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"Deutschland, Deutschland über alles“ – geht gar nicht

Ein CDU-Nachwuchspolitiker zitiert die Nationalhymne – und bezieht Prügel

Samstag, 21 Juni 2014 14:17 geschrieben von  Jens Hastreiter
Ein CDU-Nachwuchspolitiker zitiert die Nationalhymne – und bezieht Prügel Quelle: CDU.de

Berlin - Das gibt es nur in Deutschland: ein CDU-Kommunalpolitiker läßt seiner Fußball- und Deutschlandbegeisterung im sozialen Netzwerk Facebook freien Lauf, indem er eine Zeile aus der Nationalhymne zitiert – und bezieht dafür prompt Prügel von der politischen Konkurrenz.

Der Fall: Jakob Reichmann, Kommunalpolitiker der CDU-Ortsunion Gremmendorf in Nordrhein-Westfalen, war nach dem Sieg der deutschen Fußball-Nationalelf bei der WM gegen Portugal überglücklich und verlieh seiner Stimmung auf Facebook mit einem Eintrag Ausdruck: „Deutschland, Deutschland über alles“ – eine Textzeile aus der ersten Strophe der deutschen Nationalhymne.

Die beiden ersten Strophen der deutschen Nationalhymne sind so wenig verboten wie die dritte – offizielle – Strophe, werden aber bei offiziellen Anlässen nicht mehr gesungen. Die Aussage. „Deutschland, Deutschland über alles“ gehört in der politisch korrekten Bundesrepublik zu außerordentlich „gefährlichen“ Sätzen.

Die Reaktion auf Reichmanns Überschwang kam prompt. Mathias Kersting von der SPD in Münster ätzte politisch korrekt: „Bei einem solchen Ereignis wie der Fußball-Weltmeisterschaft geht es insbesondere auch um Fairness, Toleranz und Völkerverständigung. Wer öffentlich verkündet, Deutschland stehe über allem (in der Welt), der lässt stattdessen längst vergessen geglaubte Großmachtsfantasien wieder aufleben oder zeigt zumindest ein äußerst fragwürdiges Geschichtsverständnis. Mit einer gesunden sportlichen Rivalität hat dies auf jeden Fall nichts mehr zu tun“, kommentierte Kersting auf der Internet-Homepage der münsterischen SPD.

Und weiter: „Die CDU Münster scheint nach wie vor ein starkes Problem am rechten, nationalistischen Rand zu haben. Ich fordere deshalb den Kreisvorsitzenden Rickfelder und die Ortsunion Gremmendorf auf, sich unmissverständlich von diesem Gedankengut und auch von Herrn Reichmann zu distanzieren.“

Der 18jährige Jakob Reichmann hat den kritisierten Facebook-Eintrag inzwischen gelöscht, gestand seinen „Fehltritt“ ein und bereut seinen Gefühlsausbruch. „Ich wollte mit diesem Post KEINEN verletzen, diskriminieren oder sonst irgendwie benachteiligen oder ähnliches. Rassistisches oder gar nationalsozialistisches Gedankengut weise ich von mir. Ich wollte damit lediglich positive Emotionen im Zusammenhang des WM-Spiels gegen Portugal zum Ausdruck bringen“, schrieb Reichmann in einem neuen Facebook-Eintrag.

Das ist in Deutschland offenbar zuviel verlangt. Zumal da die Meinungswächter Reichmann ohnehin schon im Visier hatten: der Nachwuchspolitiker ließ sich 2012 nach einer Vorstandswahl mit einer schwarz-weiß-roten Flagge (die Farben des Kaiserreiches) im Hintergrund fotografieren – und hatte dafür natürlich ebenfalls heftige Kritik einstecken müssen.

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