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„Die Menschen sind so politisch wie ein Handtuch“

Michel Houellebecq präsentiert „Unterwerfung“ in Köln

Dienstag, 20 Januar 2015 20:05 geschrieben von 
Michel Houellebecq Michel Houellebecq Quelle: http://de.wikipedia.org | Foto: Mariusz Kubik | CC BY 3.0

Köln - Der französische Autor Michel Houellebecq stellte gestern seinen nun auf Deutsch erschienenen Roman „Unterwerfung“ in Köln vor.

Der an sich schon brisante Inhalt seines Romans erhielt durch das Pariser Attentat radikaler Islamisten auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdot“ noch mehr Aufwind. Dabei verursachte das Buch ohnehin schon im Vorfeld seiner Veröffentlichung einigen Wirbel. Islamophob sei Houellebecqs Buch. Dabei ist es sein entworfenes Szenario eines Frankreichs 2022 unter muslimischer Herrschaft keineswegs ausschließlich. Was von Muslimen als Islamkritik aufgefasst werden kann, kann ebenso als Abrechnung des aktuellen Polittheaters verstanden werden: sind es doch die etablierten Parteien im Roman, die aus Angst vor einem Wahlsieg der politisch Rechten dem muslimischen Gegenkandidaten erst ins Amt verhelfen. Dem Leser fällt es unsäglich leicht, sich dieses Szenario vorzustellen. Dem deutschen Leser vielleicht sogar noch mehr als dem französischen, erleben wir hier doch eine Ausgeburt an Realitätsverzerrung, geboren aus der Angst, der Deutsche könnte in seinem Nationalbewusstsein wiedererwachen. Man denke an die Entwicklungen in Kirchweyhe nach dem Tod eines jungen Deutschen, der von ausländischen Jugendlichen totgeprügelt worden war. Statt Beileidsbekundungen an die Hinterbliebenen zu richten, gründeten die regionalen Politiker runde Tische „gegen rechts“. Kirchweyhe wurde für „bunt“ und weltoffen erklärt, Gesicht gezeigt gegen eine braune Gefahr, statt Trauer zu zeigen für ein wirklich betrauernswertes Ereignis. Konsequenz gegen die Straftäter – keine Spur. Man musste stattdessen in Schildbürgermanier ein Phantom bekämpfen, während die eigentlichen Täter sich vor Lachen nicht mehr halten konnten. Eben diesen Politiker würden auch einem muslimischen Bundeskanzler ins Amt verhelfen, wie in dem französischen Buch porträtiert.

Houellebecq, bekannt für sein provokantes Auftreten und Inszenieren, begann seine Buchvorstellung mit den Worten: „Jetzt muss ich zwei Dinge in einer Endlosschleife erklären: Erstens, dass mein Buch nicht islamophob ist, und zweitens, dass man das Recht dazu hat, ein islamophobes Buch zu schreiben.“ Wieder einmal fasst er in einem Satz zusammen, wie unsinnig es derzeit hier- und offensichtlich auch im Nachbarlande zugeht: War bis vor wenigen Wochen, Tagen fast, Islamkritik generell verpönt und wurde maximal von der Rechten des Landes geäußert, so schießen nun allerorten die Mahner aus dem Boden, die aus allen Ecken in Marktschreiermanier verkünden, nichts und niemand dürfe unsere Presse- und Meinungsfreiheit angreifen. Kritik müsse immer und zu jeder Zeit erlaubt sein – auch Islamkritik, auch scharfe Islamkritik. Hört, hört! Wo zuvor stets die Augen verschlossen worden waren, wissentlicher Selbstbetrug durch die Medien hofiert wurde, Islamkritiker mit der Nazikeule erschlagen worden, wird nun der Vorhang beiseite gerissen und ein Schreckensbild des Terrors, ausgelöst durch radikale Islamisten, gemalt. Plötzlich gibt es sie dann doch, eine Gefahr, die von islamischen Radikalen ausgeht. Man kann gar nicht mehr so schnell lesen, wie sich die Presseberichte über Einsätze der Polizei gegen potenzielle Terrorzellen häufen, so real ist die Gefahr plötzlich. Dabei schaffen unsere Politstatisten allerdings wieder einmal ein humoristisches Kunststück, indem sie gebetsmühlenartig erklären, dass der Islamismus natürlich nichts mit einer Islamisierung des Landes zu tun habe. Die gibt es nämlich immer noch nicht. Bürgern, die sehenden Auges durch deutsche Großstädte gehen, wird dringend geraten, einen Augenarzt aufzusuchen.

Doch zurück zu Houellebecq und dessen Buch. Dieser erklärte noch, man dürfe sich weder von den Islamisten, noch von den Rechten vereinnahmen lassen. Im übrigen sei er kein Politiker und eben nur ein Schriftsteller, der einen Roman geschrieben hat. Die Menschen heutzutage seien so politisch wie ein Handtuch. Das einzige Gegenmittel sei seiner Meinung nach eine direkte Demokratie. 

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