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Terroranschlag wegen Mohammedkarikaturen

Brandanschlag auf Hamburger Morgenpost

Montag, 12 Januar 2015 16:37 geschrieben von 
Logo der Hamburger Morgenpost Logo der Hamburger Morgenpost Quelle: commons.wikimedia.org

Hamburg - In der Nacht zu Sonntag wurde ein Brandanschlag auf die Hamburger Morgenpost (Mopo) verübt. Die Zeitung hatte als Reaktion auf das Massaker in der Pariser Redaktion "Charlie Hebdo" deren islamkritische Mohammedkarikaturen gedruckt.

Wie die Polizei erklärte, hätten Unbekannte gegen 2:22 Uhr Steine und einen Brandsatz von einem Hinterhof aus in das Archiv der Zeitung geworfen. Der Brand konnte von der durch den Feueralarm herbeigerufenen Feuerwehr schnell gelöscht werden, so ein Sprecher der Feuerwehr. Einige Akten seien jedoch verbrannt, viele angebrannte Zeitungen konnten ins Freie gebracht werden. Verletzt wurde glücklicherweise niemand, da sich zum Zeitpunkt des Anschlages niemand im Gebäude befand. Die Polizei geht davon aus, dass die Mitarbeiter der Mopo ihre Arbeit in dem Gebäude wieder aufnehmen können. Zwei Männer im Alter von 35 und 39 Jahren seien festgenommen worden. Sie hatten sich verdächtig gemacht, als sie vor der Polizei in eine S-Bahn flohen. Wie die Polizeisprecherin Karina Sadowsky erklärte, ermittele derzeit der Staatsschutz, ob die beiden mit der Brandstiftung in Verbindung stehen. Man fahnde jedoch auch weiterhin nach den unbekannten Tätern.

Das Hamburger Blatt hatte als Reaktion auf das Pariser Massaker auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo", bei dem zwölf Menschen umgebracht worden sind, auf seiner Titelseite einige der islamkritischen Mohammedkarikaturen mit der Schlagzeile "So viel Freiheit muss sein" veröffentlicht. Derzeit sei es "die zentrale Frage", ob das veröffentlichte Titelblatt mit dem Brandanschlag im Zusammenhang steht, erklärte ein Sprecher der Hamburger Polizei. Zwar liege die Vermutung nahe, für eine Stellungnahme sei es jedoch zu früh. Bisher seien weder ein Bekennerschreiben, noch andere Hinweise auf den Hintergrund der Tat aufgetaucht. Die Redaktion der Hamburger Mopo zeigte sich "schockiert", so der Chefredakteur Frank Niggemeier. "Dass so etwas in einer weltoffenen und liberalen Stadt wie Hamburg passiert, erschüttert uns." Man habe die Sicherheitsmaßnahmen "in enger Absprache mit der Polizei verstärkt", so Niggemeier. Ein privates Sicherheitsunternehmen schütze nun den Verlagssitz in Othmarschen. "Ein solcher Anschlag lässt hier niemanden unberührt. Aber wir werden jetzt weder in Panik noch in Hysterie verfallen", versprach der Chefredakteur.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) erklärte bei einem gemeinsamen Besuch mit Innensenator Michael Neumann (SPD) in den betroffenen Räumlichkeiten des Gebäudes: "Presse- und Meinungsfreiheit gehören zum Fundament, auf dem die Demokratie ruht. Jeder Angriff auf diese Freiheiten ist in seiner Wirkung und unabhängig von fragwürdigen Motiven ein Angriff auf die Demokratie." Andreas Dressel, Hamburgs SPD-Fraktionschef verurteilte den Anschlag aufs Schärfste. "Ganz gleich, welche wirren Absichten hinter dieser Tat auch stehen, solch ein Übergriff zielt direkt auf die Meinungs- und Pressefreiheit - und damit auf das Herzstück unserer Demokratie. Hamburg als wichtiger deutscher Medienstandort steht in besonderem Maße für das Grundrecht der Pressefreiheit. Niemand darf die Meinungsvielfalt mit Gewalt attackieren." Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs twitterte im Internet: "was für eine schandtat! vielen dank an die mopo für ihre klare haltung!jetzt zusammenstehen!gemeinsam sind wir stark!" Auch die CDU zeigte sich betroffen. "Wer auch immer hinter dem Brandanschlag auf die Hamburger Morgenpost steckt: Gewalt - auch gegen Sachen - darf kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. Die Meinungs- und Pressefreiheit ist eine der unverzichtbaren Grundbedingungen der Demokratie. Diese mit aller Entschiedenheit zu verteidigen, ist unser aller Aufgabe. Wir dürfen uns durch solche Taten weder einschüchtern noch aufhetzen lassen", erklärte Dietrich Wersich, Vorsitzender der CDU-Bürgerschaftsfraktion. Im Namen der FDP äußerte sich ihre Fraktionschefin Katja Suding. Sie bezeichnete den Brandanschlag als "feigen kriminellen Akt“. Solidarität mit den Journalisten der Mopo erklärte Hamburgs Linke. Kersten Artus, medien- und gewerkschaftspolitische Sprecherin teilte mit: "Wir stehen an der Seite der Kolleginnen und Kollegen der MOPO und sagen ihnen: Lasst Euch nicht bei eurer Arbeit einschüchtern.“ Katharina Fegebank, die Chefin der Grünen in Hamburg kommentierte: "Was ist bloß mit der Welt los? Brandanschlag auf @mopo. Kann es nicht glauben. Bleibt stark!"

In Brüssel erklärte der EU-Innenkommissar Dimitri Avramopoulus, dieser weitere Angriff unterstreiche umso mehr, wie nötig umfassender Respekt vor der Meinungs- und Pressefreiheit nötig sei. "Wir werden unsere Werte verteidigen." Die Landespressekonferenz (LPK) zeigte sich solidarisch mit den Kollegen der Mopo. Die Tat sei ein "feiger und hinterhältiger Terrorakt gegen die Pressefreiheit". "Die Medien werden sich nicht einschüchtern lassen", sagte der LPK-Vorsitzende Jürgen Heuer.

Innenminister Thomas de Maizière (CDU) warnte hingegen vor vorzeitig gezogenen Schlüssen. Es sei klug, "erst Informationen zu bestätigen, wenn sie wirklich sicher sind". Er könne und wolle daher keine Auskünfte über die Motivation und die Dimension der Vorgänge geben. "Der Vorfall zeigt allerdings, dass wir Grund zur Sorge haben und zur Wachsamkeit. Und bei beidem wird es bleiben." Bisher habe der Generalbundesanwalt, der immer dann eingeschaltet wird, wenn die innere Sicherheit Deutschlands durch politisch motivierte Straftaten beziehungsweise Terror bedroht ist, noch nicht übernommen, so de Maizière.

Letzte Änderung am Montag, 12 Januar 2015 16:43
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