www.derfflinger.de

Freigegeben in Boulevard

Landesamt für Denkmalpflege Stuttgart

Keltischer Kultplatz in Schwaben entdeckt

Donnerstag, 22 Januar 2015 13:58 geschrieben von 

Stuttgart - Auf der schwäbischen Alb entdeckten Archäologen im Oktober 2014 einen keltischen Kultplatz aus vorchristlicher Zeit.

Es handele sich um ein „gigantisches Bauwerk mit Opferschacht“, teilte das Landesamt für Denkmalpflege in Stuttgart mit. Dieses befinde sich oberhalb von Langenenslingen im Kreis Biberach auf einem plateauähnlichem Ausläufer der Schwäbischen Alb, der sogenannten „Alten Burg“. Nur durch Zufall stieß man hier auf eine mindestens 2.600 Jahre alte und mindestens vier Meter hohe Steinmauer, die einen rund zwei Hektar großen Bergsporn begrenzt, der vor rund 2.500 Jahren komplett durch keltische Baumeister überformt und umgestaltet worden ist. Eine Gruppe von Archäologen des Landesamtes führten unter Leitung von Prof. Dr. Dirk Krausse und Dr. Leif Hansen seit vergangenem Jahr Ausgrabungen in der Region der oberen Donau durch.

„Wie die Entdeckung eines Opferschachts mit menschlichen Skelettresten zeigt, diente dieses gigantische Bauwerk bis ins dritte Jahrhundert vor Christus als Kultplatz“, teilte das Regierungspräsidium in einer Presseerklärung mit. Eine genaue Datierung sei jedoch noch nicht möglich, da die Kalksteintrockenmauer bisher nur an ihrem Randbereich freigelegt worden sei.

Die Forscher vermuten bisher aufgrund naturwissenschaftlicher Untersuchungen an Tierknochen aus dem Mauerbereich, dass die Mauer zwischen dem siebenten und fünften Jahrhundert vor Christus errichtet worden sein könnte. In der näheren Umgebung wurden in der Vergangenheit bereits auf dem Bergrücken „Alte Burg“ Keramik- und Metallüberreste aus dieser Zeit gefunden. Auch der nur neun Kilometer entfernte Fürstensitz Heuneburg bei Herbertingen mit seinen berühmten Lehmziegelmauerfundamenten stammt aus frühkeltischer Zeit.

„Auf der „Alten Burg“ konnten wir die Steinmauer bisher auf einer Höhe von 4,2 Metern freilegen, die oberen Partien sind jedoch noch im Steinschutt verborgen, so dass die Mauer an einigen Stellen wahrscheinlich noch sechs oder sieben Meter hoch senkrecht steht. Das ist für den gesamten Raum nördlich der Alpen einzigartig“ erklärte der Archäologe und Projektleiter Prof. Dr. Krausse begeistert.

Die „Alte Burg“ steche nicht nur unter fortifikatorischen Gesichtspunkten unter den Funden aus der frühkeltischen Zeit heraus, sie dürfte vielmehr auch eine sehr bedeutende Anlage mit Kultplatzfunktion gewesen sein. Die Ausgrabungen an der „Alten Burg“ sollen im kommenden Frühjahr fortgesetzt werden. Es bestehen noch viele offene Fragen hinsichtlich der Beziehung zur Heuneburg. Beide Anlagen dürften in der damaligen Eisenzeit Sichtkontakt gehabt haben.

Artikel bewerten
(5 Stimmen)