www.derfflinger.de

Freigegeben in Boulevard

British Museum

Deutschlandausstellung in London

Mittwoch, 15 Oktober 2014 05:33 geschrieben von  Susanne Hagel
British Museum British Museum

London - Unter dem Titel "Germany - Memories of a Nation" (Deutschland - Erinnerungen einer Nation) wagt der Direktor des British Museum, Neil MacGregor, den Versuch den Briten die vielfältige Geschichte Deutschlands fernab jeglicher Ideologie vorzustellen.

Ab dem 16. Oktober werden im Londoner British Museum Objekte und Kunstwerke aus 600 Jahren quer durch die deutsche Geschichte vorgestellt. Neben Meißner Porzellan, diversen Münzen und einer Seite aus der Gutenberg-Bibel, findet sich auch die Bratwurst und ein VW Käfer aus dem Jahre 1953 in der Ausstellung.

MacGregor, der ein glühender Deutschlandliebhaber ist, seit er zu Schulzeiten eine Weile in Hamburg lebte, möchte ein Deutschlandbild jenseits der NS-Zeit zeigen. "Nomineller Anlass der Sonderschau ist der 25. Jahrestag des Berliner Mauerfalls. Es hätte auch der Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren oder die Thronbesteigung durch den Hannoveraner Georg I. vor 300 Jahren sein können", so MacGregor.

Er bedauere es sehr, dass "das Image der deutschen Geschichte, das sich auf den Zweiten Weltkrieg fokussiert, in Großbritannien ständig wieder neu aufgebaut" werde. Um die Sichtweise seiner Landsleute zu erweitern, gibt sich der Museumsdirektor alle Mühe: neben der Ausstellung im Museum, organisierte er eine tägliche Radiosendung, die seit Anfang Oktober jeden Morgen im BBC um viertel vor zehn läuft. Unter dem Titel die "Wurstesser" läuft die hochgelobte Serie täglich fünfzehn Minuten lang und bemüht sich um eine Abschaffung aller vorherrschenden Klischees. In den dreißig Folgen werden die Geschichte des Brandenburger Tores und des Reichstags genauso betrachtet wie Gerhard Richter, Franz Kafka oder Grimms Märchen. "Es ist eines der tragischen Dinge des 20. Jahrhunderts: Vor 100 Jahren hätte jeder von uns so viel über die deutsche Kultur und Geschichte gewusst. Doch 1945 hat all dies aufgehört. Dabei kann man die Welt heute nicht mehr begreifen, ohne auch ein bisschen zu verstehen, wie die Deutschen die Dinge sehen", erklärt der Brite seine Motivation. "Dies ist ein neues Land, und ein neues Land braucht eine neue Geschichte." Bestärkt wird er dabei vom britischen Botschafter in Berlin, Sir Simon McDonald: "Häufig entsteht der Eindruck, zwischen unseren beiden Ländern besteht keine Liebe, eher eine Vernunftehe. Das ist auch ein Ziel, mehr Liebe in das Verhältnis zu bringen. Die Briten müssen wieder lernen, Deutschland zu schätzen.“

MacGregor tanzt spielerisch durch unsere vielfältige Geschichte und schafft es sich -"anders als die letztjährige 'De l'Allemagne'-Schau im Louvre"- über die Suche "nach einem finsteren im 'deutschen Wesen' angelegten Urkomplex" zu erheben. Sie verliert sich nicht in der Darstellung des bösen "Krauts", wie auch Kulturjournalist Alexander Menden feststellte: "In London wird Dürers 'Ritter, Tod und Teufel' weniger nach seiner düsteren Symbolik befragt, sondern als unerreichter technischer Triumph des Kupferstichhandwerks gefeiert." Ein wenig freut sich MacGregor über das Privileg des Ausländers ideologiefrei ausstellen zu können. "Als Ausländer steht man nicht unter dem Zwang, ein Narrativ und eine erklärende Deutung zu liefern. Ein Deutscher hätte für eine solche Ausstellung eine Linie oder These haben müssen. Ein Abschnitt unserer Ausstellung behandelt den Komplex Goethe, Bauhaus, Buchenwald, ein völlig unerklärliches Phänomen. Ich spüre keine Notwendigkeit, eine Erklärung zu versuchen."

Artikel bewerten
(4 Stimmen)