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Ästhetische Gruselgemäldegalerie

Die Schönheit des Schreckens in der Wiener Akademie der Künste endete

Donnerstag, 26 März 2015 19:38 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Haupt der Medusa Haupt der Medusa Quelle: ART DEPESCHE

Wien - Ästhetik voller Gewaltexzesse! Schreckensdarstellungen im musealen Ambiente! - Exakt dies war bis Mitte diesen Monats das Leitmotiv der Gemäldegalerie der Akademie der Künste in Wien, die mit ihrer Ausstellung „Lust am Schrecken“ zeigte, wie über Jahrhunderte hinweg Formen des Grauens malerisch und in Skulptur Ausdruck annahmen. Von der Renaissance bis zum Klassizismus wurden 70 Werke ausgestellt, die jedes für sich einen künstlerischen Beleg für die Faszination des Grauens abgeben. Diese Sonderausstellung, die diesen Namen wohl wie selten eine verdient, präsentierte gleich am Eingangsbereich einen Gipsabguss der Laokoon-Gruppe, der über Generationen hinweg als Inspirationsgrundlage für verschiedene Künstler herangezogen wurde. Kein geringerer als Peter Paul Rubens stand mit seinem „Haupt der Gorgo Medusa“ Pate für den Beleg einer Schönheit des Schreckens. Nicht weniger dürfte die Besucher jedoch sein Gemälde „Boreas entführt Oreithya“ zu beeindrucken verstanden haben. Einen Fixpunkt der Ausstellung nahm „Das Jüngste Gericht“ von Hieronymus Bosch mit seinen teuflisch-dämonischen Kreaturen ein. In diesem Werk wurde die Schattenseite der Spiritualität mit Monstrositäten gegen die Schöpfungsvorstellung verarbeitet.

Auch Allegorien zu Vergänglichkeit und Todesvorstellungen kamen in der Schau nicht zu kurz, wobei die Werke mitunter zu stoischem Reflektieren einluden. Als Beispiele seien eine hölzerne, totenschwarz gefaßte Senecabüste von Anton Marschall oder aber das um 1620 datierte und nicht nur ob seiner querformatigen Größe beeindruckende Angelo Caroselli-Gemälde „Der Selbstmord des Cato“ erwähnt. Insgesamt widmete sich die Austellung sieben epochenübergreifenden Themensträngen, die teils aus eigener Sammlung und teils aus Leihgaben zusammengestellt wurden. Als Höhepunkte dürfen Christofano Alloris „Judith mit dem Haupt des Holofernes“ oder Francesco Cairos berühmte „Lucretia“ sowie unbestritten eine eindrucksvolle Version des genialen „Judith“-Gemäldes der großartigen Artemisia Gentilesci gelten, welches nicht zuletzt aus den Florentiner Uffizien Bekanntheitsgrad besitzt.

Die Wiener Akademie der Künste darf sich mit dieser Ausstellung das Verdienst anrechnen, in einer Zeit, in der oftmals sogar das Schöne künstlerisch grauenvoll wiedergegeben wird, auf qualitativ hohem Niveau ins Bewußtsein gerückt zu haben, daß auch das Grauenvolle im kunsttheoretischen Sinne mit virtuoser Schönheit dazustellen ist bzw. dahingeschiedenen Künstlergrößen einst gelang – in diesem Sinne: Memento Mori!

Letzte Änderung am Freitag, 27 März 2015 18:37
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