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Brauchen wir die „gender-gerechte“ Sprache?

Eine EKD-Initiative will religiöse und amtliche Texte „reformieren“

Dienstag, 22 Juli 2014 09:27 geschrieben von  Jens Hastreiter
Logo Evangelische Kirche in Deutschland Logo Evangelische Kirche in Deutschland Quelle: www.ekd.de

Berlin - Seit geraumer Zeit sorgt ein neues Ideologie-Projekt für Unruhe: die sogenannte „gendergerechte“ Sprache. Dabei geht es darum, Frauen und andere Minderheiten sprachlich nicht mehr zu „diskriminieren“.

Dumm daran ist nur, daß das Deutsche eine sehr „männliche“ Sprache ist: Frauen werden oft nicht eigens erwähnt, auch wenn der weibliche Aspekt – natürlich – mitgemeint ist. Besonders problematisch: „Gott“ ist im Deutschen männlich. In Zeiten einer ausufernden Frauen-Privilegierung geht das natürlich überhaupt nicht.

Deshalb springt jetzt auch die evangelische Kirche auf den Modezug der „gendergerechten Sprache“ auf. Dieser Tage brachte eine Gemeinschaft der evangelischen Kirche ein Thesenpapier heraus, in dem eine Anleitung zur gendergerechten Sprache gegeben wird – und wie auch kirchliche Texte „gender“-konform umgeschrieben werden können.

Zur großen Enttäuschung der Herausgeber, der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD), zeitigt die Kampagne, die schon seit geraumer Zeit von den Kirchenoberen propagiert wird, aber wenig bis keinen Erfolg. „Wie furchtbar würden sich die schönen Kirchenlieder oder Rilkes Gedichte anhören, wenn man sie durch den Filter der Sprachpolizistinnen und Sprachpolizisten der EKD jagen würde“, kontert etwa das frühere EKD-Ratsmitglied Peter Hahne gegenüber der „Bild“-Zeitung.

Hahne unterstreicht, daß ihm keine Frau außer Alice Schwarzer begegnet sei, die das Thema wirklich existentiell interessiere. „Die ‘Kirche des Wortes’ hat wahrlich andere Probleme als diesen Gender-Unfug“, erklärt der langjährige Journalist. Dieser Meinung ist auch der deutsche Sprachkritiker Wolf Schneider, der die fragliche Broschüre von Anfang an kritisiert hat und sich über die kirchlichen Sprachregelungen mokiert: „Die Mehrheit findet sie überflüssig, eine große Minderheit lächerlich und penetrant.“

Nicht nur viele vor Jahrhunderten übersetzte Worte müßten, nähme man das „gendergerechte“ Sprach-Konstrukt ernst, zeitgemäß umformuliert werden, auch Kirchenlieder und Zitate gerieten dann in die Fänge des Genderwahnsinns. „Dann bräuchten wir ein Einwohnerinnen- und Einwohnermeldeamt – und bitte das Christinnen- und Christentum“, so Schneider. Begriffe wie Mitarbeiter, die Kirche als Arbeitergeber oder Antragsteller sollen künftig laut EKD zu „Mitarbeitenden, die Kirche als Arbeitergeberin und der/die Antragsteller/in“ werden. Will man den verantwortlichen Sprachreformern bei der EKD glauben, spiegle ein solches  Deutsch „die Vielfalt der Geschlechter“ wider.

Völlig im Konsens mit der EKD scheint allerdings die österreichische Bildungs- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zu sein. Sie weist eine an sie gerichtete Forderung, das berühmt-berüchtigte Binnen-I aus dem Sprachgebrauch zu streichen, entschieden zurück. „Sprache schafft Wirklichkeit. Weibliche Formen unerwähnt zu lassen und Frauen damit auszublenden, das wäre ein völlig falsches Zeichen“, ereifert sich die Ministerin.

Die FPÖ hingegen fordert entschieden das Ende der finanziellen Unterstützung des Genderwahnsinns im Alltag und im Lehrplan der Universitäten: „Die sogenannte Genderwissenschaft entwickelt sich zu einem Korsett für unsere Sprache und unser Denken“, so der freiheitliche Nationalratsabgeordnete Gerhard Deimek.

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