www.derfflinger.de

Freigegeben in Boulevard

Peking und Zhangjiakou bewerben sich

Olympische Winterspiele 2022 in China?

Dienstag, 10 Februar 2015 16:35 geschrieben von  Johann W. Petersen
Olympische Spiele Olympische Spiele

Magdeburg - Im Januar haben Peking und das etwa einhundert Kilometer nordwestlich von der chinesischen Hauptstadt gelegene Zhangjiakou ihre gemeinsame Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eingereicht. Die Chancen, dass die beiden chinesischen Metropolen bei der entscheidenden Sitzung des IOC am 31. Juli in Malaysia zum Zuge kommen, stehen nicht schlecht. Einziger Mitbewerber ist Almaty in Kasachstan, nachdem sich zuletzt auch Oslo zurückgezogen hatte. Zuvor waren bereits München, Stockholm, Krakau und Lemberg abgesprungen.

Während sich in Europa die Begeisterung für die Ausrichtung von Olympischen Spielen offenbar in Grenzen hält, sind die Chinesen Feuer und Flamme für diese Idee – sowohl die Staatsführung als das Volk. Sollten die beiden Städte den Zuschlag bekommen, wäre es nach den Sommerspielen von 2008 schon das zweite Mal, dass Peking Olympiastadt wird – und das erste Mal in der Geschichte der internationalen Sportwettkämpfe, dass eine Stadt sowohl die Sommer- als auch die Winterspiele ausrichtet.

In den letzten Jahren ist in den Bergen der Provinz Hebei, zu der Zhangjiakou zählt, tatsächlich so etwas wie ein „chinesisches Davos“ entstanden. Im dazugehörigen Kreis Chongli eröffnete in 2.000 Metern Höhe bereits 2003 das erste Skigebiet, mittlerweile gibt es vier davon. Falls China bei der Bewerbung um die Winterspiele erfolgreich sein sollte, sollen dort die Biathlon-, die Nordischen und die Snowboard-Wettbewerbe stattfinden. Die Stadt Peking würde die Eissportwettbewerbe ausrichten, der Pekinger Landkreis Yanqing die alpinen Skiwettkämpfe.

Nach Angaben des chinesischen Bewerbungskomitees erfüllen alle vorgeschlagenen Ski-Austragungsorte die Schneeanforderungen des IOC. „Zhangjiakou und Yanqing verfügen über reichhaltige Wasserresourcen, falls für die Wettbewerbe Schnee künstlich erzeugt werden müsste“, so Wang Hui, Sprecherin des Bewerbungskomitees. Demnach müsste zur Erzeugung von Kunstschnee kein Wasser aus Peking, das für seine notorische Wasserknappheit bekannt ist, abgeleitet werden.

Skifahren erfreut sich bei der aufstrebenden Mittel- und Oberschicht des Landes immer größerer Beliebtheit. In den vergangenen fünfzehn Jahren ist die Zahl der Skifahrer nach Schätzungen chinesischer Stellen landesweit von 10.000 auf rund fünf Millionen gestiegen. Auch in Chongli tummeln sich die Skifahrer auf der Piste. Viele kommen aus dem nahegelegenen Peking ins Gebirge, im letzten Jahr zählte man 1,5 Millionen Gäste.

Die Anfahrt zum Skigebiet ist allerdings derzeit noch relativ umständlich. Von Peking aus dauert es wegen der meistens verstopften Autobahn bis zu vier Stunden. Sollten Peking und Zhangjiakou allerdings den Zuschlag für die Winterspiele 2022 bekommen, soll das Gebiet per Hochgeschwindigkeitstrasse mit der Hauptstadt verbunden werden. Per Zug wird die Fahrt dann weniger als eine Stunde dauern. Für den Bahnhof und das Olympische Dorf müsste allerdings der Ort Taizicheng Platz machen, ein weiteres Dorf würde der Biathlon-Strecke weichen. Dies hätte die Umsiedlung von etwa 800 Personen zur Folge. Die Olympia-Planer versichern jedoch, dass sie nach Recht und Gesetz entschädigt würden.

Für Peking spricht letztendlich auch, dass mit dem Olympiastadion, der Wukesong-Arena und dem Schwimmstadion, das für die Eissportveranstaltungen genutzt werden soll, schon eine Reihe von modernen Sportstätten existieren. Größere Investitionen wären für eine Strecke für den alpinen Abfahrtslauf und Sportanlagen wie Sprungschanzen oder eine Bob- und Rodelstrecke notwendig. Die Finanzierung der Projekte wurde von der Staatsführung in Peking bereits zugesichert.

Artikel bewerten
(4 Stimmen)