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Netflix & Co.

Hat das klassische Fernsehen ausgedient?

Donnerstag, 25 September 2014 02:09 geschrieben von  Johann W. Petersen
Hat das klassische Fernsehen ausgedient? Quelle: netflix.com

Köln - Nach Ansicht von Branchenexperten werden Streaming-Anbieter wie Netflix, Maxdome oder Amazon Prime Instant Video nicht nur die ohnehin schon auf dem Rückzug befindlichen Videotheken weiter unter Druck setzen, sondern auch die klassischen Fernsehsender massiv herausfordern.

Die „Wirtschaftswoche“ hierzu: „Aufgescheucht sind vor allem ARD, ZDF, RTL, ProSieben, Sat.1 sowie deren Mitbewerber. Weil vor der Fernsehfreude, forciert von Netflix und internetfähigen Fernsehgeräten, künftig immer häufiger die Suche im wachsenden Angebot des Internets steht, droht den traditionellen Sendestationen der Abstieg.“ Und WDR-Rechte-Händler Michael Loeb warnt: „In den USA zeigt Netflix den TV-Sendern schon die Rücklichter.“

Insbesondere die privaten Sender haben unter dem Vordringen der Internet-TV-Angebote zu leiden, da sie nach und nach an Attraktivität für die werbende Wirtschaft verlieren, die ihre wichtigste Einnahmequelle ist. „Netflix ist eines der digitalen TV-Modelle, das traditionellen Fernsehsendern die Vermittlerrolle wegzuschnappen droht“, meint Martin Sorrell, Gründer und Vorstandschef des weltgrößten Werbekonzerns WPP aus London.

Die demonstrative Gelassenheit, die die Privaten angesichts des in der vergangenen Woche erfolgten Netflix-Einstiegs auf den deutschen Markt an den Tag legten, werten Kenner der Branche denn auch als wenig glaubwürdig. „RTL, Sat.1 und Co. werden Hunderttausende Zuschauer verlieren“, so Thomas Koch, Medienberater aus Düsseldorf. „Serien und Filme, die von Werbung unterbrochen werden und zu Zeiten laufen, die nicht in den Tagesrhythmus passen, werden abgestraft.“ Die Schuld gibt Koch den Privatsendern selbst. Diese hätten „mit ihrem Billigprogramm Netflix den roten Teppich ausgerollt“, da auf allen Kanälen „fast nur noch austauschbares Programm für eine dumpfe Masse“ laufe, so das harsche Urteil des Medienexperten. Diese Zuschauerschaft sei „von ihrer demografischen Ausprägung her nicht attraktiv (…) für sehr viele Werbekunden“.

Es gibt allerdings auch Meinungen zu Netflix & Co., die weniger positiv ausfallen. Der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftrage Peter Schaar sieht in den neuen Programmen nicht nur das reine Vergnügen. „Das Problem ist, dass hier vermutlich sehr viele persönliche Daten über das Nutzungsverhalten aufgezeichnet werden. Für was interessiert man sich? Wann ruft man ein Angebot ab? Von welcher IP-Adresse tut man das? Wo befindet sich diese IP-Adresse? Das gibt ja alles über uns relativ viel Auskunft“, so der Datenschützer gegenüber dem „Deutschlandfunk“. Würden diese Daten mit bereits vorhandenen zusammengeführt, könnte man ein noch viel detaillierteres Persönlichkeitsprofil von den Nutzern bekommen, warnt Schaar.

Solche Bedenken spielen für Netflix keine Rolle. Das Unternehmen, 1997 von Reed Hastings und Marc Randolph mit 2,5 Millionen Dollar Startkapital im kalifornischen Los Gatos gegründet, startete in den USA zunächst mit dem Verleih von DVDs, ging mit der Verbreitung schneller Internetverbindungen ab 2007 allerdings zu „Streaming“-Diensten über. Zuletzt hatte Netflix rund 50 Millionen Kunden in 40 Ländern, davon knapp 35 Millionen in den USA. In Europa konnte man den Dienst bisher nur in Großbritannien, Skandinavien und den Niederlanden nutzen. Gleichzeitig mit Deutschland startete Netflix kürzlich auch in Belgien, Frankreich, Luxemburg, Österreich und der Schweiz.

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