www.derfflinger.de

Freigegeben in Boulevard

Überakademisierung und Fachkräftemangel

"Künstlich herbeigeredete" Konkurrenz zwischen Studium und Ausbildung

Montag, 01 September 2014 22:15 geschrieben von 
Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin Foto: Dominik Butzmann

Magdeburg - Der Dachverband fzs warnt vor einer übertrieben beschriebenen Konkurrenzdarstellung zwischen Ausbildung und Studium. "In letzter Zeit können sowohl Auszubildende als auch Studierende manchmal das Gefühl bekommen, jeweils das Falsche gewählt zu haben. Bei dem Streit um ,Überakademisierung' auf der einen und ,Fachkräftemangel' auf der anderen Seite werden Menschen zur blanken Verschiebemasse des Wirtschaftsstandortes Deutschland erklärt", so die Studentenvertreter. Niemand solle sich bei der Entscheidung zwischen Ausbildung und Studium von Prognosen über zukünftige Wirtschaftstrends leiten lassen, da diese auf Spekulationen beruhen. Jeder solle den Weg auswählen, der den eigenen Interessen entspricht. Sie fordern ein Stopp der "künstlich herbeigeredeten" Debatte.

Seit Jahren steigt die Zahl der Studierenden an. Zugleich bleiben immer mehr Lehrstellen unbesetzt. "Die Situation spitzt sich zu", meint der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer. Da die Zahl der Studienanfänger stetig steigt, die Anzahl der Schulabgänger insgesamt aber immer mehr sinkt, konnten 2013 rund 80.000 Lehrstellen nicht besetzt werden. Verantwortlich für ihn sei der "Run auf die Hochschulen". Man müsse den jungen Leuten wieder stärker vermitteln, dass auch ein handwerklicher Beruf kein Abstieg sei, meint auch Klaus von Dohnanyi, ehemaliger Bundesbildungsminister. Er warnt: "Spanische oder griechische Jugendarbeitslosigkeiten sind auch auf eine Überakademisierung zurückzuführen." Der selben Meinung ist SPD-Politiker Julian Nida-Rümelin, welcher einen "Akademisierungswahn" zu Lasten der betrieblichen Lehre beschreibt. Dies beschädige "die einzigartige Qualität" des Bildungssystems. Bald fehle es in unserem Land an einer Facharbeiterschaft, die alle Schichten der Gesellschaft aufnehmen könne.

Artikel bewerten
(6 Stimmen)