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Erziehung in Deutschland

Fragwürdige Pläne zum Sexualkundeunterricht

Samstag, 05 Juli 2014 10:56 geschrieben von 
Sexspielzeug Sexspielzeug Quelle: pixabay.org

Kassel - Gehören Themen wie "Gang-Bang" und die Kenntnis darüber, was eine Vakuumpumpe ist, zum notwendigen Wissen 12-jähriger?

Diese Frage stellt sich zwangsläufig, wer die Forderungen von Prof. Elisabeth Tuider, Kasseler Soziologin, hört. Die Professorin mit Schwerpunkt Gender (Geschlechterforschung), Vielfalt der Lebensweisen, Migration und soziale Ungleichheit vertritt die Ansicht, Eltern unterschätzen in Zeiten des freien Zugangs zu pornographischem Material, wie durch das Internet möglich, ihre Kinder. Studien zufolge hätten bereits 70 Prozent der Jungen und 30 Prozent der Mädchen der unter 14-jährigen Pornografie kennengelernt. Es sei Aufgabe der Schulen, adäquat darauf zu reagieren und den Kindern Raum für ihre Fragen und Ängste zu schaffen.

Wie dies laut der Genderexpertin aussehen soll, zeigt ein Blick in das bereits in 2. Auflage erschienene Buch "Sexualpädagogik der Vielfalt - Praxismethoden zu Identitäten, Beziehungen, Körper und Prävention für Schule und Jugendarbeit.", welches Tuider gemeinsam mit Mario Müller, Stefan Timmermanns, Petra Bruns-Bachmann und Carola Koppermann veröffentlicht hat. Es beinhaltet 70 praktische Übungen mit deren Hilfe den Heranwachsenden ein unverkrampfter Umgang mit dem Thema Sexualität vermittelt werden soll.

Das klingt soweit nicht schlecht. In Zeiten des Internets und der damit einhergehenden früheren Sexualisierung unserer Kinder ist eine Hilfestellung von schulischer Seite gewiss nicht falsch. Die Aufklärung über einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität darf gern auch im Klassenzimmer behandelt werden. Doch was Eltern in diesem Buch zu lesen bekommen, überschreitet die Kompetenz der Lehrer. Harmlos mutet der Fragebogen an 12-jährige an, wo es als Antwortmöglichkeiten auf den Satz „Zur Liebe gehört für mich...“ unter anderem „guten Sex zu haben“, „die Freiheit mit anderen ins Bett zu gehen“ und „Oralverkehr“ gibt. Haariger ist dann schon das ebenfalls für 12 Jahre alte Kinder vorgesehene Sex-Quiz, in dem es u.a. heißt: "Was ist gang-bang? a) Sex in einer Gruppe von vielen Männern und Frauen; b) Sex zu dritt; c) Wenn eine Person mit mehreren Männern, die in einer Schlange anstehen, hintereinander Sex hat (urspr. Gruppenvergewaltigung)".

13-jährige werden mittels Gruppenspiel an das Thema Analverkehr herangeführt, 14-jährige sollen Dildos, Liebeskugeln und Viagra gerecht unter einer alleinerziehenden Mutter, einem heterosexuellen kinderlosen Paar, einem schwulen Paar, einem lesbischen Paar mit zwei Kindern, einem Senioren-Paar, einer Wohngemeinschaft mit drei Behinderten und einer Spätaussiedlerin aus Kasachstan verteilen. Gerechtfertigt werden all diese Übungen mit der Aussage, Ziel sei es, den Kindern zu vermitteln, dass es viele Formen der Sexualität gibt, keine schlechter sei als die andere und Vorurteile und Klischees zu brechen.

Zwar schränkt Tuider selbst ein, dass jede der vorliegenden Übungen an die gegebenen Situationen, sprich den Wissensstand der Schüler, angepasst werden muss, ist aber festen Willens den Jugendlichen Kompetenz im Bereich sexueller Vielfalt, ein Begriff, der außer diverser Kenntnisse über Sexualpraktiken und Sexspielzeug, natürlich sämtliche sexuelle Ausrichtungen von Homo-, Trans- bis Bisexualität einschließt, zu vermitteln.

Damit geht sie völlig konform mit den 2010 von der WHO veröffentlichten Leitlinien der europäischen Region für Sexualerziehung, welche den Beginn der Sexualerziehung von Geburt an fordern und für eine zwingende Einführung von Sexualkundeunterricht an allen europäischen Schulen steht. Dass dies noch nicht selbstverständlich ist wie uns in Deutschland eingeredet wird, beweist die aktuelle Situation in Polen, wo sich derzeit eine breite Mehrheit der Bevölkerung gegen die Einführung des Unterrichts stark macht. So verhandelt das polnische Parlament gerade eine Gesetzesinitiative, die künftig den Sexualkundeunterricht für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren mit bis zu zwei Jahren Haft bestrafen soll.

Eine Machthabe gegen den Sexualkundeunterricht haben Eltern in Deutschland nicht. Wer sein Kind von diesem freistellt, wird mit Bußgeld und schlimmstenfalls mit Haftstrafen belegt.

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