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Die Ukraine in den Medien – Testfall in Sachen Glaubwürdigkeit

Experten kritisieren einseitige Medienberichterstattung – das Publikum wandert ab

Freitag, 06 Juni 2014 21:40 geschrieben von  Jens Hastreiter
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Moskau - Moskau hat westliche Medien aufgerufen, objektiv über die Entwicklung in der Ukraine zu berichten und sich von Propagandadarstellungen zu distanzieren, die einseitig Rußland die Verantwortung für die aktuelle Entwicklung in die Schuhe zu schieben versuchen. Auf ihrer Facebook-Seite appellierte die stellvertretende Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, jetzt an die Medien des Westens: „Ich bitte Sie, die Lage in der Ukraine verantwortungsvoll unter die Lupe zu nehmen.“

Bei Ausbruch der Ukraine-Krise im vergangenen Herbst dominierten anfangs klassische Revolutionsbilder. Friedliche Demonstranten, die in einem Protestcamp wochenlang für eine bessere Ukraine kämpfen. Wer seither die Nachrichten in Deutschland verfolgt, erfuhr über über alle Medienkanäle hinweg: Hier kämpfen pro-europäische Demonstranten gegen den korrupten, rußlandtreuen Präsidenten Viktor Janukowitsch.

Doch mittlerweile stehen die etablierten Medien in der Kritik der Öffentlichkeit, die sich in den Kommentarfunktionen ihrer eigenen Online-Angebote, auf Blogs und in Internet-Foren manifestiert. Große Teile des Publikums teilen die Einschätzung, dass die meisten Medien nicht ausgeglichen über die Ukraine informieren, sondern parteiisch im Sinne von EU- und NATO-Interessen agieren.

In manchen Redaktionen scheint man den Unmut der Medienkonsumenten mittlerweile ernstzunehmen. Im Fernseh-Medienmagazin „Zapp“ sprach Friedbert Meurer von einer neuen Quantität und einer anderen Intensität der Kommentare. Meurer, Ressortleiter beim Deutschlandfunk, schloss daraus, „dass in beträchtlichen Teilen der Bevölkerung eine andere Meinung gegenüber der Politik und gegenüber Russland vorherrscht, als das insgesamt und von den meisten Medien transportiert wird“.

Mit seiner Erkenntnis steht jedoch Meurer jedoch noch als einsamer Rufer in der Wüste da. In anderen Redaktionen bemüht man sich, die massive medienpolitische Kritik einfach als nicht repräsentativ abzukanzeln.

Gabriele Krone-Schmalz, die zwischen 1987 und 1992 als Korrespondentin im Moskauer ARD-Studio Moskau arbeitete, sprach bereits vor einigen Wochen in einem inzwischen berühmt gewordenen Interview die Defizite der Medienhäuser an und bezeichnete den größten Teil der Zuschauerkritik als durchaus berechtigt.

Beim Medienportal „Meedia“ will man dagegen keinerlei Kritik zulassen. Nachdem in einem Blog aufgedeckt wurde, dass das ZDF Teile seiner Ukraine-Berichte von der PR-Organisation „Ukrainian Crisis Media Center“ bezieht, sprach man einfach von einer „Verschwörungstheorie".

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass sich die Medien von PR-Agenturen beliefern lassen. So bereitete 1990 die PR-Agentur „Hill & Knowlton“ den ersten US-Angriff auf den Irak durch Verbreitung der berühmt gewordenen „Brutkastenlüge“ vor. Damals wurde wahrheitswidrig behauptet, irakische Soldaten hätten bei der Invasion Kuwaits im Jahr 1990 kuwaitische Säuglinge in einem Krankenhaus in Kuwait-Stadt getötet, indem sie Frühgeborene aus ihren Brutkästen rissen und auf dem Boden sterben ließen. Auch der zweite US-Angriff auf den Irak wurde mit Giftgaslagern begründet, die nie existierten.

Es erstaunt deshalb nicht, dass das deutsche Medienpublikum mittlerweile mehrheitlich seine Position nicht mehr in den Medien repräsentiert findet. Über den Verlust an Glaubwürdigkeit und sinkende Zuschauerzahlen müssen sich die verantwortlichen Programmacher freilich nicht wundern.

Letzte Änderung am Freitag, 06 Juni 2014 21:59
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