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Was wusste DSK von den Betrügereien seines Partners Henry Leyne?

Dominique Strauss-Kahn droht neues Ungemach

Montag, 02 März 2015 21:22 geschrieben von  Johann W. Petersen
Dominique Strauss-Kahn Dominique Strauss-Kahn Quelle: de.wikipedia.org

Paris - Auch wenn der frühere Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, in Lille voraussichtlich vom Vorwurf der Zuhälterei freigesprochen wird, könnte dem Lebemann und Society-Löwen schon bald neues juristisches Unheil ins Haus stehen. Diesmal geht es – man muss schon fast sagen: ausnahmsweise – nicht um Sex, sondern um seine Rolle in einem dubiosen Firmengeflecht, das er mit seinem Freund und Geschäftspartner Henry Leyne aufgebaut hat.

Wenig bekannt ist, dass es DSK neben dem Geld, der Politik und den Frauen auch jüdische und israelische Belange besonders angetan haben. Von ihm ist der Ausspruch überliefert: „Ich bin Sohn eines elsässischen Juden und einer tunesischen Jüdin. Ohne religiös zu sein, bin ich Traditionalist. Ich gehöre zu den Gründern der Gruppe ‚Sozialismus und Judaismus’, in der ich mit Festigkeit meine Unterstützung für Israel zum Ausdruck bringe.“ In einem Interview mit der Kunst- und Literaturzeitschrift „Passages“ (Nr. 35, Februar/März 1991) erklärte Strauss-Kahn zudem: „Ich meine, dass jeder Jude in der Diaspora – und also auch in Frankreich – Israel unterstützen soll, wo immer er kann. Daher übrigens ist es wichtig, dass die Juden politische Verantwortung übernehmen. Nicht alle in der jüdischen Gemeinschaft denken so, aber ich glaube, dass das notwendig ist. Denn man kann sich nicht gleichzeitig beschweren, dass ein Land wie Frankreich zum Beispiel in der Vergangenheit und vielleicht noch heute eine zu pro-arabische Politik betrieb, und nicht versuchen, diese Politik mit Personen, die anders denken, umzuorierentieren, indem man ihnen erlaubt, so viel Verantwortung wie möglich zu übernehmen. Zusammengefasst: In meinen Ämtern und in meinem täglichen Leben, bei all meinen Handlungen, versuche ich meinen bescheidenen Stein zur Errichtung des Landes Israel beizutragen.“

Undurchsichtige Machenschaften

Einig in seiner uneingeschränkten Unterstützung Israels war sich Strauss-Kahn stets mit dem Finanzinvestor Henry Leyne, der neben dem französischen auch einen israelischen Pass besaß. Leyne stürzte sich im Oktober letzten Jahres von seinem Apartment im 23. Stock eines Hochhauses in Tel Aviv in den Tod. Erst ein Jahr zuvor hatte Strauss-Kahn mit Leyne die Beteiligungsgesellschaft LSK (Leyne, Strauss-Kahn & Partners) ins Leben gerufen, stieg dort als Großaktionär ein und übernahm den Posten des Verwaltungsratspräsidenten. Wenige Monate später gründeten die beiden Freunde und Geschäftspartner einen Hedgefonds, der mit den volkswirtschaftlichen Prognosen des früheren IWF-Chefs arbeitete. Dass Leyne in der französischen Geschäftswelt alles andere als unumstritten war, dürfte auch DSK nicht verborgen geblieben sein. Die F.A.Z. bemerkte dazu kürzlich: „Thierry Leyne genoss einen zweifelhaften Ruf, nicht zuletzt war er bekannt für seine Liebe zu Luxusuhren, Motorrädern und teuren Autos. Der Finanzmann, dessen Großvater in Auschwitz umgekommen war, fiel aber auch durch die eine oder andere geglückte Transaktion auf, etwa den Verkauf des Wertpapierhändlers Axfin an den deutschen Konkurrenten Consors im Jahr 1999.“

Die beiden Geschäftsleute reisten zusammen um den Globus und sammelten fleißig Geld für ihren neuen Hedgefonds ein. Allerdings steckte LSK das Geld der Anleger nicht nur in Fremdfirmen, die offenbar keinerlei wirtschaftliche Aktivität entfalteten, man zweigte offenbar auch größere Summen für Unternehmen ab, die sich im Besitz von Leyne und Strauss-Kahn befanden. Die Bâloise-Gruppe, ein Versicherungskonzern mit Sitz in Basel, erstattete daraufhin Anzeige und bekam von einem Luxemburger Gericht eine Entschädigungszahlung von zwei Millionen Euro zugesprochen.

Nach und nach wurde das dubiose Geschäftsgebaren von LSK immer offensichtlicher. So stellte sich die Firma als internationale Geschäftsbank vor, obwohl sie, außer auf der britischen Kanalinsel Guernsey, einer berüchtigten Steueroase, weder eine Bank- noch eine Fondslizenz besaß. Neue Anlegergelder blieben aus, vorhandene Finanzmittel versickerten im Dickicht diverser Firmengeflechte, die letzte rechtmäßige Bilanz aus dem Jahr 2013 wies einen Verlust von 19 Millionen Euro aus. Dem 2014er-Jahresabschluss hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young das Prüfsiegel verweigert.

Neuer Prozess?

Das Restvermögen von LSK, um das sich nun an die 90 Gläubiger streiten sollen, beträgt rund 70 Millionen Euro. Strauss-Kahn stellt sich nach eigenen Angaben auf einen Totalverlust ein. Zuletzt hielt der frühere IWF-Direktor 15 Prozent an der Gesellschaft. Die Frage ist allerdings, inwieweit er selbst an illegalen Machenschaften der Firma, die offensichtlich nur eine Art Potemkin’sches Dorf war, Anteil hatte. Zwar legte er drei Tage nach dem Selbstmord seines Freundes und Geschäftspartners Thierry Leyne den Verwaltungsratsvorsitz nieder, nahm aber zuvor nach Informationen der französischen Wirtschaftszeitung „Les Échos“ noch an drei Kapitalerhöhungen von insgesamt 600.000 Euro teil, obwohl die Bilanzen vorne und hinten nicht stimmten.

Branchenkenner halten es für ausgeschlossen, dass der Chef-Aufseher nichts von den Betrügereien seines Partners Leyne mitbekommen hat. Genau dieser Frage dürfte demnächst ein Gerichtsprozess in Luxemburg nachgehen, bei dem sich Strauss-Kahn schon nach kurzer Zeit wieder auf der Anklagebank wiederfinden könnte.

Letzte Änderung am Montag, 02 März 2015 21:27
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