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Kunst und Keramik

Max Laeuger – Ein Naturromantiker wird 150

Freitag, 01 August 2014 13:09 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Max Laeuger (1864 bis 1952) Max Laeuger (1864 bis 1952) Quelle: Bad-Bad.de

Karlsruhe - Der 30. September 1864 und der 12. Dezember 1952 markieren die Lebensspanne des Lörracher Universalkünstlers und Keramikers von Weltgeltung, zu Ehren dessen 150. Geburtstags im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe noch bis zum 05. Oktober 2014 eine Ausstellung seines Gesamtwerks zu sehen ist. Die Ausstellung „Max Laeuger. Gesamt Kunst Werk“ versucht mit etwa 370 Werken sämtliche Facetten seines Schaffens zu beleuchten. Das Museum selbst bezeichnet den künstlerischen Ansatz Laeugers als völkerverbindend.

Laeuger studierte Anfang der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts an der Kunstgewerbeschule Karlsruhe, wurde dort Hilfslehrer und Assistent, bis er später an der Technischen Hochschule Karlsruhe zuerst eine außerordentliche und dann eine ordentliche Professur erhielt. In seinem Wirken war er vielseitig wie kaum ein Zweiter seiner Zeit. Neben seinem Schwerpunkt der Keramik betätigte er sich als Maler, Graphiker, Glasmaler, Architekt, insbesondere als Gartenarchitekt, und publizierte kunstdidaktische Werke. Er gilt vielfach als einer der Wegbereiter des 20. Jahrhunderts im Bereich der Keramik, wo er stark von der persischen Kultur inspiriert wurde, in der er das Ideal eines materialgerechten Umgangs verwirklicht sah.

Mit seinen architektonischen Gärten setzte sich Laeuger an die Spitze der modernen Gartengestaltung in Deutschland. Stellvertretend für eine der bekanntesten Anlagen und zugleich besterhaltenen öffentlichen Jugendstil-Garten in Deutschland zählt die Gönner-Anlage in Baden-Baden. Vielbewundert auch die 1925 nach seinen Plänen errichtete am Vorbild italienischer Renaissancegärten orientierte Wasserkunstanlage Paradies.

1939 verlieh die Stadt Lörrach Max Laeuger die Ehrenbürgerwürde und 1944 wurde er mit der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet, einer der höchsten künstlerischen Auszeichnungen seiner Zeit. Es wäre ein angemessenes Verdienst der Karlsruher Ausstellung, diesen Universalkünstler anläßlich seines Jubiläumsjahres wieder etwas deutlicher in das öffentliche Bewußtsein zu rücken. Viele heutige Jugendstilauktionen wären ohne ein verläßliches Kontingent seiner Stücke um ein Vielfaches ärmer.

Laeuger darf als Idealist und Naturromantiker charakterisiert werden, dessen sämtliche Sparten feminine Ästhetik atmen, da seine Kunst das Leben als weibliche Natur beschreibt. Dies wird auch am ersten großen Blickfang in der Karlsruher Ausstellung sichtbar: ein riesiges Triptychon in Öl, geschaffen für das Musikzimmer einer Schweizer Villa. Auf den Öltafeln spielen in arkadischer Landschaft entblößte Frauen Musikinstrumente.

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