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Amsterdam, Paris, London:

Christie´s versteigert Werke aus der Sammlung von Maximilian Schell

Montag, 13 Oktober 2014 18:15 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
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Im November wird bei Christie´s der Kunstnachlaß des im Februar 2014 verstorbenen Schauspielers, Regisseurs und Produzenten Maximilian Schell versteigert. Schell galt als äußerst kunstsinnig, eine Neigung, die ihm aus dem Elternhaus mitgegeben wurde. So studierte er neben Musik- und Theaterwissenschaften auch Philosophie und Kunstgeschichte. Von ihm, der unter seinen zahlreichen Liebesbeziehungen auch durch eine zeitweilige Liaison mit Soraya Esfandiary-Bakhtiary, der Gattin des letzten Schahs von Persien Aufsehen erregte, stammt der Spruch: „Was bleibt ist die Kunst“. Seit seiner Jugend sammelte er Kunstwerke, vornehmlich Nachkriegskunst, die zu Teilen im November und Dezember diesen Jahres in Amsterdam, London und Paris bei Christie´s unter den Hammer kommen. Zu den vielleicht bekanntesten darunter befindlichen Vertretern dürften Jean Dubuffet, Franz Kline und Josef Albers zählen.

Jean Dubuffet hing einer naiven antiintellektuellen-antiakademischen Ästhetik an, die eine Kunstform jenseits etablierter Strömungen beschreibt. In der frühen Nachkriegeszeit erlangte Dubuffet auch mit betont primitiven Werken einen skandalbegründeten Bekanntheitsgrad, insbesondere in den Vereinigten Staaten. Auf Dubuffet geht auch der Begriff des Art Brut zurück, die als Schöpfungen von Geisteskranken, gesellschaftlichen Außenseitern und Sonderlingen angesehen werden kann. Viele Gemälde von Dubuffet sind auch dezidiert vom Bildvokabular Naiver und Geisteskranker inspiriert. Franz Kline gehörte zu den führenden Vertretern des abstrakten Expressionismus in den USA, der sich inspiriert durch die Dynamik, Geschwindigkeit und Ruhelosigkeit des urbanen Amerika, in eine Abstraktion auf immer größerem Malgrund steigerte. Seine Gemälde lösen sich gegen Ende seiner künstlerischen Tätigkeit vollständig von der Abstraktion hin zur Gegenstandslosigkeit und beschränken sich auf ein äußerst kleines Farbspektrum mit kräftigem Duktus und grober Pinselführung. Josef Albers arbeitete sich an der Subjektivität der optischen Wahrnehmung ab und experimentierte mit der Wirkung von Farben, Formen, Linien und Flächen aufeinander. Mit seinen optischen Täuschungen wollte Albers zeigen, daß einzig der Schein nicht trügt. Von letzterem Künstler war Maximilian Schell nicht nur ein großer Liebhaber, es verband ihn auch eine Freundschaft mit ihm. Die Taxierungen reichen in der Spitze bis zu 200.000,- Euro und man darf gespannt sein, ob bzw. inwiefern neben den rein künstlerischen Aspekten ein gewisser Fanstatus Auswirkung auf die Preisbildung der Werke haben wird.

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