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Kunstausstellung

Hexenwesen in der Kunst

Mittwoch, 09 März 2016 17:37 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Posthumes Porträt Bruegels von Edme de Boulonois, 1582 Posthumes Porträt Bruegels von Edme de Boulonois, 1582

Brügge – Vor ca. 450 Jahren wurde von keinem geringeren als Pieter Bruegel dem Älteren das Bild der Hexe, wie sie bis heute im kollektiven Gedächtnis erhalten blieb, erschaffen. Dies wird noch bis zum 26. Juni authentisch in einer Ausstellung „die Hexen von Bruegel“ im  mittelalterlichen Speicher des Sint-Janshospitaal in Brügge gezeigt. Von Künstlern aus den Niederlanden und Flandern sind mehr als 150 Darstellungen von Hexen erhalten geblieben, eine Anzahl, die einzigartig in der Welt ist. Von ganz Europa aus kam eine Auswahl von Gemälden, Manuskripten, Drucken und Zeichnungen nach Brügge, um die Geschichte der „Hexen von Bruegel“ zu erzählen. Von seltenen Archivstücken und Handschriften bis zu den detailverliebt gemalten Sabbatszenen von Frans Francken und David Teniers dem Jüngeren. Absolute Highlights sind jedoch die Drucke „St. Jacobus bei Hermogenes“ und „Der Fall der magischen Hermogenes“ von Pieter Bruegel. Das Musea Brugge arbeitet bei diesem Projekt mit dem Museum Catharijneconvent in Utrecht zusammen.

Wissenschaftliche Basis dieser Ausstellung ist die Dissertation „Frauen auf dem Besen und ähnlicher Spuk. Pieter Bruegel und die Tradition der Hexendarstellungen in den Niederlanden von 1450 bis 1700“ der Kuratorin Dr. Renilde Vervoort, die für ihre Doktorarbeit systematisch Hexendarstellungen seit 1430 ausgewertet hat, dem Jahr, auf das man den Beginn der Verfolgungen um den Genfer See datiert. Flandern ist mit Brügge auch kunsthistorisch ein passender Ausstellungsort, da hier im 17. Jahrhundert ein beachtlicher Markt für Darstellungen von Zauberei und Hexenkult blühte. Das dunkle Kapitel der Hexenverfolgung bot das ganze Spektrum menschlicher Sensationslust auf, um sich zur künstlerischen Verarbeitung zu einem Hexen-Genre zu entwickeln. Bruegel verarbeitete diese fragwürdige Religionsjustiz und setzte mit den Szenen “Jakob beim Zauberer“ und "Jakob und der Fall des Zauberers“ neue Maßstäbe. Im Mittelpunkt steht die Legende vom Jakob, der den abtrünnigen Zauberer Hermogenes bekehren möchte. Bei Bruegel repräsentieren Monster, Zwischenwesen und eben auch zum ersten Mal Hexen das Böse. Alle bekannten Kennzeichen, vom Besen über Zaubertrank und Kamin bis zur schwarzen Katze finden sich versammelt.

Anders variierte Frans Francken der Jüngere zeitgleich das Motiv mit mehr Facettenreichtum und erweiterte die Ikonografie der Hexe um reiche Schönheiten, die dank ihres diabolischen Netzwerks mit übernatürlichen Kräften Einfluss auf ihre Umgebung nehmen. David Teniers der Jüngere umgibt 1635 seine mit Sturmfrisur schlecht getarnte Hexe gar mit einem Kranz aus giftigen Pflanzen und Pilzen, die den Greifreflex reizen. Bedauerlich ist, ohne Basisinformationen lediglich nummeriert sind und das Besucherheft nur in niederländischer Sprache erläutert.

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