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EU-Studie: Deutsche sind Überstundenkönige

Dienstag, 09 September 2014 06:38 geschrieben von  Susanne Hagel
László Andor László Andor Quelle: ec.europa.eu

Brüssel - In keinem Land der EU leisten die Arbeitnehmer so viele Überstunden wie in Deutschland. Laut einer Studie der EU-Kommission liege die Wochenarbeitszeit in Deutschland im Schnitt bei 37,7 Stunden. In der Realität arbeiteten die Beschäftigten aber 40,5 Stunden in der Woche, so der zuständige EU-Sozialkommissar Lazlo Andor. "In keinem Land der Eurozone gibt es einen so großen Unterschied zwischen der tarifvertraglich vereinbarten Wochenarbeitszeit und der tatsächlichen Wochenarbeitszeit wie in Deutschland." Damit kommt der Durchschnittsdeutsche auf drei Überstunden pro Woche. 

Der Arbeitsmarktexperte des Institutes der deutschen Wirtschaft (IW), Holger Schäfer, erklärt: "Ein Grund für die relativ hohe Überstundenzahl ist, dass die Länder in Europa mit unterschiedlicher Flexibilität auf ein Anziehen der Konjunktur reagieren können." So besäße man in Deutschland laut OECD den höchsten Kündigungsschutz, was unter anderem zu einem rigiden Arbeitsmarkt führe. "Wenn die Konjunktur anzieht, reagieren die Unternehmen wegen des Kündigungsschutzes nicht sofort mit Neueinstellungen, sondern versuchen, die bessere Auftragslage durch Überstunden abzufangen.“

Dabei würden, laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit, die meisten Überstunden nicht finanziell vergolten. Demnach würden nur 20,0 der insgesamt 47,3 Überstunden pro Arbeitnehmer bezahlt, für die meisten Überstunden (27,2) erhielten die Arbeiter weder Geld noch einen Freizeitausgleich. Besonders hoch sei der Anteil unter den hoch qualifizierten und gut bezahlten Mitarbeitern. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) stellte ebenfalls fest, dass 17 Prozent der Arbeitnehmer regelmäßig Überstunden zum Nulltarif erbringen. Somit mache nach eigenen Angaben jeder vierte Arbeitnehmer mindestens zeitweise unbezahlte Mehrarbeit. 44 Prozent derer, die regelmäßig Überstunden leisten, gaben an, eine ständige Erreichbarkeit werde vom Arbeitgeber erwartet. Der DGB-Vorstand kommt deshalb zu dem Ergebnis, dass es "nicht gut bestellt ist um die Arbeitsbedingungen in deutschen Betrieben."

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) setze sich deshalb dafür ein, dass ein besserer Überstundenausgleich und eine stärkere Gesundheitsförderung künftig in die Arbeitswelt Einzug halte um dem damit verbundenen Dauerstress zu begegnen. Sie stößt auf harte Kritik aus den Reihen der Arbeitgeber, welche auf die Wettbewerbsfähigkeit hindeuten. Laut Vizechef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Rainer Dulger, müssen sich die Arbeitnehmer an die Anforderungen einer globalisierten Arbeitswelt anpassen.

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