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Papst Franziskus rüttelt an den Grundpfeilern der Kirche

"Erdbeben" im Vatikan: geht die katholische Kirche zukünftig auf Homosexuelle zu?

Mittwoch, 15 Oktober 2014 05:27 geschrieben von  Susanne Hagel
Papst Franziskus Papst Franziskus Bild: Korea.net / Korean Culture and Information Service (Jeon Han)

Rom - Wie aus dem am Montag unter Beisein von Papst Franziskus verlesenem "Relatio post disceptationem", dem Bericht zum Stand der Diskussion der Bischofssynode zum Thema Ehe und Familie, welches nach siebentägigen Diskussionen der 200 Bischöfe verfasst worden ist, hervorgeht, deutet sich eine neue Haltung der Kirche gegenüber Schwulen und Lesben an.

Diese könnten die christliche Gemeinschaft bereichen, heißt es im Text. Es gelte die Frage zu klären, ob die Kirche auch diese Menschen willkommen heißen könne - ohne dabei eine Verletzung der katholischen Vorstellungen von Ehe und Familie zu riskieren. Damit wird erstmals in einem Kirchenpapier nicht gänzlich ablehnend und verurteilend über Homosexuelle geschrieben. Sogar von "positiven Aspekten" einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft sei die Rede. Das erstaunt insbesondere, da noch Benedikt XVI., der Vorgänger von Papst Franziskus, Homosexualität als eine "Anomalie" bezeichnete. Bei der Vorstellung des Zwischenberichtes der Bischofssitzung erklärt Peter Erdö, Kardinal von Budapest: "Die Identität eines Menschen wird nicht vor allem von seiner sexuellen Tendenz bestimmt." Die katholische Kirche stellt fest, dass der "gegenseitige Beistand wertvoll und positiv für das Leben der Partner" sein könne - "ohne die moralischen Probleme, die mit homosexuellen Partnerschaften verbunden sind, negieren zu wollen." Grundsätzlich ändert diese überraschende Aussage jedoch nichts an der weiterhin bestehenden Verurteilung von Homosexualität. Eine Ehe sei auch zukünftig nur zwischen Mann und Frau möglich. Vielmehr müsse man die "positiven Werte" und die Bedeutung der Ehe und der daraus resultierenden Familie stärken, heißt es.

Experten sprechen angesichts dieser Aussagen von einem "Erdbeben". "Das Dokument zeigt, dass Franziskus beim Thema Ehe und Familie die Barmherzigkeit in den Vordergrund rücke. Die Formulierungen lassen vermuten, dass sich unter den Bischöfen gemäßigtere Kräfte durchgesetzt haben", so John Thavis, Vatikan-Experte und Buchautor.

Das "Relatio post disceptationem" ist die Grundlage für weitere geplante Gespräche in der Synode, die in den kommenden Tagen durchgeführt werden. Für 2015 seien weitere Tagungen zum Thema geplant.

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