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Werden wir alle Luschen?

Buchautor Christian Ortner rechnet mit der neuen Weinerlichkeit ab

Dienstag, 17 Juni 2014 19:21 geschrieben von  Jens Hastreiter
Buchtitel „Hört auf zu heulen“ von Christian Ortner Buchtitel „Hört auf zu heulen“ von Christian Ortner

Berlin - Im Titel seines kürzlich erschienen Buches fordert der Buchautor Christian Ortner: „Hört auf zu heulen“. Er beklagt, daß Kinder, Jungen, aber auch Arbeitnehmer und Politiker generell immer mehr verweichlichen.

Ganz neu ist die Debatte über das Thema nicht. Schon seit Jahren wird darüber diskutiert, warum sich Jungen heute nicht mehr so entwickeln wie noch vor einer oder zwei Generationen. In einem Interview mit dem Schweizer Nachrichtenportal „20min.ch“ nahm Buchautor Christian Ortner jetzt dazu Stellung. Er erklärte, dass es heute kein europäisches Staatsoberhaupt mehr wagen könne, wie einst US-Präsident John F. Kennedy zu sagen: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern frage dich, was du für dein Land tun kannst“. Seit den 70er Jahren seien die Sozialleistungen dramatisch angestiegen. Der Wähler habe sich daran gewöhnt, dass er sich nur auflehnen und sich als Opfer darstellen müsse - und dafür vom Staat mit Geld belohnt werde.

Die allgemeine „Weinerlichkeit“ der Bevölkerung sei enorm vorangeschritten. Ortner meint, viele Eltern versuchten in bester Absicht ihre Kinder von allen Schwierigkeiten fernzuhalten. In Wirklichkeit würden dadurch aber „schwache Menschen“ erzogen, die bei Herausforderungen aufbegehren und wenig Ehrgeiz an den Tag legen. „In meinem Buch schildere ich den Fall eines 9jährigen Kindes, das erstmals mit der U-Bahn fährt“ erzählt Ortner. „Es brach ein Shitstorm aus – den Eltern wurde vorgeworfen, ihr Kind in Gefahr gebracht zu haben. Natürlich kann immer etwas passieren. Aber ein Kind muss lernen, mit schwierigen Situationen umzugehen.“

In Asien sei dies anders. Dort legten die Eltern bei der Erziehung großen Wert auf Leistung und Disziplin – während hierzulande eine verweichlichte Jugend heranwachse. Ortner schildert einen konkreten Fall: „Ein junger Journalist hat sich öffentlich darüber beklagt, als er eine Praktikumsstelle nicht bekam. Er sei noch nie so respektlos und miserabel behandelt worden, schrieb er. Er sei wütend, enttäuscht, und es tue ´verdammt weh´. Eine solche Reaktion muss als intellektuelle Verweichlichung gedeutet werden. Einer Unfähigkeit also, erhebliche Anstrengungen zu unternehmen, Niederlagen oder Verluste hinzunehmen und eine gewisse Schmerzresistenz gegenüber den Zumutungen und Ungerechtigkeiten des menschlichen Daseins.“ Es würden gleichgültige Jugendliche ohne Ehrgeiz und Leidenschaft herangezogen, die sich auf Eltern und Staat verlassen.

Ortner vergleicht die jüngere Vergangenheit mit der Gegenwart: „Menschen in den 50er Jahren waren mit härteren Lebens- und Arbeitsbedingungen konfrontiert und erkrankten wohl nicht häufiger an Depressionen und Burnouts. Heute aber gibt es einen Sturm der Entrüstung, wenn Lehrer statt 22 Stunden 24 Stunden arbeiten sollen, wie das in Österreich gerade der Fall ist. Wir leben einfach in einer Gesellschaft, die weniger bereit ist, Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen, und immer mehr fordert, anstatt die Ärmel hochzukrempeln.“

Experten weisen bei der Jugend-Debatte auch auf die Folgen der anhaltenden „Genderisierung“ der Gesellschaft hin. Längst hat die sogenannte „Gender-Erziehung“ Schulen und Kindergärten erfasst und prägt den Nachwuchs. Dabei geht es allerdings nicht um „Geschlechtergerechtigkeit” im Sinne der  „Gleichwertigkeit” von Mann und Frau. Den Kindern soll vielmehr vermittelt werden, dass es letztlich kein biologisches Geschlecht gibt, sondern das Geschlecht letztlich frei wählbar ist. Auch solche Bildungsinhalte machen eine Gesellschaft nicht automatisch leistungs- und widerstandsfähiger.

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