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Das Sündenregister des früheren IWF-Chefs

Dominique Strauss-Kahn ohne Maske

Donnerstag, 12 Februar 2015 20:58 geschrieben von  Johann W. Petersen
Dominique Strauss-Kahn Dominique Strauss-Kahn Quelle: de.wikipedia.org

Paris - In Lille findet sich der frühere Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, derzeit in einer ihm nicht unbekannten Situation wieder – nämlich vor Gericht. Vorgeworfen wird dem 65-jährigen einstigen Anwärter auf das französische Präsidentenamt Zuhälterei in 15 Fällen. Zwischen März 2008 und Oktober 2011 soll er exzentrische Sexpartys mit Prostituierten unter anderem in Paris und Washington nicht nur besucht, sondern auch mitorganisiert haben.

Nach ersten Aussagen von Teilnehmerinnen der Orgien soll DSK, wie er von Freund und Feind genannt wird, bei den Sexspielen teilweise äußerst brutal vorgegangen sein. Strauss-Kahn leugnet nicht, an den Partys teilgenommen zu haben, will allerdings nichts davon gewusst haben, dass es sich bei den beteiligten Frauen um gewerbliche Sexarbeiterinnen handelte. Schon gar nicht will er diese für die frivolen Feten organisiert haben. In Frankreich ist es nicht illegal, für Sex zu bezahlen, allerdings ist es rechtswidrig, Prostituierte wie ein Zuhälter zu vermitteln. Angesprochen auf seinen harten Umgang mit den Frauen erklärte DSK: „Ich mag im Vergleich zum Durchschnitt der Männer eine derbere Sexualität haben.“ Er stehe aber nicht wegen seiner Sexualvorlieben vor Gericht.

Das alles kommt einem nicht von ungefähr ziemlich bekannt vor. Dominique Strauss-Kahn wurde 1949 im noblen Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine geboren und entstammt einem liberalen jüdischen Elternhaus. Sein Vater war Finanzberater, seine Mutter Journalistin. Kindheit und Jugend verbrachte er in Marokko und Monaco, anschließend studierte er an der Wirtschaftshochschule HEC und an der renommierten Sciences Po in Paris. Als Professor lehrte er unter anderem an der Ena, der französischen Kaderschmiede für Politiker aller Couleur.

Steile Karriere

Unter Präsident François Mitterrand wurde der Edel-Sozialist 1991 delegierter Minister für Industrie und Außenhandel im Finanzministerium, später gründete er die Kanzlei DSK Consultants, die sich auf Lobbyarbeit in Brüssel konzentrierte. 1997 machte ihn Premier Lionel Jospin zum „Superminister“ für Wirtschaft, Finanzen und Außenhandel, zwei Jahre später musste er im Zuge einer Korruptionsaffäre zurücktreten.

Das sollte seiner weiteren Karriere allerdings nicht hinderlich sein. Zwar unterlag Strauss-Kahn seiner parteiinternen Kontrahentin Ségolène Royal als Kandidat der Sozialisten für die Präsidentschaftswahl 2007, doch der Wahlgewinner Nicolas Sarkozy (UMP) schlug ihn sogleich für den Chefposten beim Internationalen Währungsfonds vor. Mit der Unterstützung der EU und der USA wurde DSK schließlich noch im selben Jahr zum Direktor des IWF gewählt.

Strauss-Kahn war bisher dreimal verheiratet und hat vier Kinder. Seine letzte Frau Anne Sinclair ist TV-Reporterin und Enkelin des millionenschweren New Yorker Kunsthändlers und Galeristen Paul Rosenberg. Die Ehe ging in die Brüche, nachdem DSK wegen einer anderen Sexaffäre weltweit in die Schlagzeilen geriet und infolgedessen auch von seinem Posten als IWF-Direktor zurücktreten musste.

Was geschah in New York?

Am 14. Mai 2011 wurde Strauss-Kahn am John F. Kennedy International Airport in New York festgenommen und dann wegen versuchter Vergewaltigung, sexueller Belästigung und Freiheitsberaubung eines aus Guinea stammenden Zimmermädchens im New Yorker Sofitel, wo er zuvor abgestiegen war, angeklagt.

Gegen eine Kaution von sechs Millionen US-Dollar wurde er sechs Tage später aus der Untersuchungshaft entlassen und bekam Hausarrest. Auch dieser wurde ihm später erlassen. Zum Prozessauftakt im Juni 2011 plädierte Strauss-Kahns Verteidiger, der New Yorker Promi-Anwalt Benjamin Brafman, auf nicht schuldig. Wegen angeblicher Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens, das inzwischen auch Zivilklage gegen DSK eingereicht hatte, bat die New Yorker Staatsanwaltschaft das Gericht schon nach wenigen Wochen, die Klage gegen Strauss-Kahn fallenzulassen. Dem kamen die Richter schließlich nach. Mit der Zivilklägerin einigte sich der Multimillionär außergerichtlich. Über die Details der Abmachung wurde Stillschweigen vereinbart.

Der niemals richtig geklärte Vergewaltigungsvorwurf von New York ist allerdings nicht der einzige Vorfall, der Fragen hinsichtlich des Sexualtriebs des Kaviar-Linken aufwirft. Im Jahr 2008 kam es beinahe zum Eklat, als Piroska Nagy, eine ungarische Ex-Mitarbeiterin des Währungsfonds darüber auspackte, dass Strauss-Kahn seine Position schamlos ausgenutzt habe, um sexuelle Gefälligkeiten von ihr zu erheischen. Die verheiratete Volkswirtin ließ sich bald darauf nach London versetzen, um den Nachstellungen zu entgehen.

Ein weiterer Vorfall aus dem Jahr 2003 kam im Zuge der Verhaftung Strauss-Kahns im Mai 2001 in New York ans Licht der Öffentlichkeit. Die Autorin Tristane Banon hatte Strauss-Kahn seinerzeit für ein Buchprojekt interviewt. Das Gespräch in einem nur mit Bett und TV-Gerät bestückten Apartment sei, so die damals 23-jährige Frau, „sehr schlecht abgelaufen“. Strauss-Kahn soll zunächst darauf bestanden haben, während des Gesprächs ihre Hand zu halten, dann soll er Stück für Stück weitergegangen sein, „über den Arm und dann noch weiter“. Am Ende, so Banon, habe er sie zu Boden gedrückt und geschlagen. Sie habe ihm Fußtritte versetzt, während er ihren BH öffnete, woraufhin sie ihm „Vergewaltigung“ entgegengeschrien habe. Doch „er schien das gewohnt zu sein“. Schließlich sei es ihr gelungen, aus der Wohnung zu entkommen.

Vertraut mit dem Rotlichtmilieu

Die Journalisten Christophe Deloire und Christophe Dubois schilderten das Vorkommnis bereits 2006 in ihrem Buch „Sexus Politicus“, das die gesamte politische Klasse Frankreichs als weitgehend sexuell ungehemmt beschreibt. Tristane Banon fasste sich im Zuge der Zimmermädchen-Affäre ein Herz und zeigte Strauss-Kahn wegen versuchter Vergewaltigung an. Dieser wies die Anschuldigungen zurück und zeigte Banon wegen Verleumdung an. Am 13. Oktober 2011 wurden schließlich auch hier die Vorermittlungen eingestellt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft habe es zwar keine versuchte Vergewaltigung gegeben, sondern nur einen „sexuellen Übergriff“. Dieser sei aber bereits verjährt.

Vor einigen Jahren meldete sich die New Yorker Callgirl-Chefin Kristin Davis zu Wort und berichtete über eine im Zusammenhang mit dem aktuellen Prozess in Lille hochinteressante Begebenheit. Davis betreibt eine teure Escort-Agentur in Manhattan, Strauss-Kahn soll ein guter Kunde gewesen sein. Im Januar 2006 habe er einmal telefonisch ein so genanntes „All American Girl“ bestellt und sich den zweistündigen Spaß satte 2.400 Dollar kosten lassen haben. „Das Mädchen sagte anschließend, er sei aggressiv gewesen und sie wolle nicht noch einmal an ihn vermittelt werden“, so Davis. Ein anderes Mal soll der frühere Super-Banker eine Brasilianerin verlangt haben.

Sollte sich herausstellen, dass Strauss-Kahn in den nun verhandelten Fällen Prostituierte vermittelt haben, drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Offenbar ging es bei den ausschweifenden Orgien jedoch nicht nur um Spaß. Der Ex-Baumanager David Roquet, der einer der Mitorganisatoren, schätzte es nach eigenen Worten, „einen Nachmittag mit jemandem zu verbringen, der als IWF-Chef die Nummer zwei der Welt und der künftige französische Präsident ist“. Mit den Partys habe er berufliche Ziele verfolgt. Die frühere Prostituierte Carole bestätigte dies. „Ich wurde Unternehmenschefs und Politikern als Geschenk dargeboten“, so die heute 41-jährige Französin. Es ist also nicht nur der Sex, sondern auch wieder einmal das große Geld, das hier eine große Rolle gespielt hat.

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