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Gutachten

Cornelius Gurlitt war zurechnungsfähig

Freitag, 08 Januar 2016 22:44 geschrieben von  Susanne Hagel
Cornelius Gurlitt Cornelius Gurlitt

Magdeburg - Das Erbe des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt gehört wohl rechtmäßig dem Kunstmuseum Bern. Gurlitt, so der Schluss eines medizinischen Gutachtens, sei im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte gewesen.

Das 146 Seiten umfassende Sachverständigengutachten kommt zu dem Ergebnis, dass der Kunstsammler am Tag der Testamentsverfassung testierfähig war. Seine Cousine Uta Werner hatte dessen Zurechnungsfähigkeit angezweifelt und das Testament angefochten. Sie verlor bereits vor dem Amtsgericht München, legte aber Rechtsmittel ein. Der Fall wird nun vor dem Oberlandesgericht München verhandelt. Dieses gab allen Prozessbeteiligten bis zum 1. Februar Zeit, sich zum Gutachten zu äußern. Wann das Gericht ein Urteil fällen wird, ist noch nicht bekannt.

Vor nunmehr drei Jahren war Cornelius Gurlitt nach Jahren völliger Zurückgezogenheit durch den sogenannten Schwabinger Bilderfund schlagartig bekannt geworden. Damals wurde publik, dass die Staatsanwaltschaft ein Jahr zuvor etwa 1.280 Kunstwerke in Gurlitts Wohnung beschlagnahmt hatte. Später kamen 238 weitere Gemälde aus Gurlitts Haus in Salzburg hinzu.

Die mehr als 1.500 Werke umfassende Kunstsammlung hatte er von seinem Vater Hildebrand Gurlitt vererbt bekommen. Weil dieser während des Nationalsozialismus als Kunsthändler für Adolf Hitler arbeitete, stellte die Staatsanwaltschaft den Verdacht auf, ein Teil der Sammlung könne Raubkunst sein. Cornelius Gurlitt widersprach im November 2013 den Vorwürfen und erklärte, die Justiz und die Medien stellten die Zusammenhänge falsch dar. Alle Werke seiner Kunstsammlung seien von seinem Vater rechtmäßig erworben und später an ihn vererbt worden. Auch verschiedene Kunstexperten zweifelten die Rechtmäßigkeit der Beschlagnahmung an.

Im April 2014 soll Gurlitt sich schließlich mit dem bayerischen Justizministerium und der Bundesregierung darauf geeinigt haben, alle der Raubkunst verdächtigen Werke seiner Sammlung der Provenienzforschung für ein Jahr zur Verfügung zu stellen. Sollte in dieser Zeit festgestellt werden, dass es sich tatsächlich um Raubkunst handele, solle eine gerechte Lösung mit den ursprünglichen Besitzern gefunden werden. Bei fünf Bildern der Sammlung bestätigte sich der Verdacht.

Gurlitt verstarb am 6. Mai 2014 an seiner schweren Herzerkrankung in München. Einen Tag später wurde bekannt, dass er seine Sammlung dem Kunstmuseum Bern vererbt. Nach langem Hin und Her verkündete der Stiftungsrat des Kunstmuseums kurz vor Auslaufen der Frist, man wolle das Erbe antreten.

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