www.derfflinger.de

Freigegeben in Boulevard

Hannelore Kraft geht ans Tafelsilber

NRW will Kunst des Landes zu Geld machen

Donnerstag, 23 Oktober 2014 19:15 geschrieben von  Susanne Hagel
Hannelore Kraft Hannelore Kraft Quelle: Florian Jaenike / SPD

Düsseldorf - Zwei Werke von Andy Warhol sorgen derzeit für regen Diskussionsstoff in Nordrhein-Westfalen. Der Casinobetreiber Westspiel habe die Bilder Triple Elvis und Four Marlons zur Auktion bei Christie’s New York angemeldet. Jedoch: Westspiel ist eine Tochterfirma der landeseigenen NRW Bank und somit in staatlicher Hand. Die Bilder somit zumindest indirekter Staatsbesitz. Museumsdirektoren des Landes sind entsetzt und fürchten den Tabubruch, wenn erstmals wieder Kulturschätze zur Sanierung maroder Staatskassen eingesetzt werden.

Nachdem die Bilder einst die Wände der Spielbank von Aachen schmückten, lagerten sie fast fünf Jahre im Depot, bevor sich Westspiel entschloss durch die Versteigerung ihre Verluste der letzten Jahre auszugleichen und ein neues Casino in Köln zu bauen. Die Bilder, die einstmals in den Siebziger Jahren für Insgesamt rund 400.000 deutsche Mark angeschafft worden waren, haben eine starke Preissteigerung erfahren: die WestLB erhofft sich Gewinne von rund 100 Millionen Euro.

In einem Protestbrief warnen 26 Museumsdirektoren des Landes vor dem damit einhergehenden Tabubruch. Es werde ein Präzedenzfall geschaffen, dem Kommunen, öffentliche Unternehmen und Gesellschaften und Zukunft folgen könnten, schreiben sie. "Damit wäre der öffentliche und auch der Museumsbesitz nicht mehr sicher." Sie fordern Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) auf, den Verkauf zu verhindern. "Es handelt sich um eine Grauzone des Kunstverkaufs, der rechtlich nicht abgedeckt ist", so die Direktorin des Mönchengladbacher Museums Abteiberg, Susanne Titz. Unterstützt werden die Museumschefs von Politikern der Opposition, die ein generelles Verbot des Verkaufs landeseigener Kunstschätze fordern.

Hannelore Kraft wiederum beteuert, keine Handhabe zu haben: "Westspiel ist ein rechtlich selbstständiges, bilanzierendes und wirtschaftlich agierendes Unternehmen, das Investitionen aus eigener Kraft oder vorhandenen Vermögenswerten bestreiten muss. Die Warhol-Werke sind nicht für den Aufbau einer Sammlung angekauft worden und unterliegen damit nicht den Richtlinien für Museen", so die Ministerpräsidentin. Sie könne lediglich versprechen, dass die Landesregierung keine Kunst aus direktem Landbesitz veräußern wird.

Doch das Interesse der Museen ist geweckt. Während sich über Jahre keines der landeseigenen Museen für die Kunstwerke der Westspiel interessiert hatte - "Seit Jahrzehnten hat kein Landesmuseum nach einer Ausleihe dieser Werke gefragt", erklärte ein Westspiel-Sprecher -, erinnerte man sich nun offenbar der Schätze, die im Besitz der WestLB sind. Diese besaß einst eine riesige Kunstsammlung, die nach ihrer Zerschlagung 2012 in den Besitz ihrer Nachfolgegesellschaft Portigon AG ging. Darunter Werke von Joseph Beuys oder Gotthard Graubner. Die Portigon AG ist ebenfalls in staatlichem Besitz - die Bilder unterliegen also der selben Grauzone wie die Warholbilder. Würden diese rechtlich nicht nur als indirekter Staatsbesitz, sondern als direkter angesehen, so bestünde eine gute Chance, die Werke an landeseigene Museen zu überführen und sie damit einerseits vor einem drohenden Verkauf zu bewahren und andererseits das jeweilige Museum aufzuwerten.

Artikel bewerten
(2 Stimmen)