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Leipzig - Museum der bildenden Künste:

Eugène Delacroix und Paul Delaroche im Vergleich

Dienstag, 20 Oktober 2015 23:48 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Fotografie Eugène Delacroix’ von Félix Nadar, 1858 Fotografie Eugène Delacroix’ von Félix Nadar, 1858

Leipzig - Seit dem Wochenende hat in der Katharinenstraße 10 in Leipzig das Museum der bildenden Künste eine Ausstellung mit Premierencharakter geöffnet. Bis zum 17. Januar 2016 läuft dort die Ausstellung „Eugène Delacroix & Paul Delaroche. Geschichte als Sensation“, die nicht allein dadurch zur Besonderheit wird, weil die beiden Künstler als die zwei am meist renommierten französischen Historienmaler gelten, sondern diese erstmals in einer gemeinsamen Ausstellung gegenübergestellt werden. Mit rund 40 Gemälden, 60 Zeichnungen sowie 60 Grafiken präsentiert die Leipziger Sonderschau eine neue Perspektive auf die französische Malerei der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Für die Aussteller stellt diese Schau ein Mammutprojekt mit großzügiger Unterstützung zahlreicher Museen aus Frankreich, Deutschland, Holland, England und Dänemark dar, wofür man im Vorfeld intensiv mit französischen Kunsthistorikern konferierte, um die Neuheit dieser Gegenüberstellung fachmännisch zu bewerkstelligen.

Der von den ausgestellten Werken ausgefüllte Entstehungszeitraum, im Wesentlichen zwischen 1820 und 1850, war intensiv durch die Erfahrung großer gesellschaftlicher Umbrüche, wie Französische Revolution 1789, Aufstieg und Fall Napoleons, die Restauration, die Revolutionen von 1830 und 1848, geprägt. Hinzu kam der Einfluss der romantischen Strömung in der Literatur und der sich konstituierenden Geschichtswissenschaft. Dies versuchten Delacroix wie Delaroche mit der Zielsetzung starker emotionaler Wirkung zu verarbeiten. Delaroches Kunst wurzelt im Klassizismus, mit dessen Ordnungssinn ausdrückenden Regelhaftigkeit, wohingegen Delacroix Leidenschaftlichkeit zum Ausdruck bringt und stärker der Romantik zuzuordnen ist. Insbesondere der Einfluß der Literatur auf die beiden Historienmaler wird in der Ausstellung überdeutlich. Einen ganzen Raum widmet die Ausstellung Bildern, die nach literarischen Stoffen entstanden. Allein 30 Gemälde sind Leihgaben aus dem Pariser Louvre, wie beispielsweise das großformatige Gemälde «Die Söhne Eduards IV.» von Paul Delaroche, welches die britischen Thronfolger kurz vor ihrer Ermordung durch König Richard III. zeigt. Delaroches Inspiration hierfür war das bekannte Shakespeare-Drama.

Neben Shakespeare und seinen Königsdramen findet sich auch der Bezug zu Goethes Faust, wofür ein Werk von Delacroix steht. Kurator Jan Nicolaisen führte zu diesem Bild wie folgt aus: "Und er hat, schreibt Goethe, 'mich selbst übertroffen, in seinen Szenen'. Ein größeres Lob gibt’s ja für eine Illustration eigentlich nicht." Zu den beiden Künstlern an sich führte Nicolaisen aus: "Delacroix ist der freiere Interpret von Themen und Motiven aus der Geschichte, während Delaroche versucht, möglichst faktengetreu, fast wie jemand, der eine Chronik schreibt, das durch einen plausiblen Realismus zu vergegenwärtigen, die Geschichte." Geöffnet hat das Museum der bildenden Künste in Leipzig hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr und mittwochs von 12 bis 20 Uhr. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 7 Euro. Ein begleitender Katalog ist im Museum für 39 Euro erhältlich.

Letzte Änderung am Dienstag, 20 Oktober 2015 23:54
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