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Szenen wie im Actionfilm

Greenpeace warnt vor Drohnenangriffen auf französische AKW

Mittwoch, 26 November 2014 18:14 geschrieben von  Susanne Hagel
Greenpeace Greenpeace Quelle: greenpeace.de

Paris - Unbekannte lassen bereits seit einigen Wochen immer wieder nachts  Drohnen über französischen Atomkraftwerken kreisen und geben den Behörden Rätsel auf. Zwar bemühen sich die französischen Behörden und die Betreiber der AKWs zu versichern, von den nächtlichen Fliegern gehe keine Gefahr aus, Greenpeace Frankreich und Deutschland nutzen die Taten der Unbekannten nun jedoch um vor der potenziellen Gefahr solcher Drohnen zu warnen.

Die Umweltorganisation Greenpeace hat aufgrund der mittlerweile über dreißig ungeklärten Überflüge und der ihrer Meinung nach bestehenden Terrorgefahr gefordert, die französischen Atomkraftwerke in Cattenom und Fessenheim vorübergehend abzuschalten. "Die überalterten Atomanlagen müssen abgeschaltet werden, bis die Hintergründe der Drohnenüberflüge geklärt sind", heißt es in einer Mitteilung. Beide Meiler liegen nahe der deutschen Grenze: Cattenom rund zwanzig Kilometer vom Saarland entfernt, Fessenheim rund zwanzig Kilometer vor Freiburg. In ihrer aktuellen deutschen Studie "Gefahr aus der Luft" malt die Umweltschutzorganisation in lebhaften Szenarien ein Bild der Gefahr, die derartige unbemannte Flugobjekte darstellen könnten. Wie Diplom-Physikerin Oda Becker aus Hannover erklärt, seien die zivilen Drohnen ein bisher unterschätztes Sicherheitsrisiko für Atomkraftwerke. Würden die bis zu zwei Meter großen Fluggeräte von Terroristen eingesetzt werden, beispielsweise um Sprengsätze auf das Gelände zu bringen, könnten sie damit gezielt die Kühlsysteme der Meiler zerstören und somit eine Kernschmelze herbeiführen. "Meist wird die Gefahr von Terrorangriffen auf Atomkraftwerke bewusst heruntergespielt", heißt es dem dreiunddreißig Seiten umfassenden Bericht.

Vor allem ein Angriff auf Fessenheim sei laut der Greenpeaceanalyse verheerend. Das 1978 eröffnete AKW, das 2016 stillgelegt werden soll, sei völlig unzureichend gesichert. So sei der schützende Zylinder der beiden Reaktoren lediglich neunzig Zentimeter dick und entspräche damit völlig veralteten Standards. Heute müsste der schützende Betonpanzer mindestens zwei Meter dick sein, so Greenpeace. Auch das Abklingbecken zur Kühlung der Brennstäbe liege entgegen moderner Standards außerhalb des Schutzbehälters. Becker gesteht jedoch ein, dass allein von aus der Luft agierenden Drohnen "direkte Gefahr für die Sicherheit eines Atomkraftwerks theoretisch nicht zu erwarten" sei. Dazu brauchte es zusätzlich Terroristen auf dem Gelände, die die aus der Luft angelieferten Sprengsätze gezielt an verwundbaren Punkten anbringe. "Innentäter stellen für Atomkraftwerke eine mindestens ebenso große Bedrohung dar wie terroristische Angriffe von außen", so Becker. Zerstörten die Eindringlinge dann auch noch die Dieselgeneratoren, die die Notfallversorgung der Kühlpumpen im Falle eines solchen Anschlags übernehmen würden und verhinderten, dass Hilfskräfte mit Ersatzgeneratoren und Aushilfspumpen zur Anlage vordringen könnten, stünde die Katastrophe unmittelbar bevor.

Wenn die Terroristen jedoch sogar über panzerbrechende Raketen verfügten, könnten sie die Kuppel angreifen, warnt der Bericht. Durch wiederholten Beschuss könne man so bis zum Kern vordringen. "Denkbar für einen Terroranschlag aus der Luft ist z.B. ein Angriff mit einem Hubschrauber", welchen Terroristen "relativ einfach" entführen könnten.

Auch wenn der Bericht von Greenpeace etwas wie ein Szenario aus einem Actionfilm anmutet und schon mehrere "unglückliche" Zufälle zusammentreffen müssten, die von AKW ausgehende Gefahr für die Bevölkerung im Falle eines Terroranschlages besteht, sind sich die Umweltschützer sicher. "Die Anlagen sind absolut unzureichend gegen Angriffe gesichert", kritisierte Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. Aufgrund von über siebenhundert Zwischenfällen in Cattenom drängt das Saarland, sowie Luxemburg und Rheinland-Pfalz schon seit Jahren darauf, die französischen AKW unweit der deutschen und luxemburgischen Grenze endlich stillzulegen. Der französische Betreiber von Cattenom plant jedoch den Weiterbetrieb des aus den 1980er Jahren stammenden Atomkraftwerkes über mehrere Jahrzehnte.

Nach über dreißig Drohnenflügen über französische AKW, nimmt die Besorgnis in der französischen Bevölkerung und bei den europäischen Nachbarn zu. "Es ist offensichtlich, dass die Sicherheitsbehörden diese Flüge weder aufklären noch verhindern können", so Smital. Auch der britische Atomexperte John Large warnte bei einer Anhörung in der französischen Nationalversammlung vor den von der Atomaufsicht ASN festgestellten Mängel der Kraftwerke in Frankreich. Larges Studie für Greenpeace Frankreich wurde aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht. Laut seiner Einschätzung seien "französische Atomkraftwerke verwundbar durch Angriffe mit Drohnen".

Im Falle der "gefährlichsten und folgenschwersten Variante"(eine offenen Schutzhülle nach einem Anschlag) würde radioaktives Material nicht nur in Frankreich, Deutschland oder Belgien, sondern entsprechend der Wetterlage über das gesamte Europa bis nach Schweden verteilt werden.

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