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Hannes Hegen gestorben

Erfinder der „Mosaik“-Comics ist tot

Samstag, 15 November 2014 18:08 geschrieben von  Susanne Hagel
Hannes Hegen, 1925 - 2014 Hannes Hegen, 1925 - 2014 FOTO: PROMO

Magdeburg - Hannes Hegen war ein Held der Jugendlichen der DDR: mit seinen Comics konnten sie auf witzige Art in ferne Länder und Zeiten reisen. Nun ist der Vater von Dig, Dag und Digedag gestorben.

Im Gegensatz zu ihren Lesern konnten die drei kleinen Helden der Comics reisen, wohin sie wollten. Sie entführten ihr zumeist jugendliches Publikum in ferne Welten und unterschiedlichste Epochen; bereisten den Orient und die USA. Ihre lustigen Reisen strotzten vor Witz und Abenteuern und enthielten vor allem eines nicht: sozialistische Propaganda, von der es in anderen Büchern und Zeitschriften nur so wimmelte.

Das am 23. Dezember 1955 erschienene erste Heft war sofort vergriffen, innerhalb kürzester Zeit schaffte es der Comic zum bedeutendsten Zeichentrickheft der DDR. „Obwohl die Auflage mehr als 600.000 Stück betrug, konnte die Nachfrage nie befriedigt werden“, berichtete Hegens Verleger Mark Lehmstedt. Hegen arbeitete mit „zunächst zwei, später mehr als zehn Mitarbeitern“ in seinem Atelier in Berlin-Karlshorst an den Heften. Die Trauer unter den Lesern war groß, als es im Jahre 1975 zum Bruch zwischen Hegen und dem FDJ-Verlag „Junge Welt“ in Berlin kam und infolgedessen die „Digedag“-Reihe mit der Ausgabe 223 eingestellt wurde. Ursache des Bruchs soll Hegens Weigerung gewesen sein, der Aufforderung des Verlages nachzukommen, diesen an der inhaltlichen Gestaltung der Hefte teilhaben zu lassen. Das Mosaik-Kollektiv, welches bisher mit Hegens die Digedags zu Leben erweckte, arbeitete ohne ihn weiter: An die Stelle der Digedags traten die Abrafaxe, die es bis heute gibt. Erfolglos versuchte sich der Comiczeichner und Grafiker juristisch dagegen zu wehren, dass die Abrafaxe weiterhin unter dem von ihm geschaffenen Namen „Mosaik“ veröffentlicht werden dürfen und zog sich fortan von der Öffentlichkeit zurück. Im Jahre 2009 übergab er sein Archiv an das Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig, die seither seine tausenden Zeichnungen, Skizzen und Entwürfe aufbereitet.

Seinen letzten großen Auftritt hatte der Digedags-Schöpfer im Jahre 2012, als er eine  „Digedags“-Schau in eben jenem Zeitgeschichtlichem Forum in Leipzig besuchte. Über 70.000 Besucher zählte die Veranstaltung. „Ich hätte nicht gedacht, dass es einen so großen Zuspruch gibt“, staunte Hegens damals. Noch immer trauere er dem Ende der drei kleinen Abenteurer etwas nach, gestand er. „Natürlich schmerzt es mich, wenn Nachahmer das Konzept übernehmen und in ähnlicher Weise weitererfinden.“ Er habe zum Zeitpunkt des Bruches mit dem FDJ-Verlag noch zahlreiche Ideen und Geschichten vorbereitet gehabt, die nun leider nie veröffentlicht worden sind.

Hannes Hegen, eigentlich Johannes Hegenbarth wurde am 16. Mai 1925 in Böhmisch Kamnitz geboren. Zunächst studierte er  1943/44 in Wien an der Hochschule für angewandte Kunst, wechselte dann nach Leipzig. Bereits während seines Studiums an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst von 1947 bis 1950 schuf er Karikaturen für den Vorgänger des heutigen „Eulenspiegel“, der satirischen Zeitschrift „Frischer Wind“. 1955 gründete er unter dem Namen Hannes Hegen die Zeitschrift „Das Mosaik“. Bis 2012 lebte Hegen zurückgezogen in dem Anwesen, in welchem auch das Mosaik-Kollektiv bis zum Verlagsbruch seinen Sitz hatte. Wie sein Verleger mitteilte, starb Hegen bereits am 8. November im Alter von 89 Jahren nach einem schweren Sturz im Pflegeheim, von welchem er sich nicht wieder erholte.

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