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Päpstliche Pädagogik

Papst irritiert mit Aussagen zum Schlagen von Kindern

Montag, 09 Februar 2015 19:42 geschrieben von 
Papst Franziskus Papst Franziskus Quelle: de.wikipedia.org | Foto: Korea.net | CC BY-SA 2.0

Rom - Weil er in seiner letzten Generalaudienz zur Rolle der Väter in der Familie das Mittel der körperlichen Züchtigung erwähnt, ohne es zu verurteilen, wird Papst Franziskus in Deutschland scharf kritisiert.

„Ein guter Vater versteht zu warten und zu vergeben, und das aus ganzem Herzen. Gewiss, er kann auch entschlossen zurechtweisen: Er ist kein schwacher Vater, kein nachgiebiger, sentimentaler. Der Vater, der zurechtweisen kann, ohne zu demütigen, ist der gleiche, der zu schützen weiß, ohne sich zu schonen. Einmal hörte ich in einem Treffen von Eheleuten einen Vater sagen: `Manchmal muss ich die Kinder ein bisschen schlagen - aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu demütigen.´ Wie schön: Er hat einen Sinn für Würde. Er muss bestrafen, er macht’s auf rechte Weise, und dann geht es normal weiter“, erklärte Franziskus und löst damit eine mediale Welle der Empörung aus.

Während mehrere Redaktionen titelten, Franziskus habe großes Verständnis für das Schlagen von Kindern, erklärten gleich zwei Vatikansprecher, das Gegenteil sei der Fall. Thomas Rosica, Mitarbeiter der Pressestelle des Vatikans, erklärte, der Papst habe nicht über Gewalt an Kindern gesprochen oder gar Grausamkeiten gegenüber Kindern gutgeheißen, wie einige Medien unterstellten. Vielmehr gehe es in seiner Rede darum, „jemandem beim Wachsen und Reifen zu helfen“. „Schauen Sie sich einfach Papst Franziskus an, wenn er mit Kindern zusammen ist und lassen Sie die Bilder und Gesten für sich selbst sprechen.“

Federico Lombardi, ebenfalls ein Sprecher des Papstes, erklärte: „Der Papst hat nicht dazu eingeladen, Kinder zu schlagen. Wie ganz richtig beobachtet wurde, zeigt der Papst gegenüber Kindern immer große Zuneigung und Zärtlichkeit.“

Die Deutsche Kinderhilfe kritisierte die missverständliche Äußerung des Papstes. „Franziskus macht sich mitschuldig, wenn auch nur einem einzigen Kind unter Verweis auf seine Aussage Schmerzen zugefügt wird“, so der Vorstandsvorsitzende Rainer Becker. „Es gibt kein würdevolles Schlagen eines anderen Menschen.“ In Deutschland sei jede physische und psychische Gewalt gegen Kinder verboten - „Dies gilt für Eltern genauso wie für katholische Geistliche“.

Eine Sprecherin des Bundesfamilienministeriums erklärte, laut Gesetz hätten Kinder in Deutschland seit 1980 das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. 2000 wurde durch das Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Familie der Begriff „elterliche Gewalt“ durch „elterliche Sorge“ ersetzt.

Marie-Theres Kastner, die Vorsitzende der Katholischen Elternschaft in Deutschland glaubt ebenfalls nicht, dass man „würdevoll schlagen“ könne. „Schlagen und jede andere körperliche Bestrafung ist kein Mittel der Wahl.“

Ähnlich äußerte sich auch der Vorsitzende des Verbandes Katholischer Internate, Christopher Haep: „Jede Form von Gewalt gegen Kinder – ob physisch oder psychisch – ist ein absolutes No-Go.“ Denn es gäbe keine Gewaltanwendung gegen Kinder, die nicht gleichzeitig Demütigung wäre.

Der Jesuit Bernd Hagenkord verurteilte Gewalt in der Erziehung nicht nur als falsch, sondern als kontraproduktiv.

Eine Sprecherin der Bischofskonferenz äußerte sich zum Thema Kindererziehung, betonte aber, es handele sich dabei in „keiner Weise“ um einen Kommentar zu den päpstlichen Äußerungen. „Aus christlicher Sicht ist für die Erziehung von Kindern ein Aufwachsen in Geborgenheit und liebevoller Zuwendung von großer Bedeutung.“

Letzte Änderung am Montag, 09 Februar 2015 19:48
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