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Kunst des Realismus

Fondation Beyerler-Ausstellung: Gustave Courbet

Dienstag, 09 September 2014 06:29 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Gustave Courbets Werk "Ursprung der Welt" Gustave Courbets Werk "Ursprung der Welt" Quelle: ARTemis Invest

Basel - Die am 07.09. eröffnete und bis zum 18.01.2015 andauernde Ausstellung der Fondation Beyerler über Gustave Courbet in Riehen bei Basel ist die erste seit mehr als 15 Jahren, die dem einzigartigen Virtuosen der Farbe Weiß in der Schweiz gewidmet wurde. Courbet, der als Hauptvertreter der französischen realistischen Malerei Einfluß auch auf die realistischen Maler in Deutschland nahm, zählt zu den wichtigsten Wegbereitern der klassischen Moderne. Geboren wurde der Ausnahmekünstler 1819 in Ornans im französischen Jura, das sich in seinen Werken wiederkehrend wiederfindet. Am Silvestertag des Jahres 1877 verstarb er in La Tour-de-Peilz am Genfer See. Die Ausstellung zeigt Werke aus allen Schaffensphasen Courbets, darunter Werke, die zuweilen seit Jahrzehnten oder gar noch nie öffentlich zu bestaunen waren. Dies reicht von den für ihn typischen komplexen Selbstporträts, mit denen er sich einen Namen im 19. Jahrhundert machte, über die damalige Landschaftsmalerei revolutionierende Heimatbilder und Fels- und Wassergemälde, bis hin zu seinen geheimnisvollen, teils erotisch konnotierten Frauenbildnissen, die im Zentrum der Ausstellung stehen. Darunter sein bis in die heutigen Tage Wirkung hervorrufender provokantester Tabubruch L´Origin du monde. Der Ursprung der Welt: Dieser inzwischen fast 150 Jahre alte künstlerisch verarbeitete „Ursprung der Welt“ stellt lediglich den unverhüllten Schoß in extremer Nahsicht dar, was bis dahin so noch nicht gewagt wurde.

Courbet war als naturverbundener Wanderer und Jäger bekannt, der als leidenschaftlicher Naturbeobachter bemüht war, künstlerisch diese in ihrer Ursprünglichkeit und Komplexität wiederzugeben. Die Darstellung von Übergängen, sei es von der Hochebene zum Tal oder Waldrand und Feld sind ein häufig zu entdeckendes Motiv seiner Landschaftsbilder. Im Gegensatz zum idealisierenden Blick der Romantik prägt die realistische Sichtweise die Werke des präzisen Beobachters Courbet. Dennoch verstand es Courbet, sich nicht allein auf eine nachahmende Abbildung zu beschränken, sondern durchaus die unberechenbaren Urkräfte der Natur in einer den Betrachter überwältigenden Darstellung auszudrücken. Vielfach brach sich seine Kreativität in der Auseinandersetzung mit der aus sich selbst generierenden Urgewalt des Wassers bahn, die er gerne allegorisch als Born eigener Schaffenskraft auslegte. Gerade in seinen Meeresdarstellungen suchte Courbet die Schönheit der Natur in ihrer Dynamik zu finden.

Zu sehen sind in der Ausstellung unter anderem die Werke „Die Angst des Wahnsinnigen“ und „Am Waldrand“ sowie Courbets größte Landschaftsdarstellung „Windstoß im Wald von Fontainebleau“ oder „Junge Badende“, das die seit der Antike bekannte Einheit von Frau und Natur thematisiert. Anhand des ebenfalls die Ausstellung zierenden Gemäldes „Die Begegnung“ kann die Selbstsicht des Künstlers nachvollzogen werden, der sich in der Darstellung mit seinem Mäzen Alfred Bruyas nicht als romantischer Bohemien, sondern als vor Selbstbewußtsein strotzender Künstler malte. Das großformatige Gemälde La Bergére war bislang noch nie in einer Ausstellung gezeigt worden.

Ein besonderer Gewinn dürfte diese Ausstellung für diejenigen vielgereisten Besucher sein, welche die verarbeiteten Heimatregionen Courbets schon einmal bereist haben, da die Bilder - wenngleich im Atelier entstanden – von intensivstem Landschaftsstudium der verarbeiteten Schauplätze zeugen. Gustave Courbet vertrat allerdings auch die Meinung, daß nur der in der Lage sei, eine Landschaft zu malen, der auch zutiefst mit ihr vertraut ist. Vermutlich ist diese Haltung eine Grundvoraussetzung für einen Maler des Realismus.

Letzte Änderung am Dienstag, 09 September 2014 06:37
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