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Zweifel an "Freiheit der Willensbildung"

Gutachten bezweifelt Gültigkeit des Gurlitt-Testaments

Montag, 17 November 2014 17:38 geschrieben von  Susanne Hagel
Cornelius Gurlitt Cornelius Gurlitt

Magdeburg - Wie der Psychiater und Jurist Helmut Hausner in seinem Gutachten feststellt, bestehen Zweifel an der Gültigkeit des Testaments von Cornelius Gurlitt. Dieser hatte im Januar 2013 festgelegt, seine Kunstsammlung solle an das Kunstmuseum in Bern vererbt werden.

Laut Gutachten litt Gurlitt zum Zeitpunkt der Niederschrift seines Testaments unter "paranoiden Wahnvorstellungen". Die "Freiheit der Willensbildung" sei deshalb aufgehoben gewesen, die Gültigkeit des Testaments stünde entsprechend in Frage gestellt. Laut dem Gutachten litt der Kunstsammler bereits seit den 1960er Jahren unter der Vorstellung, er würde verfolgt: stets soll er einen Komplott gefürchtet haben, jemand wolle ihm die vom Vater geerbten Bilder wegnehmen. Dies gehe aus  Dokumenten und Briefen hervor, so Hausner.

Den Auftrag zur Erstellung des Gutachtens erhielt Hausner von den nähesten Verwandten Gurlitts, seinem Cousin Dietrich Gurlitt und seiner Cousine Uta Werner. Beide sind die gesetzlichen Erben und würden, sollte das Museum in Bern das Erbe ausschlagen oder ein Gericht das Testament für ungültig erklären, die umfangreiche Kunstsammlung erhalten. Erst kürzlich hatte die Familie der beiden verkündet, in diesem Falle einer sofortigen Rückgabe aller unrechtmäßig im Besitz von Cornelius Gurlitt befindlichen Bilder an die rechtmäßigen Besitzer zu veranlassen und eng mit der Taskforce zur Provenienzrecherche zusammen zu arbeiten. Im selben Atemzug hatte die Familie die Provenienzabteilung jedoch hart kritisiert und angekündigt, sollte das Erbe ihnen zufallen, die Arbeit der Taskforce intensiv zu beobachten und gegebenenfalls ein unabhängiges und effektiveres Unternehmen mit der Herkunftsrecherche zu betrauen. Noch ist unklar, ob die Familie das Testament anfechten wird. Das Kunstmuseum Bern entscheidet Ende des Monats November darüber, ob sie das Erbe antritt.

Allein 1.500 Kunstwerke fand die Polizei im Februar 2012 in Gurlitts Wohnung in München-Schwabingen, sowie in seinem Haus in Salzburg. Als Schwabinger Kunstfund wurde die Sammlung daraufhin weltberühmt. Cornelius Gurlitt, der Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, war am 6. Mai dieses Jahres verstorben. In seinem Testament, welches auf den Januar 2013 datiert ist, setzt er das Kunstmuseum Bern als alleinigen Erben ein. Bisher besteht bei rund 485 Kunstwerken der Verdacht der Raubkunst.

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