, 22 Januar 2015 13:43 geschrieben von 
Dom in Münster Dom in Münster

Münster - Der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, hat dem Emmericher Pastor Paul Spätling seine Predigtbefugnis entzogen, weil dieser auf einer PEGIDA-Kundgebung in Duisburg gesprochen hatte.

„Mir ist wichtig zu zeigen, dass auch Katholiken auf eurer Seite stehen“, hatte der 67-jährige katholische Priester auf der Veranstaltung erklärt. Auch wenn er damit zuwider der offiziellen Stellung der Kirche handele. „Gehört denn der Islam zu Deutschland? Das ist doch ein unmögliches Wort, was die Frau Merkel da gesagt hat.“ Er kritisierte zudem das Abschalten der Beleuchtung des Kölner Doms  durch den Dompropst Norbert Feldhoff. Es sei „sehr betrüblich“, wenn das Licht abgeschaltet werde, „weil Menschen friedlich zusammen kommen und gegen die Islamisierung Europas stehen und still protestieren.“

Der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, reagierte prompt und entzog Spätling am Dienstag seine Predigtbefugnis, weil er derartige Reden nicht „dulden kann und will“. Spätling ist es nun untersagt, öffentlich im Namen der Kirche zu sprechen. „Wir distanzieren uns mit Nachdruck von seinem völlig verzerrten Bild von Geschichte und Gegenwart“, erklärte das Bistum Münster. Der katholische Priester bediene „undifferenzierte Klischees gegenüber dem Islam. Er schürt mit seinen Aussagen eine Feindlichkeit gegen `den Islam´, die wir für gefährlich erachten. Mit solchen Äußerungen – für die Herr Pfarrer Spätling, indem er äußerlich sichtbar als katholischer Priester auftritt, auch noch seine Autorität als Pfarrer und Priester missbraucht – legt er die Grundlagen für rechte Ideologien, für Fremdenfeindlichkeit und für ein Gegeneinander der Religionen, die in der katholischen Kirche keinen Platz haben.“ Das Bistum sei „dankbar dafür, wie viele Menschen in diesen Tagen auf die Straße gingen und genau in diesem Sinne eine Zeichen setzen. Als Christen steht es uns gut an, den Menschen, die Zuflucht bei uns suchen, zu helfen und für sie da zu sein.“

Bernd de Baey, seit September leitender Pfarrer in Emmerich, erklärte Spätling sei in der Gemeinde kaum bekannt. „Ich kenne den Mann garnicht“, erklärte der Stadtpfarrer. „Pastor Spätling ist hier nicht tätig, er hat nicht am Altar gestanden. Funktionen hat er in der Gemeinde nie gehabt.“ Zwar wurde er noch im September vergangenen Jahres auf einem Foto als Mitglied des Seelsorgerteams aufgeführt, praktisch sei er jedoch nie in Erscheinung getreten, so der seit November als leitender Pfarrer eingesetzte de Baey. „Der mag ja Recht haben, dass es auch einige Katholiken gibt, die PEGIDA etwas abgewinnen können, aber die offizielle Linie der Kirche ist eine andere, das haben die Kölner gezeigt.“

Die Leiterin der Abteilung Religion und Bildung im WDR, Maria Dickmeis, erklärte, an diesem deutlichen Schritt von Bischof Genn erkenne man die neue Haltung der katholischen Kirche. „Das ist ein klares Statement gegen Hass, Gewalt und Ausgrenzung. So klar positioniert sich die katholische Kirche erst seit Papst Franziskus im Amt ist. Die Kirche steht auf und sagt: so nicht!“

Bereits Mitte Dezember hatte sich Bambergs Erzbischof Ludwig Schick mit der Bemerkung an seine Gläubigen gewandt: „Christen dürfen bei PEGIDA nicht mitmachen!“ Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hatte daraufhin klargestellt, dass es bezüglich einer Teilnahme von Christen an den PEGIDA-Veranstaltungen „keine oberhirtlichen Anweisungen“ bedarf. „Jeder muss überlegen, hinter welchen Transparenten er herläuft“, so Kardinal Marx. Verbote wolle er nicht aussprechen. „Ich kann nur zu politischer Verantwortung aufrufen.“

Letzte Änderung am Donnerstag, 22 Januar 2015 14:25
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