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Aktionskunst gegen Apple, Amazon, Facebook und Google

Neue Nationalgalerie zeigt Staeck-Plakate

Mittwoch, 13 August 2014 16:31 geschrieben von  Susanne Hagel
Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln. Staeck (vor seinem Fenster in Heidelberg) Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln. Staeck (vor seinem Fenster in Heidelberg) Foto: Gottschling

Berlin - Seit dem 7. August zeigt die Neue Nationalgalerie Berlin die aktuelle Ausstellung von Klaus Staeck. Gemäß dem Titel "Die Kunst findet nicht im Saale statt" wurden zehn unterschiedliche Motive der letzten 35 Jahre für drei Wochen an 300 Litfaßsäulen in der ganzen Stadt ausgehangen. 

Staeck, seit 2006 Präsident der Akademie der Künste, gilt als der bekannteste Plakatkünstler Deutschlands mit einem Gesamtwerk von über 300 Plakaten. Diese widmen sich mit satirisch-ironischen Kommentaren politischen Themen, die häufig auch Jahrzehnte später noch aktuell sind. Sie stellen mehr "Irritation als Provokation" dar, so der Direktor der Nationalgalerie, ihre Botschaft erwische die Leute unverhofft, solle sie zum Nachdenken bringen. Dem Künstler gehe es darum, "nicht in Resignation zu verfallen, sondern selbst aktiv zu werden."

Zu sehen seien bekannte Werke, deren Themen noch immer aktuell sind, wie das Plakat "Und macht Euch die Erde untertan" von 1987 auf dem eine Hälfte der Erde wie eine Zitrone ausgepresst wird. Oder die Aufnahme eines Roulettespiels mit der Überschrift "Rien ne va plus – die Bank gewinnt immer" aus dem Jahre 2009.

Bekannt wurde Staeck 1971 mit der provozierenden Aufmachung eines Porträts von Dürers Mutter als arme alte Frau, welches mit der Frage versehen war: "Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?" "Die Reaktionen waren damals so überwältigend, dass mir klar wurde, es gibt eine Chance“, so der Künstler. "Die Leute nehmen an der öffentlichen Litfaßsäule etwas wahr, was nicht für ein Produkt oder eine Veranstaltung wirbt, sondern eine Frage aufwirft.“ Seither hat er sich dem Aufwerfen von Fragen verschrieben, will erreichen, dass die Menschen sich einmischen, dass sie begreifen, dass sie es sind, die sich bewegen müssen und dass sie endlich Verantwortung für gesellschaftliche Themen und deren Entwicklungen übernehmen.

In seinem neuesten Werk, was in der Ausstellung noch nicht zu sehen ist, wendet er sich gegen die vier großen Internetkonzerne Apple, Google, Facebook und Amazon und deren Datensammelleidenschaft. "Wir wissen mittlerweile, dass die Datenüberwachung bei allen garantiert ist. Auch Apple sammelt Daten und gibt sie weiter." Staeck nutzt dazu Albrecht Dürers "Die apokalyptischen Reiter" und ordnet jedem Reiter symbolisch eines der Unternehmen zu. "Ich hätte auch Zalando dazu nehmen können oder Starbucks, die in Deutschland keine Steuern zahlen." meint der Künstler. Neben dem Datenklau gebe es noch so vieles mehr an den Unternehmen zu kritisieren, so zum Beispiel die Arbeitsbedingungen bei Amazon. "Das sind alles Mehrfachtäter." Dabei verstehe er seine Kampfansage jedoch nicht als Kritik am Onlinehandel an sich, sondern an dem negativen Beiwerk, welches im Zuge dessen Einzug gehalten hat. "Wenn sie jetzt noch das Bargeld abschaffen, wird die Überwachung total.“

Letzte Änderung am Mittwoch, 13 August 2014 16:43
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