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Weißes Licht

Internationale Nahtod-Studie gibt Wissenschaft weiter Rätsel auf

Donnerstag, 09 Oktober 2014 14:52 geschrieben von  Susanne Hagel
Elektrokardiogramm Elektrokardiogramm

Magdeburg - Kaum einer kennt sie nicht; die Geschichten vom weißen Licht, von bereits verstorbenen Verwandten, die an der Schwelle vom Leben zum Tod auf den Sterbenden warten. In regelmäßigen Abständen geistern immer wieder derartige Erlebnisse von Menschen, die dem Tod nur knapp entronnen sind, durch die Medien. Eine neue Studie befeuert nun die Diskussion um derartige Erscheinungen aufs Neue.

Im Fachjournal "Resuscitation" stellt Sam Parnia von der Universität Southampton seine internationale „Aware“-Studie (AWAreness during REsuscitation/Bewusstsein während der Wiederbelebung) vor. Er beobachtete über einen Zeitraum von vier Jahren 2060 Patienten mit einem Herzstillstand in 15 britischen, amerikanischen und australischen Krankenhäusern. 140 der 330 Überlebenden konnten die Forscher um Parnia in einem Interview zu ihren Erlebnissen an der Grenze zum Tod befragen; 101 Patienten auch ein zweites Mal.

Fast vierzig Prozent der Befragten berichteten von einem Bewusstsein während der Wiederbelebung. Der Großteil konnte sich jedoch nicht an Gesagtes oder Gehörtes erinnern. "Das deutet darauf hin, dass mehr Menschen zunächst mental aktiv sein könnten, aber ihre Erinnerungen nach der Erholung dann wieder verlieren", erläutert Sam Parnia die Ergebnisse. Vermutlich verblassten die Erinnerungen an das Erlebte aufgrund der Hirnschädigung oder infolge von Medikamentengabe. Knapp fünfzig Prozent derer, die Bewusstsein wahrgenommen hatten, erinnerten sich an Emotionen und Eindrücke. Neun Prozent berichteten von dem klassischen "weißen Licht", begegneten Familienmitgliedern, Pflanzen oder Tieren. Zwei Prozent konnten Ereignisse während der Reanimation exakt wiedergeben. Richtiges Aufsehen erregte in der Studie jedoch nur ein Fall: die Forscher konnten bei einem Patienten nachweisen, dass er definitiv in einem Zustand von Bewusstsein war, obwohl sein Herz nachweislich still stand. "Der Mann beschrieb alles was in dem Raum passiert war, aber besonders wichtig: Er hörte zwei Pieptöne einer Maschine, die Geräusche in einem Drei-Minuten-Intervall macht. Deshalb konnten wir feststellen, wie lange die Erfahrung dauerte", schilderte Parnia.

Das gleicht deshalb einer Sensation, weil man Bisher annahm, bei derartigen Erlebnissen handele es sich um Halluzinationen, die kurz vor dem Herzstillstand oder kurz nach der Wiederbelebung vom Hirn erzeugt würden. Aufgrund der Schilderungen des oben genannten Patienten wisse man nun, dass diese Annahme überholt sei. Seine Erlebnisse bezogen sich auf den Zeitraum, in dem sein Herz nicht schlug. "Das ist paradox, weil das Gehirn normalerweise 20 bis 30 Sekunden nach dem Herzstillstand aufhört zu arbeiten und nicht fortfährt, bevor das Herz wiederbelebt worden ist", so der Forscher weiter. Offenbar gebe es auch dann noch ein Bewusstsein, wenn sich das Gehirn nahezu abgeschaltet habe und somit für uns klinisch nicht mehr nachweisbar ist, schloss der Mediziner. Es wird weiterer Studien bedürfen um herauszufinden, welche Mechanismen dabei ablaufen.

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