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Sexistische Schokomilch?

Müllermilch unter Rassismusverdacht

Samstag, 14 November 2015 22:43 geschrieben von  Susanne Hagel
Müllermilch unter Rassismusverdacht Müllermilch unter Rassismusverdacht Quelle: PIXABAY.COM

Kempten - Was hat sich Müllermilch nur dabei gedacht? Nicht nur, dass sich auf der Weihnachtsedition halbnackte Damen im Pin-up-Stil der 50er Jahre räkeln – die Schokomilch ziert auch noch ausgerechnet eine dunkelhäutige Halbnackte. Tiefer, so könnte man angesichts des medialen Aufschreis vor allem in Feministenkreisen meinen, hätte das Fettnäpfchen nicht sein können.

„Das ist geschmacklos und in höchstem Maße daneben“, kritisiert Gert Gutjahr, Chef des Instituts für Marktforschung in Mannheim, die Idee mit halbnackten Frauen für eine Milch zu werben. Die Firma Müllermilch müsse entweder gar nicht oder sehr schlecht beraten worden sein. Fremdenfeindlichkeit aufgrund der dunkelhäutigen Dame auf der Schokoladenmilch will Gutjahr der Firma hingegen nicht unterstellen: „Wahrscheinlich hat man da gar nicht drüber nachgedacht“, mutmaßt er.

Ein Konzernsprecher der Molkerei Alois Müller wies die Vorwürfe ebenfalls zurück: „Rassismus ist keinesfalls unsere Intention“, heißt es. „Den gleichen, falschen Vorwurf müssten wir uns gefallen lassen, hätten wir auf die Figur der 'Sharon Sheila Schoko' verzichtet und ausschließlich weiße Motive verwendet. Auch die Frage, welche Geschmacksvariante besser zu dieser Figur passen würde, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Passte die Banane besser? Oder die Erdbeere? Deshalb ist in unseren Augen auch diese Werbeform letztendlich reine Geschmackssache, die nicht überinterpretiert werden sollte.“

Tahir Della von der Initiative „Schwarze Menschen in Deutschland“ sieht das anders. „Mit den Bildern, die Müllermilch hier produziert, werden rassistische Stereotype und Phantasien abgerufen, die weiße Menschen meistens mit schwarzen Menschen assoziieren“, beklagt er. „Müllermilch meint ja, die Motive haben nur einen Bezug zu den Pin-up-Girls der 1950er Jahre. Dem kann ich nur entgegnen: Es war damals schon diskriminierend und sexistisch und nur weil man damals anders oder gar nicht darüber diskutiert hat, ist es heute nicht weniger problematisch. Es war niemals normal, Menschen zu diskriminieren und das ist es auch heute nicht. Die Reaktionen in den sozialen Medien zeigen, dass es ganz viele Menschen gibt, die das sehr wohl nachvollziehen können und das auch genau so sehen.“

Im Internet hatte die neue Werbung für die Weihnachtsedition für einen Shitstorm gegen Müllermilch gesorgt. In sozialen Netzwerken werden ganze Supermarktketten zum Boykott der „sexistischen Fläschchen“ aufgefordert.

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