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"Abschied vom Journalismus"

Bodo Ramelow bekommt eigene TV-Sendung

Sonntag, 18 Januar 2015 03:50 geschrieben von 
Bodo Ramelow Bodo Ramelow Quelle: bodo-ramelow.de

Erfurt - Der linke Thüringer Ministerpräsident bekommt ein eigenes Sendeformat im Regionalsender "Salve TV". Zukünftig soll der Chef der Landesregierung aller zwei Wochen die politischen Geschehnisse frei kommentieren dürfen. Die erste Folge läuft seit gestern Abend bei "Salve TV" für mehrere Tage in der Wiederholungsschleife und kann auch im Internet angesehen werden.

Die Sendung, in der der Linke-Politiker seit gestern "die jeweiligen Ereignisse eigenständig vor der Kamera zusammenfassen und reflektieren" wird, heißt "Ramelow & Co.". Es handele sich bei dem Konzept um einen Versuch, "Politik transparent zu machen", erklärte Salve-TV-Hauptgesellschafter Klaus-Dieter Böhm. Ramelows Wahl sei immerhin eine Weltnachricht gewesen, über die sogar die New York Times berichtet habe. Die Kritik an Ramelows "Videotagebuch" auf seinem Sender kann er nicht nachvollziehen.

Judith Noll, die Chefin von Salve TV wundert sich über die Kritik, die seit Sendebeginn auf die Redaktion einprasselt. "Hofberichterstatter" und "Staatsfernsehen" seien noch die netteren Kommentare gewesen, so Noll. "Ich verstehe die Aufregung nicht." Man stelle lediglich den "politischen Alltag" von Ramelow dar: einhundert Tage lang begleite ihn dafür "ein Team von Videoreportern auf seinen politischen Wegen durch Thüringen und Deutschland". Durch den Verzicht auf eigene Texte habe man sich "gegen die Gefahr einer einseitigen politischen Berichterstattung gewappnet". Stattdessen lässt man eben Ramelow sich selbst kommentieren und ohne unbequeme Zwischenfragen sprechen.

"Das ist wie Staatsfernsehen, das geht so nicht", kritisiert Steffen Lemme, Thüringer SPD-Bundestagsabgeordneter und Versammlungsvorstand der Thüringer Landesmedienanstalt. Wolle Ramelow ungestört zum Wahlvolk sprechen, "kann er sich auch gleich selbstständig machen mit einem eigenen Medienunternehmen". "Ich schlage Herrn Ramelow vor, er möge davon Abstand nehmen", forderte der medienpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Werner Pidde.

Madeleine Henfling (Die Grünen), ebenfalls Mitglied der Landesmedienanstalt erklärte: "Das ist nicht gut. Das widerspricht der Neutralität, die auch ein solcher Fernsehsender haben muss."

"Wenn der Ministerpräsident Werbung für sich braucht, dann soll er dafür die Staatskanzlei oder die Linkspartei bezahlen lassen", erklärte CDU-Chef Mike Mohring . Die medienpolitische Sprecherin der Union, Marion Walsmann, beobachtete vermehrt kritische Nachfragen zur Ramelowsendung in ihrer Bürgersprechstunde.

Der medienpolitische Sprecher der Linken, André Blechschmidt, war zu keiner Stellungnahme bereit. Ramelow ließ jedoch mitteilen, man werde die Aufzeichnungen fortsetzen.

"Ich habe noch nie gehört, dass ein Ministerpräsident sich selbst kommentieren darf. Das ist unglaublich, das ist entsetzlich. Hier verabschieden wir uns vom Journalismus", kommentierte Horst Röper, einer der führenden Medienwissenschaftler Deutschlands. "Was jetzt in Thüringen geschieht, ist so absurd, dass es vermutlich nicht einmal als Verstoß gegen den Pressekodex geahndet werden kann", so Röper. "Das ist wohl gar nicht geregelt. Dass es so etwas geben könnte, hat vermutlich niemand geahnt."

Die Vizedirektorin der Thüringer Landesmedienanstalt, Kirsten Kramer, kündigte an, das Format "Ramelow & Co" kritisch zu inspizieren.

Der Thüringer Geschäftmann Klaus-Dieter Böhm hält die Mehrheitsanteile am Regionalsender "Salve TV". Der Geschäftsführer des Klinikzentrums Bad Sulza und mehrerer Hotels und Thermen ist mit Ramelow seit Jahren gut befreundet, wie er erklärte.

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