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Käßmann - Wehrfähig wie Costa Rica?

Ex-EKD-Chefin Käßmann will die Bundeswehr loswerden

Dienstag, 12 August 2014 12:38 geschrieben von  Jens Hastreiter
Die ehemalige hannoversche Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzende, Margot Käßmann. Die ehemalige hannoversche Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzende, Margot Käßmann. Quelle: http://www.ekd.de

Hannover - Die einschlägig bekannten Bundeswehr-„Reformer“ Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Thomas de Maizière (CDU) werden in der Rückschau vielleicht einmal als die unentbehrlichen Vorarbeiter für die ultimative Bundeswehrreform dastehen. Diese hat jetzt die Theologien und frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann Link, ins Gespräch gebracht. Frau Käßmann hält es nämlich lieber mit dem Beispiel Costa Ricas und sähe Deutschland am liebsten ganz ohne Bundeswehr Link.

Frau Käßmann suggeriert Rigorismus, indem sie einen Komplett-Verzicht der Bundesrepublik auf bewaffnete Streitkräfte empfiehlt: „Ich fände es gut, wenn die Bundesrepublik auf eine Armee verzichten könnte wie etwa Costa Rica”, sagte die gewesene EKD-Chefin dem Nachrichtenmagazin „Spiegel”. Ihr sei zwar klar, dass ihre Position im Moment noch eine Utopie sei, auch wegen der Einbindung Deutschlands in der NATO. Sie registriere allerdings „mit Genugtuung“, daß die Deutschen bewaffneten Einsätzen enorm skeptisch gegenüberstünden.

Käßmann, die Botschafterin der evangelischen Kirche für das Lutherjahr 2017 ist, ging in dem Gespräch auch auf Distanz zu Bundespräsident Joachim Gauck und dessen Forderungen nach einem stärkeren internationalen Engagement Deutschlands. „Der Bundespräsident redet vom Krieg als letztes Mittel, ich rede über den Weg zum Frieden”, sagte Käßmann über den amtierenden Bundespräsidenten, der ebenfalls evangelischer Theologe ist. „Wir Protestanten können wunderbar streiten über unterschiedliche Positionen.“

Eine weitere Maximalforderung folgte im Gespräch mit dem „Spiegel“ gleich auf dem Fuße: Frau Käßmann forderte außerdem ein Ende deutscher Rüstungsexporte. Deutschland solle ganz auf Waffenlieferungen verzichten - auch an NATO-Staaten oder befreundete Länder wie Israel. „Meine ganz persönliche Meinung ist, dass ein Land mit der Vergangenheit wie Deutschland sich nicht dadurch hervortun muss, „schöne‘ und technisch ausgefeilte Waffen in die ganze Welt zu liefern”, sagte sie. Es stehe Deutschland gut an, zu sagen, es exportiere Frieden und nicht Rüstung.

Mit ihrem Verweis auf das lateinamerikanische Costa Rica liegt die Ex-EKD-Chefin allerdings daneben. In Mittelamerika dienen Streitkräfte traditionellerweise nicht der Landesvereidigung, sondern fungieren als Kampftruppe nach innen, mit der die Oberschicht der Creolos ihre postkolonial ererbte Macht samt der dazugehörigen gesellschaftlichen Strukturen aufrechterhielt – und bis heute -hält. Zudem tendieren die Streitkräfte in der Region dazu, zu putschen, und um genau das zu verhindern, schaffte Costa Rica die Armee kurzerhand ab. Dabei konnte sich das Land darauf verlassen, im militärischen Ernstfall eines Angriffs von außen aller Wahrscheinlichkeit nach von den übermächtigen USA gerettet zu werden, die auswärtige Eindringlinge in ihrem eigenen „Hinterhof“ nicht dulden würden. Zumindest diese Rechnung ist bis heute aufgegangen – ob Deutschland mit einer erneuten Total-Abrüstung ähnlich gut fahren würde, kann bezweifelt werden.

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