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Reichsstadt Goslar:

Künstlerpreis Kaiserring 2014 ging an Wiebke Siem.

Montag, 13 Oktober 2014 18:21 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Wiebke Siem Wiebke Siem Bild: © Kurt Siem

Goslar - Der Kaiserring – Kunstpreis der Stadt Goslar ist ein internationaler Kunstpreis, den die Stadt Goslar und der „Verein zur Förderung moderner Kunst Goslar e. V.“ nunmehr sein 1975 jährlich als eine undotierte Auszeichnung an zeitgenössische bildende Künstler verleihen. Sein Renommee verdankt der Preis einer Reihe namhafter Künstler, die den Kaiserring bereits erhalten haben, wie auch der Kompetenz der Jury mit Museumsfachleuten von Rang. Inzwischen avancierte der Goslarer Kaiserring zu einem der weltweit meist anerkannten Preise für moderne, zeitgenössische Kunst. In diesem Jahr ging der Kaiserring 2014 an Wiebke Siem, die diesen am vergangenen Samstag, den 11. Oktober entgegennahm. Wiebke Siem, die in Berlin lebt und arbeitet, studierte von 1979 bis 1984 an der Hochschule für bildende Künste und hatte von 2000 bis 2001 selbst eine Gastprofessur und von 2002 bis 2008 eine ordentliche Professur für Bildhauerei inne.

Der Kaiserring ist ein goldgefaßter Aquamarin mit dem in Goslar geborenen von unten eingravierten Bildnis Kaiser Heinrichs IV., der im Jahre 1077, nachdem er von Papst Gregor VII. exkommuniziert wurde, den berühmten Gang nach Canossa antrat. Nach den Worten der damit geehrten Künstlerin ist er für diese auch so etwas wie ein Ehering, da sie diese Ehrung wie ein Ehe mit der Stadt verstehe, mit der sie sich nun in gewissem Sinne verheiratet fühle. Weltweite Bekanntheit erreichte die Künstlerin, die seit 2010 auch als Bildhauerin tätig ist und Skulpturen kreiert, vor allem mit ihren in den Jahren 1989 bis 1997 entstandenen vier Werkgruppen, in denen sie vornehmlich Alltagsgegenstände in abstrakte überdimensionale Objekte verfremdete. Die Jury hob in ihrem Urteil hervor, daß Wiebke Siems preisgekröntes Werk noch lange nicht die angemessene Aufmerksamkeit habe. Unter die früheren Preisträger des heuer zum 39. Mal vergebenen Kaiserrings zählen unter anderem Christo, Henry Moore oder Joseph Beuys.

Seit 1984 wird auch jährlich ein Kaiserringstipendium an junge Künstler vergeben, womit eine Einzelausstellung im Mönchehaus Museum Goslar und eine Ankaufsgarantie eingeschlossen sind. Das Mönchehaus ist ein 1528 errichteter dreistöckiger Fachwerkbau, der nach seiner Renovierung als Domizil des Goslarer Kunstvereins dient. Bis zum 18. Januar sind dort derzeit eine Werkübersicht der Künstlerin zu sehen. Gezeigt werden Rauminstallationen, Skulpturen und Zeichnungen. Über Wiebke Siems Kunst war unter anderem zu lesen: Sie spricht vom Verlust Mitteleuropas, des Handwerks, der Familie und der Heimat. Für die Zukunft gilt die Hoffnung, dass künstlerisches Schaffen und das Wiedererfinden der Welt durch dieses Tun noch eine Rolle spielen, um unsere Imagination am Leben zu erhalten und unser inneres Selbst darzustellen.

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