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Rund 250.000 Exponate suchen neues Lager

Depots des Potsdam Museum werden Asylantenheime

Montag, 24 November 2014 16:47 geschrieben von  Susanne Hagel

Potsdam - Das Potsdam Museum sucht dringend eine neue Lagerstätte für rund 250.000 Exponate. Bis Weihnachten müssen die bisherigen Unterkünfte in Groß Glienecke und Hermannswerder geräumt sein, damit dort Asylanten untergebracht werden können.

Bereits im September dieses Jahres bestätigte Elona Müller-Preinesberger (parteilos), Beigeordnete für Soziales, den Beschluss der Stadt, ab kommendem Jahr sowohl in einem  Gebäude in der Tornowstraße in Hermannswerder, als auch in der Waldsiedlung Groß Glienicke Flüchtlinge unterzubringen.

Rund einhundert Flüchtlinge sollen demnach in das bisherige Depot des Museums in Hermannswerder einziehen. Zuvor müsse das Gebäude jedoch umgebaut werden. Auf rund 600.000 Euro schätzt Müller-Preinesberger die anfallenden Kosten, um für die 39 Bewohner des Hochparterre eine Gemeinschaftsküche, einen Waschraum, zwei Duschräume, und zwei WC-Räume zu errichten. "Wir bleiben dabei, dass ein Flüchtling mindestens acht Quadratmeter Fläche zur Verfügung haben soll", so Müller-Preinesberger. Damit stehen den dort untergebrachten Asylantragstellern zwei Quadratmeter mehr zur Verfügung als das Land Brandenburg für ausreichend ansieht.

Auch für die Umbauarbeiten in Groß Glienicke für etwa 80 Asylsuchende plant die Stadt etwa 600.000 Euro ein, um die Sanitäranlagen in dem Teil der alten Waldschule entsprechend herzurichten. Ab kommendem Jahr wohnen dann Asylanten in dem überwiegend mit Künstlerateliers bestücktem Gebäude. "Das wäre völlig okay. Allerdings ist man hier schon weit ab vom Schuss, hier gibt es keinerlei Geschäfte", erklärt Bettina Schilling von der Ateliergemeinschaft Neue Panzerhalle. Sorgen macht sich hingegen Ortsvorsteher Franz Blaser: "Ich wurde nicht informiert. Das finde ich eine Zumutung."

Auch in Hermannswerder sorgt man sich über die Veränderungen, die mit dem Einzug der Asylsuchenden kommen werden. Frank Hohn, Vorstandsvorsitzender der Hoffbauer-Stiftung, die ein Gymnasium und einige soziale Einrichtungen in Hermannswerder führen, mahnt: "Wenn Flüchtlinge kommen, müssen wir die Voraussetzungen für ein gutes Miteinander schaffen."

Währenddessen sucht der Kommunale Immobilienservice noch immer nach passenden Räumlichkeiten für die 250.000 Gemälde, die nun weichen müssen. "Die Kunstwerke dürfen nicht in irgendeine Lagerhalle gebracht werden. Es muss klimatisch geeignet sein und vernünftige Regalsysteme haben", erklärt Markus Wicke vom Förderverein des Potsdam-Museums. Man suche nach einer dauerhaften Unterkunft, die mindestens 3.000 Quadratmeter umfassen soll, um Platz für die Sammlungen aus beiden Depots zu bieten, erklärte die Direktorin des Museums Jutta Götzmann im Kulturausschuss. Das Gebäude müsse klimastabil, brand- und einbruchssicher sein, so die Direktorin weiter. Das Museum wünsche sich endlich eine permanente Lösung und ein Ende der Umzugsserie des Depots. Erst vor knapp zehn Jahren musste das Aufbewahrungslager aus einer Villa in der Puschkinallee nach Hermannswerder umziehen. Im Jahr 2011 kam dann der zweite Standort in Groß Glienicke hinzu. Derzeit sei eine Industriehalle aus der Zwischenkriegszeit in Berlin-Tempelhof als Depot im Gespräch. Diese liegt allerdings mehr als 30 Kilometer vom Museum am Alten Markt entfernt.

Unklar ist auch noch wie der Umzug durchgeführt werden soll und wer diesen eigentlich zahlt. "Der Transport der städtischen Kunst- und Kulturgüter muss von Fachfirmen übernommen werden", erklärt Kurt Winkler vom wissenschaftlichen Beirat des Potsdam Museums. Nur eines ist klar: Der Fachbereich Kultur wird dafür nicht zahlen. "Wir haben die Kosten ja nicht verursacht", begründet Kulturdezernentin Iris Jana Magdowski (CDU).

Letzte Änderung am Mittwoch, 26 November 2014 00:54
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